Facebook reicht Unterlagen für Börsengang ein
Das Netzwerk in Zahlen
Facebook hat nach eigenen Angaben rund 845 Millionen aktive Nutzer. Damit sind Mitglieder gemeint, die sich binnen 30 Tagen mindestens einmal in das Online-Netzwerk einloggen. Mehr als die Hälfte der aktiven Nutzer besucht täglich die Webseite. Wäre Facebook ein Land, hätte es die drittgrößte Bevölkerung nach China (1,34 Milliarden Menschen) und Indien (1,17 Milliarden). Die Webseite gibt es mittlerweile in mehr als 70 Sprachen. Besonders eifrig wird Facebook in den USA genutzt. Hier leben dem Marktforschungsunternehmen Socialbakers zufolge 155,7 Millionen Mitglieder. Indien zählt 43,5 Millionen Nutzer, Indonesien 43 Millionen und Brasilien 37,9 Millionen. Facebook ist fast allen Ländern das beliebteste Online-Netzwerk. Bedeutende Ausnahmen sind Russland und China. Peking hat den Zugang zu Facebook gesperrt.
Deutschland liegt in der weltweiten Facebook-Liga mit 22,6 Millionen Nutzern auf dem zehnten Rang. Damit ist etwa jeder vierte Deutsche bei dem Netzwerk angemeldet. In den vergangenen sechs Monaten sind nach Angaben von Socialbakers fast 2,5 Millionen neue Mitglieder dazugekommen. Mehr als die Hälfte der deutschen Nutzer ist zwischen 18 und 34 Jahren alt. 52 Prozent sind männlich, 48 Prozent weiblich.
Der durchschnittliche Facebook-Nutzer ist über das Netzwerk mit 130 «Freunden» verbunden. Nach Unternehmensangaben werden jeden Tag mehr als 250 Millionen Fotos auf die Profilseiten hochgeladen. Mehr als 350 Millionen Nutzer greifen auf Facebook auch mobil über ihre Smartphones zu.
Schreibt bereits eine Milliarde Dollar Gewinn: Facebook geht an die Börse. (Video: Reuters )
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Das Online-Netzwerk Facebook ( 31.87 2.81%) hat am Mittwoch die Unterlagen für seinen erwarteten Börsengang eingereicht. Daraus geht hervor, dass das Unternehmen mit dem Schritt rund fünf Milliarden Dollar einnehmen will. Ein Datum für den Börsengang teilte Facebook zunächst nicht mit.
Das Volumen des Börsengangs liegt damit nur halb so hoch wie ursprünglich erwartet. Allerdings kann sich diese Summe noch erhöhen. Es ist üblich, dass Firmen tiefstapeln, dann die Reaktion der Investoren abwarten und – falls genügend Nachfrage besteht – später den Preis erhöhen.
Zum ersten Mal Geschäftszahlen veröffentlicht
Facebook legte wegen seiner Börsenambitionen zum ersten Mal in seiner Geschichte Geschäftszahlen vor. Wie das veröffentlichte Börsenprospekt verrät, wächst Facebook rasant und verdient auch Geld, vor allem mit Werbeeinnahmen: Im vergangenen Jahr blieben unterm Strich 1 Milliarde Dollar übrig, 2010 waren es 606 Millionen Dollar und 2009 immerhin schon 229 Millionen Dollar. Der Umsatz lag zuletzt bei 3,7 Milliarden Dollar.
Viele Investoren stellen sich aber die Frage, ob diese Zahlen die kolportierte Firmenbewertung von 75 bis 100 Milliarden Dollar rechtfertigen. Facebook selbst lässt in dem Börsenprospekt noch keine Rückschlüsse zu, welchen Wert das Management dem Unternehmen zumisst. Weder wird die Anzahl der auszugebenden Aktien angegeben, noch der Preis für das einzelne Papier.
Spektakulärster Börsengang
Bis zum eigentlichen Börsengang, der für das späte Frühjahr oder den Sommer erwartet wird, wird Facebook die Informationen noch nachreichen. Dann wird auch feststehen, ob sich Gründer Mark Zuckerberg selbst von Anteilen trennt. Er hält laut den Angaben aus dem Prospekt gut 28 Prozent der Anteile. Das gesamte Management kommt auf 70 Prozent, der Rest liegt bei Finanzinvestoren.
Facebook gilt als der spektakulärste Börsengang des Internetzeitalters angesichts der 845 Millionen Nutzer. Bereits seit Tagen ist die Wallstreet in heller Aufregung. Investoren hoffen auf ein lukratives Investment, Banker und Aktienhändler auf satte Gebühreneinnahmen.
Kritik an Facebook
Der Schritt war zuvor mit Spannung erwartet worden. Mit dem Einreichen der Unternehmenspapiere bei der Börsenaufsicht SEC steht die IT-Branche vor dem grössten Börsengang aller Zeiten. Unterdessen kam aus Deutschland, wo allein 20 Millionen Nutzer leben, neue Kritik am Geschäftsmodell der Firma.
Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, warnte am Dienstagabend auf Phoenix: «Man soll von der Wiege bis zur Bahre und darüber hinaus im Netz präsent sein.» So könne die «kulturelle Errungenschaft des Vergebens und Vergessens» verschwinden.
Der Analyst der Beratungsfirma Gartner, Michael Gartenberg, wartet jedoch wie elektrisiert auf den Börsengang. «Bei sozialen Netzwerken ist Facebook der Platzhirsch schlechthin. Es ist die Firma, an der sich alle messen», sagte Gartenberg der DAPD. Auch wenn das Unternehmen mit Sitz in Palo Alto/Kalifornien inzwischen auf die Marke von einer Milliarde Nutzer zusteuere, sehe er für den Konzern noch immer «riesige Wachstumsmöglichkeiten» voraus.
Ein Vielfaches von Google, Yahoo und Co.
Facebook verbindet heute gut 800 Millionen Nutzer, von denen nur ein Viertel überhaupt im Heimatmarkt sitzen. Grosses Potenzial bieten laut Gartenberg Lateinamerika und Asien. Der Konzern arbeite zudem daran, sich neben der Werbung neue Erlösquellen zu erschliessen – etwa im Mobilgeschäft und mit Online-Spielen, Musik und Filmen.
Je nach Lesart erwarteten Beobachter, dass Facebook mit einem Gang an die Börse fünf bis zehn Milliarden US-Dollar einsammeln könnte. Zum Vergleich: Als Google 2004 den Weg an die Börse beschritt, nahm der Konzern dabei 1,7 Milliarden US-Dollar ein.
Kritik am Geschäftsmodell hält an
Gründer Mark Zuckerberg könnte mit dem Börsengang einer der reichsten Menschen der Welt werden. Aber auch viele Mitarbeiter dürften von Aktien-Optionen profitieren und reich werden. Erste Kritiker fürchten, damit könnte sich Facebook von einem sehr agilen Start-up zu einem schwerfälligen Konzern wandeln. Gartenberg glaubt jedoch nicht daran: «Die Wendigkeit, die sie jetzt unter Beweis stellen, werden sie auch weiterhin an den Tag legen.»
Börsengang sorgt für Transparenz
Offen blieb hingegen zunächst, ob Kleinanleger bei einem Börsengang von Facebook eine Chance hätten, Aktien zu bekommen. «Da spielt auch eine Rolle, welche Zahl von Aktien am Ende an den Markt geht», sagte der Teamleiter Vermögensverwaltung der Quirin Bank, Maik Haufe, am Mittwoch der DAPD.
Nicht zuletzt könne Facebook auch ein Ziel von Spekulanten sein. Das Unternehmen sei überdies wegen seiner gigantischen Nutzerzahl mit keinem anderen vergleichbar. Haufe sprach von einem «Hype», wollte aber keine Parallele zur geplatzten Blase am neuen Markt ziehen.
Von einem Börsengang könnten auch Nutzer und Datenschützer profitieren. Das Unternehmen ist Haufe zufolge «in der Vergangenheit natürlich bei weitem nicht so transparent gewesen, wie es in der Zukunft sein wird», sagte der Banker. Mit einer Notierung in den USA kämen auf Facebook viele Veröffentlichungspflichten zu. (kpn/rek/AFP)
Erstellt: 02.02.2012, 00:02 Uhr
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