Eine Bühne für Junge wird erwachsen
Von Eva Robmann
Männedorf – Die Idee hatte wohl schon mancher Vater: seinen Söhnen mit einem selber organisierten Konzert die Möglichkeit zum musikalischen Auftritt bieten. Der Männedörfler Daniel Naterop tat es und nannte den Anlass, an dem vor allem Primarschüler teilnahmen, «Nobody’s Perfect». Nach zehn Jahren ist das jährliche Pop- und Rockkonzert zum beliebten Event für Kinder und Jugendliche aus der ganzen Region geworden.
In diesem Jahr werden nur noch wenige unter 13-Jährige auftreten. Die Mehrheit der Angemeldeten ist zwischen 17 und 20 Jahre alt. Darunter sind 20-Jährige, die noch nie einen öffentlichen Auftritt hatten. Aber auch viele Dauergäste auf der Bühne, die mit dem Festival älter geworden sind. Nicht nur sie: Der Gründer Daniel Naterop ist heuer erstmals nur noch als Helfer dabei. «Irgendwann wächst man da raus», sagt der 57-Jährige, «nun sollen Jüngere ran.»Weil der Anlass kaum mehr aus dem kulturellen Leben in Männedorf wegzudenken ist, hat sich die Gemeinde bereit erklärt, die Organisation ab diesem Jahr zu übernehmen. Es ist die zehnte Durchführung der öffentlichen Musikbühne für Jugendliche. Am Samstagabend, 11. Februar, heisst es deshalb in Männedorfs Aula Blatten trotz der Ermüdungserscheinungen beim früheren Organisator wieder «Nobody’s Perfect».
Auch Vater Vescoli begann klein
Das Zepter wird Männedorfs Jugendbeauftragte, Natalie Vescoli übernehmen, die seit 20 Jahren in der Jugendarbeit tätig ist und selber einen 16-jährigen Sohn hat. «Ich freue mich schon auf den Soundcheck», sagt Vescoli. Sie hat einen ähnlichen Anlass bereits in der Gemeinde Wald organisiert. Die Jugendbeauftragte bringt nicht nur Erfahrung im Zusammenspiel mit Jugendlichen mit, sondern auch im musikalischen Bereich, denn sie hat früher selber Rockmusik gesungen. Die Musikszene lernte sie ohnehin schon als Kind kennen, und zwar durch ihren Vater: Toni Vescoli, der 1962 Les Sauterelles gegründet hatte, wurde mit seiner Band Wegbereiter der Rockmusik in der Schweiz. Die beliebteste Schweizer Band der 60er-Jahre tritt immer noch auf. Doch auch Toni Vescoli hatte einst seinen allerersten öffentlichen Auftritt – ganz wie die jungen Talente bei Nobody’s Perfect.
«Die Bühne ist eine gute Sache», sagt der Gründer Daniel Naterop, von Beruf Bauingenieur. Neun Jahre lang hat er Jugendliche ermuntert, allein, zu zweit oder als Band öffentlich aufzutreten. Und dies, obwohl seine drei inzwischen erwachsenen Söhne schon bald eigene Bühnen suchten und nicht mehr am Anlass des Vaters teilnehmen wollten. «Nobody’s Perfect hat einfach Spass gemacht und mir viel Energie gegeben», sagt Naterop.
92 Formationen sind in den neun Jahren aufgetreten. Von Softpop bis Hardrock, von Jazz über Latin bis Rap spielten und sangen wenige Mädchen und viele Jungen einzeln oder in Bands mit durchschnittlich je fünf Musikern und Musikerinnen.
Suuri Milch und Chäller Rassle
Naterop, der jeweils von einer ganzen Gruppe Helfern unterstützt wurde, erinnert sich gerne an die kreischenden, oft vor Begeisterung hüpfenden jungen Leute im Publikum oder an die Feuerzeuge, die sie bei leiseren Tönen schwenkten. Und an die kurz- bis langhaarigen Neustars auf der Bühne, einige mit Kappe, Helm oder Hut.
Suuri Milch hiess eine der ersten Bands oder Chäller Rassle und Kei Ahnig vo nüt. Später folgten Blackmoon, Heart Breaker und Know-All. Und immer wieder wagten es Mädchen ganz allein auf die Bühne. In den ersten Jahren des Anlasses hiess ein Nobody’s-Perfect-Star Albulena, in den letzten Ilenia.
Nobody’s Perfect, Konzert am Samstag, 11. Februar, 19 Uhr, in der Aula Blatten, Schulstrasse 15, Männedorf.
Rockende Primarschüler, Jugendliche und immer wieder Mädchen am Mikrofon, das macht Nobody’s Perfect aus. Im Bild: Freunde des Dschungels. Foto: PD
Daniel Naterop
Der Gründer der offenen Bühne ist dieses Jahr nur noch als Helfer dabei.
Natalie Vescoli
Die Männedörfler Jugendbeauftragte arbeitet seit 20 Jahren mit Jugendlichen.
Erstellt: 31.01.2012, 06:40 Uhr
