Abo · Inserate · Wetter: Thun 16°freundlich

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

«... bis die Politik kommt»

Von Claudia Blumer, Jan Derrer. Aktualisiert am 20.01.2012 159 Kommentare

Der ehemalige UBS-Chef Oswald Grübel kritisierte an der Albisgüetli-Tagung die Pläne zur Bankenregulierung. Bernerzeitung.ch/Newsnet berichtete live vom Anlass der Zürcher SVP.

1/15 Oswald Grübel: «Die FDP vertritt die Sache der Banken nicht mehr so gut.»

   

Artikel zum Thema

Tagesanzeiger.ch/Newsnet an der Albisgüetli-Tagung

Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet mit Video-Updates vom Eintreffen der Gäste (ab 18 Uhr) und mit einem Ticker vom anschliessenden Redenmarathon (ab 19 Uhr) mit Christoph Blocher und Ex-Banker Oswald Grübel. Im Vorfeld der Veranstaltung (ab 17 Uhr) berichten wir über die Situation vor Ort. Die Polzei wappnet sich gegen Ausschreitungen.

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

23.15 Uhr: Thomas Fuchs gewinnt zum dritten Mal den ersten Tombola-Preis: ein Elektrovelo. Die vergangenen Male hat er ein Auto und ein Motorrad gewonnen. Der Berner SVP-Politiker schiebt sein Fahrrad stolz zum Ausgang. Den zweiten Preis hat Gerhard Blocher gewonnen. Der Bruder von Christoph Blocher erhielt einen Gutschein für den Bernina-Express im Wert von 2500 Franken.

Nachdem die Preise verteilt sind, leert sich der Saal im Schützenhaus Albisgüetli. Unter den letzten Gästen befinden sich der Gastgeber Alfred Heer, Präsident der Zürcher SVP, sowie die Nationalräte Christoph Blocher, Toni Bortoluzzi und Luzi Stamm. Letzterer tritt morgen als Kandidat für das Präsidium der Bundeshausfraktion an.

Die heutige Albisgüetli-Tagung stand im Zeichen des Bankenplatz' Schweiz (Oswald Grübel) und der Hildebrand -Affäre (Christoph Blocher). Ein zentrales Thema waren die Medien, deren Vertreter steckten mehrmals gehässige Kommentare und Kritik ein, von den Rednern wie von Gästen.

Wer vertritt die Banken am besten?

22.30 Uhr: Grübel spricht mit Bernerzeitung.ch/Newsnet: Es sei schwierig zu sagen, welche Partei den Bankenplatz am besten vertritt, sagt er.

Verständnis für das Bankgeheimnis

22 Uhr: Oswald Grübel plädiert für weniger Regulierung und Transparenzvorschriften für die Banken. Erstens wirkten Transparenzvorschriften nicht vertrauensfördernd. Zweitens: Eine Krise wie 2008 komme nicht so schnell wieder. «Ich bin überzeugt, dass sich der Fall UBS nicht wiederholen wird.»

Grübel sieht schwarz für die Banken, die Schuld dafür sieht er in der Politik: «Nach einer Periode der Globalisierung, in der die Armut halbiert wurde in der Welt, scheint mir, dass wir in der Weltwirtschaft einen Schritt zurückgehen.» Wir würden in Zukunft besser kapitalisierte und sehr liquide Banken haben, um die wir uns nicht sorgen müssten. «Bis die Politik kommt und nach dem volkswirtschaftlichen Sinn fragt.»

Vom Verständnis für das Bankgeheimnis sei wenig übrig geblieben, kritisiert Grübel. Der Wunsch in der Politik nach einer Weissgeldstrategie liesse vermuten, man habe früher eine Schwarzgeldstrategie gehabt.

«Wer sind Sie, was wollen Sie?»

21.30 Uhr: Christoph Blocher hat in seiner Rede mehrere Journalisten namentlich kritisiert, unter anderem den «Tages-Anzeiger»-Autor Constantin Seibt. Dieser habe ihn porträtiert, ohne ihn je gesehen zu haben, sagte Blocher.

Später sprach der Journalist Blocher auf ein früheres Treffen an, darauf folgte ein kurzes Streitgespräch. Dieses drehte sich um ein Ende Dezember im «Tages-Anzeiger» erschienenes Porträt «Der Profi», in welchem beschrieben war, wie der SVP-Politiker bei der Ems Chemie an die Macht gekommen war. «Wer auf so einem Unsinn beharrt ...», sagte Blocher. Auf das Mikrofon von Bernerzeitung.ch/Newsnet reagierte er unwirsch: «Wer sind Sie, was wollen Sie? Ich muss jetzt etwas essen.»

Grübel mischt sich unter die Leute

20.40 Uhr: Nachdem Christoph Blocher seine Rede beendet hat, stürmen viele auf die Toilette. Auch der nächste Starredner, Oswald Grübel, sowie dessen Lebenspartnerin stehen auf. Grübel antwortet auf eine Bitte um ein Interview: «Jetzt wollen Sie ein Interview, nachdem Sie namentlich getadelt worden sind?» Er lacht.

Grübel geht zu Hans Geiger, ehemaliger Zürcher SVP-Ständeratskandidat und Bankenexperte. Die beiden umarmen sich, Grübel setzt sich zu ihm.

Lange Rede

20.15 Uhr: Vergangenes Jahr haben selbst SVP-Sympathisanten die Länge von Blochers Rede kritisiert. Hinter vorgehaltender Hand monierten sie, dass diese immer länger ausfalle als geplant. Das dürfte auch diesmal so sein: Blocher steht seit 55 Minuten am Mikrofon, ist aber erst beim 5. Januar in der Causa Hildebrand.

Ein grosser Teil von Blochers bisherigen Rede ist Medienschelte. Er nennt namentlich mehrere Journalisten, die unliebsame Artikel über ihn geschrieben haben. Lob erhalten die «Weltwoche» und die ausländischen Medien.

Hässiger Samichlaus

19.45 Uhr: «Am 3. Dezember hatte ich die Gewissheit, dass es so ist, dass diese Devisenkäufe wirklich getätigt worden sind», sagt Blocher. Er habe sich die Frage gestellt, ob er etwas machen soll. «Ich war hin- und hergerissen. War am 4. Dezember noch Samichlaus bei meinen Enkeln.» Er sei hässig gewesen, die Sache habe ihn beschäftigt. Er habe sich gefragt, wer die richtige Anlaufstelle sei.

«Meine Frau war entsetzt. Oh Nein, warum gerade wieder du? Diese Geschichte wird niemals geheim gehalten. Im Bundesrat kommt doch immer alles aus.» Jetzt könne er gut sagen, wie es war, «meine Frau sitzt weit weg». Gelächter.

Der Gedanke an Friedrich Schiller und Wilhelm Tell liess Blocher agieren, wie er sagt. «Der Starke ist am mächtigsten allein», liess Schiller den Nationalheld sagen. «Nein», habe er seiner Frau gereizt entgegnet.

«Ein reinigendes Gewitter»

19.30 Uhr: «Das politische Jahr hat turbulent angefangen - für mich jedenfalls», sagt Christoph Blocher. «Schon vor einem Jahr hatten wir hier drin die Nationalbank als Nebenthema», erinnert sich Blocher und gibt damit Wasser auf die Mühlen jener, die ihm unterstellen, eine Kampagne gegen Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand geführt zu haben. «Es war ein reinigendes Gewitter», schliesst er.

Erste Gerüchte habe es im November gegeben, man habe ihn gefragt, ob es in Ordnung sei, wenn die Nationalbank-Spitze Währungen kauft. Er habe es nicht für möglich gehalten, dass dies geschehe, sagt Blocher. «Auch viele Spezialisten, die ich gefragt habe, hielten das nicht für möglich. Ich erzähle jetzt ein wenig aus dem Nähkästchen, ich weiss ja, wie es gelaufen ist.» Neues gibt es bis jetzt aber nicht.

Alfred Heer huldigt Christoph Blocher

19 Uhr: SVP-Vizepräsident Christoph Blocher hat den Saal betreten und unter Blitzlichtgewitter seinen Platz angesteuert. Auf dem Weg dorthin schüttelt er viele Hände, begrüsst Gemeinderat Mauro Tuena und Nationalrätin Natalie Rickli. Kaum sitzt der SVP-Chef, eröffnet Kantonsrätin Barbara Steinemann den Anlass.

Alfred Heer, Präsident der SVP Kanton Zürich, hält eine Begrüssungsansprache. Er beginnt mit einer Huldigung an Christoph Blocher: «Ein Mann, welcher seit Jahren unter schärfster Beobachtung der Medien steht, ein Mann, der wie keine andere Person verunglimpft und verteufelt wird. Ein Mann, der diesem unglaublichen Widerstand trotzt.»

Der höchste Schweizer vermisst Berlin

18 Uhr: Hansjörg Walter ist zum ersten Mal an der Albisgüetli-Tagung. Andere Jahre war er um diese Jahreszeit in Berlin, an der Agrarmesse «Grüne Woche». Diesmal hat der Bauernverbandspräsident seinen Stellvertreter hingeschickt. Als höchster Schweizer fühlte sich Walter zur Teilnahme am SVP-Anlass verpflichtet. «Wäre ich nicht Nationalratspräsident, wäre es mir egal, was in Zürich läuft», sagt der Thurgauer scherzhaft. Er lässt aber durchblicken: «Ja, ich vermisse Berlin.»

Walter lobt - für seine Partei unüblich - die Schweizer Medien, insbesondere die Printmedien. Sie hätten sachlich und wahrheitsgetreu über die Ereignisse rund um die Bundesratswahlen berichtet. «Ich musste die Zitate fast nie ändern, es hat meistens alles gestimmt.»

Inzwischen spielt im Saal die Kavallerie-Musik, so laut, dass man sich im Gespräch heiser redet. Die Leute sitzen auf ihren Plätzen. Christoph Blocher werde etwa um 19 Uhr da sein, sagt dessen persönlicher Mitarbeiter Livio Zanolari und verteilt Blochers Rede auf Papier. Dabei warnt er: «Es ist möglich, dass er dann ganz etwas anderes sagt als das, was drin steht.»

Thomas Fuchs hätte Eveline Widmer-Schlumpf eingeladen

17.30 Uhr: Anita Borer und Thomas Fuchs unterhalten sich kurz im Foyer, beide SVP-Politiker haben bei den eidgenössischen Wahlen im Oktober 2011 eine Niederlage erlitten: Der Berner wurde aus dem Nationalrat abgewählt, die Zürcher Jung-Kandidatin erzielte ein enttäuschendes Ergebnis. «Ich hätte Widmer-Schlumpf als Gastrednerin eingeladen», sagt Fuchs. «Mich nimmt vor allem Wunder, ob sie zugesagt hätte.» Er fügt laut lachend hinzu: «Man hätte sie ja in einen Käfig stecken können, wie den Papst.»

Anita Borer äussert sich vorsichtig zur Hildebrand-Affäre, zum künftigen SNB-Präsidium sowie zum SVP-Fraktionspräsidium im Bundeshaus, das morgen Samstag neu besetzt wird. Bevorzugte Kandidaten nennt sie nicht, das müssten die jeweiligen Leute in den Gremien entscheiden. Heute Abend sei sie gespannt auf die Einschätzungen zur Situation des Finanzplatz Schweiz.

Tombolalose werden verkauft und man prostet sich mit Weisswein zu. Borer unterbricht das Gespräch alle paar Sekunden, weil jemand sie grüsst.

SVP verzeiht Widmer-Schlumpf nicht

Heute Abend hält die SVP des Kantons Zürich zum 24. Mal ihre Versammlung im Schützenhaus Albisgüetli in Zürich ab – ein Anlass, der weit über den Kanton Zürich hinaus an Strahlkraft gewonnen hat. Zahlreiche Politgrössen besuchen ihn, und die Bundespräsidentin oder der Bundespräsident hält traditionellerweise eine Gastrede.

Eveline Widmer-Schlumpf ist nicht die erste Bundespräsidentin, die von der SVP keine Einladung erhält. Die SVP verzeiht der BDP-Bundesrätin den Blocher-Sturz vom Dezember 2007 schlichtweg nicht. Doch auch die zurückgetretene SP-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey wurde während ihres Bundespräsidiums Anfang 2007 nicht ins Albisgüetli eingeladen. 2011 hingegen erhielt Calmy-Rey eine Einladung – und nahm sie an. Andere schlugen sie aus: Doris Leuthard (2010), Joseph Deiss (2004) und Pascal Couchepin (2003) verzichteten auf eine Teilnahme am SVP-Parteianlass.

Grübel – aus aktuellem Anlass

Mit Oswald Grübel, der anstelle von Widmer-Schlumpf heute Abend eine Rede hält, hat die SVP einen Gast mit topaktuellem Hintergrund gewählt. Grübel ist erst im September als CEO der UBS zurückgetreten. Auch er bekämpft – wie die SVP – strengere Regeln für Banken, wie sie der gefallene Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand gemeinsam mit Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf vorangetrieben hat.

Grübel wird um 21 Uhr eine Rede halten, gleich nach dem Abendessen. Davor reden Alfred Heer, Präsident der SVP Kanton Zürich, sowie Christoph Blocher, Vizepräsident der SVP Schweiz und Nationalrat. Der Anlass dauert bis 1 Uhr. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.01.2012, 16:40 Uhr

159

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

159 Kommentare

Martin Blatter

20.01.2012, 18:00 Uhr
Melden 209 Empfehlung

Grübel in den BR, Ospel in die SNB, Hermann Lei als Bundesrichter, Ulrich Schlüer als Korpskommandant. 2012 das Jahr des Weltunterganges.. Antworten


Roger Borer

20.01.2012, 20:16 Uhr
Melden 195 Empfehlung

Herr Blocher hat seiner Frau am 3. Dezember von den Dokumenten erzählt! Bis zum 15 Dezember war er im Besitz der Dokumente!!! Wer wusste noch davon, wieviele Kopien gibt es wirklich!? Er hat schon wieder gelogen, er behauptete niemanden informiert zu haben! Soviel zu Blochers Diskretion! Antworten