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Welche Börsenweisheiten sich bewährt haben

Von Fredy Gilgen. Aktualisiert am 24.01.2012

Wie die Bauern und die Wetterfrösche haben auch die Börsianer ihre Weisheiten. Welche Börsenregeln sich auch während der jüngsten Turbulenzen bewährt haben.

Nicht alle Börsenweisheiten haben sich in der jüngeren Vergangenheit bewährt.

Nicht alle Börsenweisheiten haben sich in der jüngeren Vergangenheit bewährt.
Bild: Keystone

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Trau, schau wem? Was die Kursprognosen an den Börsen betrifft, ist sei Jahren weder auf die Ratschläge von Experten noch auf den gesunden Menschenverstand Verlass. Altbewährte, eherne Börsenregeln hätten diesbezüglich oft mehr gebracht. Denn nicht wenige dieser simplen Sprüche haben sich in den momentan schwierigen Börsenzeiten erneut als zutreffend erwiesen.

Nicht alle Eier in einen Korb

Beispielsweise die Regel, dass nicht alle Eier in den gleichen Korb gehören oder, umgemünzt auf die Anlagestrategie, dass die zu investierenden Mittel gut auf die verschiedenen Anlageinstrumente wie Aktien, Obligationen, Geldmarktanlagen, Immobilien oder Gold verteilt werden sollten. Dieser auch wissenschaftlich gut abgestützte Tipp gehört heute zu den ehernen Grundsätzen der Geldanlage. Zu Recht, hat er sich doch in den so schwierigen Anlagejahren 2007 und 2008 erneut bewährt. Desgleichen im für Aktienanleger erneut so frustrierenden letzten Jahr.

Entgegen oft gehörten Behauptungen haben sich nämlich auch während der aktuellen Baisse nicht alle Märkte in die gleiche Richtung bewegt. Wer beispielsweise in Schweizer Immobilien, Staatsobligationen, in den Geldmarkt oder in Gold angelegt hat, erreichte auch in den oben erwähnten drei schwierigen Anlagejahren positive Renditen. Und wer sich an die klassische Aufteilung der anzulegenden Mittel gehalten hat, je ein Viertel in Geldmarktanlagen, Obligationen, Immobilien und Aktien, der erreichte eine Rendite von immerhin 3,4 bis 5 Prozent.

Durchzogene Bilanz

Differenzierter fällt das Resultat bei den saisonalen Börsenregeln aus. Der während Jahrzehnten stimmige Spruch «Wie der Januar, so das ganze Jahr» hat sich in den letzten 25 Jahren nicht mehr durchwegs bestätigt. Nur in etwas mehr als der Hälfte der Fälle ging die Kursentwicklung im Rest des Jahres so weiter, wie sie im Januar angefangen hatte. Und in immerhin sieben Fällen schnitt die helvetische Aktienbörse nach einem schlechten Januar doch noch positiv ab. Dies beispielsweise auch im Jahr 2010. Im letzten Jahr ist auf einen schwachen Jahresanfangsmonat bekanntlich auch ein unbefriedigendes Börsenjahr gefolgt.

Winter statt Sommer

Wesentlich stimmiger ist dafür die Handlungsanweisung, dass man ausschliesslich im Winter Aktien halten solle, im angelsächsischen Sprachbereich bekannt unter dem Spruch «Sell in May and go away, but remember to come back in September».

Mehrere Untersuchungen haben eindeutig bestätigt, dass die Wintermonate – genauer die Monate von November bis April – insgesamt meist ausgesprochen starke Börsenmonate sind, während die Sommermonate von Mai bis Oktober fast an allen Aktienhandelsplätzen der Welt nur schwach abschneiden. Dies war im letzten Jahr nicht anders.

Noch viel deutlicher sind die Resultate im Langfristvergleich. Konkret ergeben sich für den Schweizer Aktienindex SPI im Zeitraum 1988 bis 2011 folgende Resultate. Einer durchschnittlichen Performance von 8,5 Prozent (Strategie «November bis April») steht eine solche von nicht einmal 1 Prozent (Strategie «Mai bis Oktober») gegenüber. Natürlich gilt auch hier: Keine Regel ohne Ausnahme. So gab es in den Monaten Mai bis Oktober in der Schweiz sowohl 2005 wie 2006 schöne Renditen von 20 beziehungsweise 7,2 Prozent.

Vom fallenden Messer

Greife nie in ein fallendes Messer oder konkreter: «Kaufe nie, wenn der Kurstrend noch abwärts zeigt.» Auch diese Empfehlung alter Börsenhasen ist historisch und theoretisch gut untermauert. Denn Baissen dauerten in aller Regel länger als erhofft, wie langjährige Erfahrungen zeigen. Die aktuelle Börsenentwicklung hat keine Ausnahme gemacht. Mit Börsentrends vertraute Experten wie der Systemtheoretiker und Markttechniker Alfons Cortés warnten auch immer wieder vor übereiltem Handeln.

Schon Ende 2008 standen viele Signale an den Aktienmärkten auf Grün. Damals riet Cortés mit Investitionen noch zuzuwarten. «Bevor neue Trends beginnen, werden die Kurse noch eine Weile trendlos schwanken. Eile an der Börse ist immer des Teufels. Routiniers wissen, dass sich die nachhaltigen Trends erst in einer Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Visionen herauskristallisieren.» Auseinandersetzungen, wie sie mittlerweile tatsächlich stattgefunden haben. Für den Börsenroutinier Cortés stehen die Signale seit dem letzten Herbst definitiv auf Grün. Tatsächlich hat der Swiss-Performance-Index (SPI) seit dem Tiefpunkt Mitte August 2011 bereits ein Viertel zugelegt. Erste Chancen für Mutige waren mit andern Worten schon da. Skeptiker werden aber vielleicht besser noch den Januar abwarten wollen. Denn wie der Januar... (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.01.2012, 14:09 Uhr

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