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Ethos ist von Novartis und UBS enttäuscht

Aktualisiert am 02.02.2012

Die Stiftung kritisiert fehlende Transparenz bezüglich Managerlöhnen bei einigen Schweizer Unternehmen. Diesbezüglich fordert Ethos häufigere Aktionärsabstimmungen. Die Kritik geht vor allem an zwei Adressen.

Wegen Löhnen und Boni in der Kritik: Sitze der Novartis und der UBS.

Wegen Löhnen und Boni in der Kritik: Sitze der Novartis und der UBS.
Bild: Keystone

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Die Unzufriedenheit vieler Aktionäre mit den Konzernleitungen dürfte auch 2012 die Stimmung an den Generalversammlungen (GV) prägen. Die Anlagestiftung Ethos erwartet, dass die kritischen Stimmen gerade von Pensionskassen lauter werden. Die Stiftung geht davon aus, dass neben den Managersalären auch die Entlastung der Verwaltungsräte und die Wahlen für deren Mitglieder stärker umstritten sein werden. Auch dürfte es schwieriger werden, dass die Aktionäre den Konzernleitungen einen Blankocheck für Kapitalerhöhungen ausstellen werden.

Ethos-Direktor Dominique Biedermann nannte vor den Medien in Zürich Beispiele aus dem vergangenen Jahr, bei denen Aktionäre den Verwaltungsräten die Rote Karte zeigten: So stimmten nur 43 Prozent der an der GV des Erdölserviceunternehmens Weatherford vertretenen Stimmen für den Vergütungsbericht.

Der Verwaltungsrat des Ölplattformkonzerns Transocean erhielt die Decharge für 2010 nicht. Beim Immobilienunternehmen Swiss Prime Site und beim Softwareunternehmen Temenos verpassten geplante Kapitalerhöhungen die Zweidrittelmehrheit. Die Temenos-Führung wollte Mittel für Vergütungen in Form von Optionen erhalten.

Gegen Boni für UBS-Investmentbanker

Noch haben laut Ethos nicht alle Unternehmen begriffen, dass es mehr Transparenz brauche. Kritisch sieht Ethos Novartis, (NOVN 48.98 -1.21%) wo nur alle drei Jahre über die Managerlöhne abgestimmt wird. Nachdem 2011 39 Prozent der Aktionäre gegen das Vergütungssystem stimmten, will Ethos nun an der nächsten GV gegen die Wiederwahl der Mitglieder des Entschädigungsausschusses stimmen.

Biedermann hofft weiter auf jährliche Abstimmungen über die Löhne: «Laut den Statuten ist es nicht verboten, häufiger eine Abstimmung durchzuführen.» Die Lohnentwicklung will Ethos auch bei der UBS (UBSN 11.05 -0.99%) unter die Lupe nehmen, nachdem 2011 ein Händler in London der Bank mit Finanzjonglage einen Verlust von 2,3 Milliarden Dollar beschert hatte.

«Wir waren sehr enttäuscht über die UBS», sagte Biedermann. Die Kontrollsysteme hätten versagt. Nach Ansicht von Ethos ist der UBS-Investmentbank-Chef Carsten Kengeter seit dem Londoner Debakel nicht mehr tragbar. Vor allem dürften in der Investmentbank wegen deren schlechten Zahlen keine Boni verteilt werden.

Mehr Abstimmungen

Der Trend zu mehr Transparenz aus den vergangenen Jahren setzt sich unterdessen fort. Nach Zählung der Anlagestiftung lassen dieses Jahr 48 der 100 grössten Schweizer Unternehmen eine konsultative Abstimmung über die Löhne der Konzernspitze durchführen.

2011 waren es 45 gewesen. Biedermann führt diese Steigerung auf die konstanten Bemühungen von Ethos zurück, die Unternehmen zu besserer Transparenz und mehr Aktionärsmitsprache zu bewegen. Ethos vertritt die Interessen von Pensionskassen, welche die Vorsorgegelder ihrer Versicherten an den Finanzmärkten investieren.

Interessen der Öffentlichkeit

Es sei richtig, dass sich auch institutionelle Aktionäre wie Pensionskassen und Fonds immer mehr für die Generalversammlungen interessierten und ihre Stimmen erhöben, sagte Biedermann: «Wir sind Pensionskassen, wir haben eine treuhänderische Verantwortung gegenüber Tausenden von Versicherten.»

Ethos hat beobachtet, dass unabhängige Stimmrechtsvertreter mehr Gewicht bekommen. 2009 standen diese für 21 Prozent der an den GV vertretenen Stimmen, im vergangenen Jahr waren es schon 29 Prozent. Biedermann ist darüber hocherfreut: «Der unabhängige Stimmrechtsvertreter vertritt häufig die kritischen Aktionäre.» (kpn/sda)

Erstellt: 02.02.2012, 15:44 Uhr

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