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Seit dem Wettlauf zum Südpol ist es vorbei mit der Ruhe

Von Mirko Plüss. Aktualisiert am 13.12.2011

Politiker, Forscher, Touristen: Das Rennen zum Südpol ist noch lange nicht vorbei.

1/11 Begehrte Antarktis: Wer auf dem sechsten Kontinent Gebietsansprüche geltend macht.

   

Der Antarktisvertrag von 1959

Die verschiedenen Expeditionen in die Antarktis hinterliessen ein heikles Erbe: Die territoriale Ansprüche der Entdecker-Länder waren nicht klar geregelt. Auch Länder, die der Antarktis benachbart sind, erhoben Gebietsansprüche. Vor diesem Hintergrund einigten sich 12 Staaten darauf, dass die Antarktis ausschliesslich der friedlichen Nutzung und insbesondere der wissenschaftlichen Forschung vorbehalten bleiben sollte. 1959 wurde der Antarktisvertrag unterschrieben und 1961 trat er offiziell in Kraft.

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Hundert Jahre ist es her, seit sich Roald Amundsen und Robert Falcon Scott ein Wettrennen zum südlichsten Punkt der Erde lieferten. Obwohl die Antarktis auch heute noch mit ihrer Rauheit und ihrer unendlichen weissen Weite fasziniert, ist sie schon lange keine «Terra Incognita» mehr. Die Menschen drängen mehr denn je zum Pol; und sie bringen ihre selbstgemachten Probleme gleich mit.

Wem gehört die Antarktis?

Die drohende Rohstoffknappheit der Erde wird der Frage, wem die Antarktis gehört, in den kommenden Jahrzehnten einiges an Brisanz verleihen. Unter dem ewigen Eis sollen wissenschaftlichen Schätzungen zufolge riesige Mengen Erdöl, Erdgas, Uran, Platin und Gold zu finden sein. Wem diese Rohstoffe gehören sollen, wenn sie einst gehoben würden, ist unklar. Die einzige verbindliche Abmachung über die Nutzung der Antarktis ist der internationale Antarktisvertrag von 1959 (siehe Box). Doch dieser lässt viele Fragen offen: Die Gebietsansprüche der unterzeichnenden Staaten wurden nicht klar geregelt. Zudem wurde die Frage nie beantwortet, ob die Antarktis überhaupt als eigenständiges Land gilt, da eine ständige Bevölkerung als wichtiges Definitionselement fehlt.

Ihre Ansprüche stützen die Staaten unterschiedlich ab. Grossbritannien, Norwegen und Frankreich begründen ihre territorialen Forderungen mit Expeditionen, die teilweise schon mehr als hundert Jahre her sind. Argentinien, Chile, Australien und Neuseeland leiten ihr Besitzrecht von der geografischen Nähe zur Antarktis ab. Was nach 2041 passiert, ist derzeit noch offen - in diesem Jahr läuft der Antarktisvertrag aus.

Touristischer Tummeplatz

Das Musikfestival «Ice Stock», das alljährlich auf einer Forschungsstation durchgeführt wird, wirbt mit dem Slogan «Party am Ende der Welt». Extrem-Kletterer besteigen immer neue Gipfel in den antarktischen Gebirgszügen und wer besonders fit ist, rennt am Antarktis-Marathon mit: Der sechste Kontinent ist schon lange nicht mehr unberührt. Die Antarktis setzt dem Menschen Grenzen und wird gerade darum zu einer der letzten Herausforderungen für den modernen Abenteurer. Vorreiter war der Bergsteiger Reinhold Messner, der 1989 die Antarktis zu Fuss durchquerte. Hierzulande dürfte aber auch Evelyne Binsack vielen ein Begriff sein: Sie reiste in 484 Tagen von der Schweiz zu Fuss und mit dem Fahrrad bis zum Südpol.

Aber nicht nur teure Individualreisen führen auf die Antarktis. Die eigentlich lebensfeindliche Umgebung wird immer mehr zum touristischen Tummelplatz. Die Beschreibung eines deutschen Reiseveranstalters für Gruppenreisen tönt verführerisch: «Werden Sie Augenzeuge eines der letzten Wunder der Natur. Eine Welt ohne Städte, ein Paradies von Zehntausenden von Pinguinen, See-Elefanten, Walfische und Robben.» Mittlerweile steuern Kreuzfahrtschiffe den Eiskontinent an, meist vom südlichsten Zipfel Südamerikas her kommend, und eine australische Airline bietet seit 2008 regelmässige Flüge an.

In den letzten 20 Jahren hat sich die Anzahl Touristen auf der Antarktis vervierzigfacht. Heute sind es mehrere Zehntausend Besucher pro Jahr. Diese in Anbetracht der Landfläche eigentlich kleine Zahl wird zum Problem, weil sich die Touristen oft auf die wenigen Gebiete beschränken, in denen überhaupt Leben möglich ist. Dass dieser Andrang an der Eiswüste und ihren Bewohnern nicht spurlos vorübergeht, war schon lange klar: Vögel, Robben und Pinguine reagieren auf die Anwesenheit von Menschen mit Stress-Symptomen und verlieren Energie, die sie in der kargen und unwirtlichen Gegend eigentlich speichern sollten. Der Bau der erforderlichen Flugzeugpisten und der intensive Schiffsverkehr verschmutzen die Umwelt.

Wie lange gibt es die Antarktis noch?

Hauptsächlich wird auf der Antarktis in den Bereichen Geographie, Geologie und Physik geforscht. Aktuell leben in den über 80 Forschungsstationen im Sommer etwa 4'000 und im Winter etwa 1'000 Menschen. Wegen ihrer grossen Bedeutung für den Energie- und Wasserhaushalt der Erde spielt die Antarktis aber auch in der Klimaforschung eine immer wichtigere Rolle. Dies erstaunt nicht, wenn man sich die Ausmasse des antarktischen Eisschilds bewusst macht: Auf einer Fläche von 14 Millionen km² enthält diese grösste einzelne Eismasse der Erde rund 90 Prozent des globalen Süsswasserbestandes. Eisbohrungen in grossen Tiefen lassen Rückschlüsse über das Klima der vergangenen Jahrhunderte zu. Messungen an Gletschern und Eisflächen dienen zudem als Indikatoren für den weltweiten Temperaturanstieg.

Die Antarktis selbst galt bezüglich Klimawandel lange Zeit als Exot. So kühlte sich die Durchschnittstemperatur des Südkontinents im Gegensatz zum Rest der Welt in den letzten Jahrzehnten ab. Laut Forschern ist dies auf spezielle klimatische Bedingungen über der Antarktis zurückzuführen. Neu wird jedoch in verschiedenen Regionen ein Temperaturanstieg beobachtet. Klimatologen warnen nun vor einem Abschmelzen der Eisschilde. Dies könnte zu einem starken Anstieg des Meeresspiegels führen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.12.2011, 16:18 Uhr

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