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Finger weg vom Lenkrad

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 25.01.2012 31 Kommentare

Google testet Personenwagen, die nicht mehr von Menschen, sondern von einer Software gesteuert werden. Mit Erfolg: Die Autos haben 320'000 Kilometer unfallfrei zurückgelegt. Ein paar Probleme gibts allerdings noch.

Schöne neue Autowelt: Google-Entwickler Sebastian Thrun stellt seine Vision des lenkerlosen Autos vor. (Youtube)


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Die ersten Autos wurden in den USA «horseless carriages» genannt, Kutschen ohne Pferde. Es ging eine ganze Weile, bis sich die Menschen daran gewöhnen konnten, dass sich ein Wagen bewegt, ohne dass er von einem Menschen oder einem Tier gestossen oder gezogen wird. Bald muss sich die Menschheit wieder umgewöhnen: Das Auto ohne Lenker ist heute technisch bereits machbar.

Moderne Personenwagen sind bereits mit Elektronik vollgestopft. Sie können eigenhändig parken, bremsen, wenn der Fahrer pennt, sie schauen nachts um die Ecke oder lesen die Geschwindigkeitsschilder selbst. Die Elektronik dient der Sicherheit oder dem Komfort. Sie kann jedoch die Autohersteller auch in unverhoffte Nöte bringen. Das hat Toyota vor rund zwei Jahren erfahren.

Verklemmtes Gaspedal statt wild gewordenes Auto

Wegen eines spektakulären Unfalls mit einem Lexus in der Nähe von San Diego entstand plötzlich das Gerücht, Toyotas würden automatisch beschleunigen. Zuerst in den USA und später auch in Europa wurde daraus eine eigentliche Hysterie. Plötzlich gab es eine Flut an Meldungen von angeblich selbstbeschleunigenden und ausser Kontrolle geratenen Autos. Toyota geriet in eine der schlimmsten Krisen seiner Geschichte und musste rund um den Globus im grossen Stil Bremssoftware und Bremspedale auswechseln.

Die Verkehrssicherheitsbehörde der USA, die National Highway Traffic Safety Administration, hat die gemeldeten Vorfälle minutiös untersucht. Sie ist zum Schluss gekommen, dass es keinen einzigen Fall eines selbstbeschleunigenden Autos gegeben hat. Der spektakuläre Unfall von San Diego war das Resultat menschlichen Versagens: Im betreffenden Lexus war ein Autoteppich falsch montiert und hatte das Gaspedal blockiert. Trotzdem ist die Mär nicht totzukriegen. Am vergangenen Dienstag ist in Detroit erneut gegen Toyota eine Klage wegen eines angeblich selbstbeschleunigenden Prius eingereicht worden.

Lenkerlose Autos dürfen in Nevada auf die Strasse

Die technische Entwicklung schreitet derweil voran. Heute gibt es bereits Autos, die mit künstlicher Intelligenz gelenkt werden. Entwickelt wurden sie ursprünglich von den US-Militärs, die schon einige Zeit mit von Robotern gesteuerten Militärwagen und Panzern experimentieren. Inzwischen werden solche Fahrzeuge auch für den zivilen Verkehr hergestellt.

Google (GOOG 598.4287 -0.39%) beispielsweise testet eine kleine Flotte von selbstgesteuerten Autos auf den Autobahnen von Kalifornien. Mit Erfolg: «Sebastian Thrun, Direktor von Googles autonomem Fahrzeug-Entwicklungsprogramm, meldete letzten Monat, dass es seinem Team gelungen sei, rund 200'000 Meilen mit selbstgesteuerten Fahrzeugen zurückzulegen, ohne dass es dabei zu einem Zwischenfall gekommen wäre», hiess es kürzlich in der «New York Times». Im US-Bundesstaat Nevada sind lenkerlose Autos bereits legal, ähnliche Gesetze sind in Florida, Hawaii und Kalifornien geplant.

Wie «Die Hard», nur viel schlimmer

Mit selbstgelenkten Autos sollte es theoretisch keine Unfälle mit Verletzten und Toten mehr geben. Was aber, wenn doch? Wer ist dann schuld? Oder wie reagiert ein von einem Roboter gesteuertes Auto, wenn es von einem Verkehrspolizisten angehalten wird? Was, wenn es nicht gehorcht? Diese Fragen sind juristisch knifflig und noch nicht geklärt. Dazu kommen neue technische Risiken. Diese Autos sind auf ein funktionierendes GPS und andere elektronische Helfer angewiesen. Diese sind jedoch verwundbar. Hacker oder Terroristen könnten in einem Cyberwar ein gigantisches Verkehrschaos anrichten, sollte es ihnen gelingen, in dieses Verkehrssystem einzudringen. Es wäre dann wie im Film «Die Hard IV», nur viel schlimmer.

Es stellt sich auch die Frage, wie weit von Robotern gesteuerte Autos mit der menschlichen Psyche vereinbar sind. Was, wenn mein Auto nicht nur selbstständig beschleunigt, sondern hinfährt, wohin es ihm gerade passt? Diese Angst zumindest ist laut Google-Techniker Brad Templeton noch verfrüht: «Es wird erst dann wirklich autonome Autos geben, wenn sie statt zur Arbeit an den Strand fahren.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.01.2012, 13:24 Uhr

31

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31 Kommentare

Dario Brenner

25.01.2012, 18:25 Uhr
Melden 16 Empfehlung

Ich finde die Idee nicht nur aus Sicherheitsgründen (weniger Unfälle) super, sondern auch, weil auf diese Weise auch Menschen ein Auto benutzen werden können, denen dies heute leider verwehrt ist. Beispielsweise bin ich selber fast völlig blind und darf deshalb weder ein Auto, noch ein Töff steuern. Solche modernen Autos gäben mir und vielen anderen Menschen eine riesige, ganz neue Freiheit. Antworten


Richard Hennig

25.01.2012, 14:41 Uhr
Melden 11 Empfehlung

Wenn diese automatischen Autos auch Geschwindigkeitsbegrenzungen lesen können, wäre dass cool, dann gäbe es keine Raser mehr die mit 80 durch ein 30er Zone fahren. Aber kann der Staat auf die Bussgelder verzichten? Und noch schlimmer, was macht ein Raser wenn sein auto das rasen nicht mehr erlaubt?? Antworten



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