Einzige Tonaufnahme von Bismarck aufgetaucht
Aktualisiert am 01.02.2012 4 Kommentare
1957 entdeckt, aber erst später erforscht: Die Aufnahmen von Otto von Bismarck. (Quelle: YouTube)
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Portrait von Otto von Bismarck. (Bild: Keystone )
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Sensationeller Fund in den USA: Die einzige bekannte Tonaufnahme von Otto von Bismarck ist in New York aufgetaucht. Das stark verrauschte Dokument, aufgenommen vor 123 Jahren in Friedrichsruh bei Hamburg, lag im Edison-Archiv in New Jersey bei New York.
Seit Dienstag ist sie auf der Internetseite des Archivs zu hören. Forscher sind begeistert – sowohl von Bismarcks Stimme als auch von dem, was er vorträgt. Recherchen eines Berliner Wissenschaftlers haben offenbar die einzigartige Tonaufnahme von Reichskanzler von Bismarck zu Tage gefördert. «Nach meinem Dafürhalten, und ich habe viel Erfahrung, sind es Originale», sagte Stephan Puille von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin der Nachrichtenagentur AFP.
1957 entdeckt
Nur wenn jemand «mit Sicherheit ausschliessen» könne, dass es sich bei den von ihm untersuchten Aufnahmen um Bismarck handle, wolle er nicht widersprechen, fügte Puille hinzu. Die Aufnahme befindet sich laut Puille auf einer in den USA entdeckten sogenannten Walze, die zusammen mit anderen jahrelang in einer Kiste gelagert wurde.
Diese sei zwar schon im Jahr 1957 entdeckt, aber erst im Jahr 2005 genauer untersucht worden. Puille selbst erhielt nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr das Angebot, die in den Jahren 1889 und 1890 in Europa aufgenommenen Walzen genauer anzuhören. Dabei habe er eine Aufnahme entdeckt, die laut Ansage in Friedrichsruh, dem Altersruhesitz Bismarcks, entstanden sei.
Der dienstälteste Kanzler der deutschen Geschichte hatte am 7. Oktober 1889 in den von dem Amerikaner Thomas Edison erfundenen Phonographen gesprochen. Von dem Eisernen Kanzler ist kaum etwas zu verstehen. Das Rauschen der Walze ist stärker als die Stimme des Kanzlers. Aber dennoch wird deutlich: Die ihm nachgesagte Fistelstimme scheint der Preusse nicht gehabt zu haben.
Bismarck singt Marseillaise
Der 74-Jährige spricht nicht etwa ein paar salbungsvolle Sätze in den Apparat. Stattdessen singt Bismarck, der nach drei Kriegen Deutschland geeint hatte, ein amerikanisches Lied in den Phonographen. Es folgen ein paar Zeilen aus «Als Kaiser Rotbart lobesam» von Ludwig Uhland, bevor der ehemalige Burschenschaftler das Studentenlied «Gaudeamus igitur» anstimmt.
Und dann folgt die eigentliche Überraschung: Bismarck singt die «Marseillaise» – die Hymne Frankreichs, das 19 Jahre zuvor Deutschland den Krieg erklärt hatte und geschlagen worden war.
«Grossartig amüsiert»
«Bismarck war ein sehr, sehr geistreicher Mann», zitiert die «New York Times» seinen Biografen Jonathan Steinberg. Ausgerechnet die Hymne Frankreichs zu zitieren, «muss ihn selbst grossartig amüsiert haben».
Der Sieg über Frankreich, ebenso wie diejenigen über Dänemark und Österreich zuvor, gilt als Werk von Helmut von Moltke. Auch von dem Mecklenburger in preussischen Diensten fanden sich Tonaufnahmen.
Moltke zitiert dabei aus Goethes «Faust». Er ist besser zu verstehen als Bismarck – obwohl Moltke nur fünf Tage später 89 Jahre alt wurde. Laut Edison-Archiv ist Moltke der am frühesten geborene Mensch, von dem es eine Tonaufnahme gibt. (kpn/sda)
Erstellt: 31.01.2012, 22:46 Uhr
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