Der Star der Finanzberater will kein «Drückerkönig» sein
Von David Nauer, Berlin. Aktualisiert am 27.01.2011 11 Kommentare
Seine Freunde haben klingende Namen: Christian Wulff etwa, der Bundespräsident. Oder Gerhard Schröder, der Ex-Kanzler. Carsten Maschmeyer, seit 2009 Verwaltungsrat des Schweizer Versicherungskonzerns Swiss Life, verkehrt mit den Grossen und Mächtigen.
Doch jetzt gerät der Star der Finanzberatungsbranche ins Zwielicht. Nicht nur soll der Allgemeine Wirtschaftsdienst (AWD), den er einst gegründet und für viel Geld an die Swiss Life verkauft hat, auf dem Rücken von Kleinanlegern Geschäfte gemacht haben. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ)berichtet zudem, Maschmeyer lanciere einen «Grossangriff auf die Pressefreiheit». Ziel der angeblichen Attacke: Journalisten des Norddeutschen Rundfunks (NDR). Deren Film «Der Drückerkönig und die Politik», der kürzlich bei der ARD lief, berichtet über die engen Verbindungen Maschmeyers zur Politik.
Rechtsgutachten in Arbeit
Darin kommen auch ausführlich ehemalige AWD-Kunden zu Wort, die auf Drängen von Beratern der Firma hochriskante Finanzprodukte gekauft hatten und viel Geld verloren. Angeblich soll es sich um Tausende von Fällen handeln. Der Vorwurf der Filmemacher: Die AWD-Berater hätten ihre Tipps nicht nach den Bedürfnissen der Kunden ausgerichtet, sondern nach der Höhe der Provision, die dafür bezahlt wurde. Eine betroffene Rentnerin sagt über Maschmeyer: «(. . .) er wird ja bejubelt und ist hoch angesehen. Ich weiss nicht, ob die Leute sich auch Gedanken darüber machen, wie er sein Vermögen angesammelt hat.»
Der Film stiess dem Geschäftsmann sauer auf. Die Fernsehmacher bekamen, wie die FAZ berichtet, in den letzten Tagen Post und Anrufe – zum Teil an ihre Privatadressen. Angeblich im Auftrag von Maschmeyer sammeln Anwälte und Wirtschaftsauskunfteien Informationen über die Journalisten, etwa ihr Anstellungsverhältnis beim NDR, Bezüge und Dienstreisen. Laut FAZ verfasst der Hamburger Strafrechtler Gerhard Strate für Maschmeyer ein Gutachten, in dem er abklärt, ob der verantwortliche NDR-Reporter Christoph Lütgert Straftaten begangen hat. Im Auge hat der Jurist unter anderem die Paragrafen für «Nötigung» und «politische Verdächtigung» sowie das Verbot, Bilder gegen den Willen des Abgebildeten zu verbreiten. Alle drei Taten können mit Freiheitsstrafen geahndet werden.
Drohung mit Strafanzeige
Die FAZ hält die Methoden von Maschmeyer für unzulässig. Zwar seien sich Journalisten, die investigativ arbeiteten, juristische Auseinandersetzungen gewohnt. Doch AWD-Gründer Maschmeyer kämpfe mit noch härteren als den üblichen juristischen Bandagen. Darin dürfe man einen veritablen Angriff auf die Pressefreiheit und den freien Journalismus erkennen. Ziel sei offenbar, die Filmautoren zu verunsichern, die Berichterstattung auszutrocknen und andere abzuschrecken.
In einer Stellungnahme rechtfertigt Maschmeyer sein Vorgehen. Sein Anwalt Strate habe in einem Schreiben an den Intendanten des NDR «lediglich um Auskunft zu verschiedenen Fragen gebeten». Mit einer Strafanzeige sei ausdrücklich nicht gedroht, sondern ganz im Gegenteil erklärt worden, dass eine solche nicht erstattet werde, wenn der Gutachter zum Ergebnis komme, dass die NDR-Mitarbeiter sich nicht strafbar gemacht hätten. Zudem bestreitet Maschmeyer, Wirtschaftsauskunfteien mit Recherchen über die Journalisten beauftragt zu haben.
NDR plant nächsten Film
Maschmeyer gilt als einer der schillerndsten, aber auch erfolgreichsten Selfmademillionäre der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte. Sein Allgemeiner Wirtschaftsdienst basierte auf dem Grundgedanken, Finanzberatung unabhängig von einzelnen Banken, Versicherern und Anlagefonds anzubieten. Triebfeder hinter der schnell wachsenden Firma war in der Anfangsphase unter anderem ein ungeheurer Verkaufsdruck auf freiberufliche Agenten (daher auch Maschmeyers Übername: «Drückerkönig»). Seit 2008 gehört der AWD der Swiss Life. Die Vorwürfe gegen das Unternehmen beziehen sich auf die Zeit vor der Übernahme.
Die Journalisten des NDR wollen weiter Licht in die Vergangenheit bringen und geben sich angesichts der Druckversuche gelassen. Reporter Christoph Lütgert hält das Vorgehen des AWD-Gründers gar für «die beste Werbung, die wir kriegen konnten». Dem Vernehmen nach plant die Redaktion bereits den nächsten Film über Maschmeyer und seine Geschäfte.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.01.2011, 12:50 Uhr
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11 Kommentare
Zu allem Elend ist Maschmeyer auch noch der grösste Einzelaktionär bei der Swiss Life, die früher mal auf den Namen Rentenanstalt hörte. Beim Zuschauen, wie bisher seriöse Werte die Limmat runter gehen, wird einem fast mulmig. Dass solche Leute auch nicht vor Attacken auf die Pressefreiheit zurückschrecken, versteht sich von selbst. Ich wünsche dem TA viel Mut. Antworten
Wenn Herr Maschmeyer ein ruhiges Gewissen hätte, hätte er gelassen die Berichte im TV angeschaut. Seine Reaktionen zeigen aber das die Journalisten in ein Wespennest gestochen haben. Die Swiss Life täte gut daran Herrn Maschmeyer sofort aus dem VR zu schmeissen und sich ganz klar vom AWD distanzieren. Letzte Woche flatterte wieder AWD - Webung in meinen Briefkasten. Schade um das schöne Papier. Antworten
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