«Die Schuldenkrise haben nicht wir Banken verursacht»
Aktualisiert am 21.11.2011 190 Kommentare
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Der abtretende UBS-Präsident Kaspar Villiger fühlt sich nicht fair behandelt. «Ja, das fühle ich mich», sagt Villiger auf eine entsprechende Frage im Interview der «SonntagsZeitung». Das gehöre jedoch zu seiner Aufgabe. Trotz allem würde Villiger den Posten wieder antreten, stünde er noch einmal vor der Entscheidung. Denn sein Engagement an der Spitze der Grossbank habe sich gelohnt. Die UBS (UBSN 11.05 -0.99%) sei sicher, was auch für die Schweiz wichtig sei. «Alles, was wir getan haben, war schlussendlich erfolgreich», verteidigt sich der frühere Finanzminister. «Wir sind heute die best kapitalisierte Grossbank der Schweiz.»
Er sei oft kritisiert worden, obwohl «alles nach Plan gelaufen sei» – abgesehen von dem Milliardenverlust in London, bei dem es sich jedoch um einen «kriminellen Fall» gehandelt habe. Auf die Frage, weshalb Investmentbank-Chef Carsten Kengeter als oberster Verantwortlicher für das Debakel seinen Posten habe behalten dürfen, sagt Villiger, die UBS dürfe sich nicht von jenen Leuten trennen, die das Geschäft am besten kennen würden. Und: «Die Verantwortung für den Milliardenverlust in London hat bereits Oswald Grübel übernommen.»
«Boni waren überlebenswichtig»
Sein vorzeitiger Abgang erfolge freiwillig, sagt Villiger: «Es hat mich niemand gebeten zu gehen.» Er habe seine Ziele erreicht – die Bank sei zurück in der Gewinnzone, das Amerika-Problem gelöst, die Altlasten bereinigt und der neue CEO bestimmt. «Damit ist es Zeit zu gehen.» Für die Zeit danach sei etwas schon sicher: «Ich werde mich aus der Öffentlichkeit zurückziehen.»
Als der ehemalige Finanzminister die Führung der krisengeschüttelten Grossbank übernahm, hatten viele Beobachter gehofft, er könne Mässigung in die durch Boni-Exzesse diskreditierte Welt der Banker bringen. Diese Erwartungen ennttäuschte Villiger. Er habe die Boni und Saläre nicht verteidigt, weil er damit einverstanden sei, sondern um die Konkurrenzfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt zu erhalten: «Das war überlebenswichtig.»
Nun, am Ende seiner UBS-Expedition, sieht Villiger jedoch eine Wende gekommen: «Die Boni geraten in der ganzen Finanzindustrie stark unter Druck, weil die Resultate schlechter sind.» In Asien werde sich die Entwicklung wegen des harten Wettbewerbs um Fachkräfte in Grenzen halten. Doch in New York, London und Zürich seien die Zeiten der exorbitanten Bezüge vorbei.
Pessimistischer Blick nach vorn
Nach dem jüngsten Abbau von mehreren tausend Stellen schliesst Villiger weitere Sparmassnahmen nicht aus, sollten sich die Märkte erneut verschlechtern. «Der Kostendruck ist generell sehr stark», sagt Villiger dazu.
Überschüssiges Kapital will er den Aktionären zurückzahlen: «Ein Aktienrückkauf ist möglich, wenn unsere Kapitalbasis und die Ertragslage dies problemlos zulassen», sagt Villiger. Obwohl die UBS in der Vermögensverwaltung und im Heimmarkt Schweiz wieder wachsen will, lehnt er Übernahmen ab: «Geplant sind keine Zukäufe.»
Verständnis für «Occupy»-Bewegung
Angesprochen auf den wachsenden Unmut, der den Banken in der Öffentlichkeit entgegengebracht wird und sich beispielsweise in den weltweiten Sozialprotesten ausdrückt, sagt Villiger: «Ich habe viel Verständnis für diese Leute.» Die Banken hätten Fehler gemacht – man dürfe sie aber nicht zum alleinigen Schuldigen abstempeln. Die Schuldenkrise sei nicht von den Banken verursacht worden, sondern von Staaten, die zu lange über ihre Verhältnisse gelebt hätten. Die Bankenrettungen in der Krise von 2008 seien «nicht der Hauptgrund für die hohen Schuldenberge».
Auch im Gespräch mit der Zeitung «Der Sonntag» stellt sich Villiger schützend vor die UBS: «Die UBS fokussiert die UBS-Strategie auf das weltweite Vermögensverwaltungsgeschäft und den Markt Schweiz. Damit werden wir in der Krise verlorene Marktanteile bei Kleinsparern, Privatkunden, KMU- und Grosskunden zurückholen», sagt er im Interview.
Für die Zukunft des Finanzplatzes Schweiz sieht er insgesamt jedoch pessimistisch: Durch den Wegfall des Bankgeheimnisses sei der «Schutzwall» kleiner geworden: «Die Margen in der Branche erodieren.» Für kleinere Banken «wird es in Zukunft sehr schwierig werden», sagt der UBS-Präsident, der im nächsten Frühling sein Amt vorzeitig an den Deutschen Axel Weber angeben wird.
(ami/wid)
Erstellt: 20.11.2011, 09:24 Uhr
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190 Kommentare
Herr Villiger fehlt die Ethik, das ist der Grund warum er Schwarz für die CH sieht. Ich sehe lediglich Schwarz für das Schwarzgeld -und das ist gut so und unumgänglich. Die CH soll von seriösen Dienstleistungen leben und nicht auf dem Buckel der dritten Welt -wo ein Grossteil der "Vermögensverwaltung" via Diktatorensöhnchen und rücksichtloser Oligarchen hergekommen ist. CHer haben Villiger satt. Antworten
Das sich nun Herr Villiger unfair behandelt fuehlt, kann ich ich ueberhaupt nicht verstehen. Wo wuerde die UBS stehen wenn der Staat sie nicht mit soviel Millionen unterstuezt haette und nun ist die UBS schon wieder die bestkapatalisierte Bank. Unfair behandelt fuehlten sich Tausende Swissair MitarbeiterInnen vor 10 Jahren, als er als dazumaliger Finanzminister die Swissair nicht unterstuetze. Antworten
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