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Der Chef verlässt die UniCredit

Aktualisiert am 22.09.2010

Der umstrittene Vorstandsvorsitzende der italienischen Grossbank UniCredit, Alessandro Profumo, hat seinen Rücktritt eingereicht. Und verlangt offenbar eine hohe Abfindung.

Abgang nach heftiger Kritik: Profumo verliess die Zentrale der Grossbank am 21. September ohne Job.

Abgang nach heftiger Kritik: Profumo verliess die Zentrale der Grossbank am 21. September ohne Job.
Bild: Keystone

Dies bestätigte die Ehefrau des Bankiers, Sabina Ratti, beim Verlassen der Mailänder Kanzlei, in der Profumo Gespräche über seine Abfindung geführt hat. Es geht dabei um 40 Millionen Euro. Zwei Millionen Euro sollen für Wohltätigkeitsprojekte gespendet werden, wie Ratti gegenüber Medien erklärte. Sie bestätigte, dass die Familie in den vergangenen Stunden starkem Stress ausgesetzt gewesen sei. Es sei dies aber «kein Weltuntergang», sagte die Ehefrau des Bankers. Es gebe ja nicht nur UniCredit.

Zuvor hatte sich Alessandro Profumo selbst intern schon bitter geklagt, praktisch aus dem Amt gejagt zu werden. Die Bank hatte Profumo laut einem Bericht der italienischen Nachrichtenagentur Ansa ein Ultimatum bis Mitternacht gestellt, um eine einvernehmliche Vertragsauflösung anzunehmen.

Erhöhte Beteiligung aus Libyen

Stein des Anstosses ist eine «kleine Übernahme» der Bank, zu der auch die Hypovereinsbank gehört, durch Tripolis. Die italienische Wertpapieraufsicht (Consob) hatte in der vergangenen Woche bekanntgegeben, dass Libyen seinen Anteil an UniCredit um 0,5 Prozentpunkte erhöht habe.

Damit ist die staatliche Investmentgesellschaft «Libyan Investment Authority» (LIA) nun mit 2,59 Prozent an UniCredit beteiligt. Da auch die Notenbank des Landes knapp fünf Prozent an der Bank halte, belaufe sich die von Tripolis kontrollierte Quote auf insgesamt über 7,2 Prozent. Die Consob schloss zudem eine weitere Erhöhung nicht aus.

Mehrfach ausgezeichneter Bankier

Tripolis war im Oktober vor zwei Jahren auf dem Höhepunkt der Finanzkrise bei UniCredit eingestiegen. Obwohl die italienische «Banca Centrale» in der vergangenen Woche noch beruhigt hatte, es handele sich bei dem libyschen Engagement um eine reine Investition ohne politischen Hintergrund, stiess der libysche Einkauf auf scharfe Kritik – und das nicht nur aus Rom. Zunächst protestierten vor allem zahlreiche Politiker in Italien, die eine zu starke Einflussnahme des nordafrikanischen Staatschefs befürchteten.

Profumo, der bereits zweimal zum «Europäischen Bankier des Jahres» gekürt worden war, hatte die einst rein italienische Unicredito zu einem europäischen Institut ausgebaut. Er steht seit 1997 an der Spitze der Bank. Sie wurde unter seiner Ägide durch Fusionen und Übernahmen zu einer der grössten Europas. So hatte die UniCredit 2005 etwa die Hypovereinsbank gekauft. (raa/sda)

Erstellt: 21.09.2010, 23:13 Uhr

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