Wirtschaft
CAS, DAS, MAS – das Chaos bei der Weiterbildung
Von Michael Widmer. Aktualisiert am 17.12.2009 18 Kommentare
Master ist nicht gleich Master
Wer in der Weiterbildung einen Master-Abschluss macht, darf diesen nicht mit dem Master-Studium an der Uni verwechseln. Mit der 1999 lancierten Bologna-Reform der Hochschullandschaft wurden neben dem zweistufigen Studiensystem (Bachelor und Master) europaweit auch vergleichbare Abschlüsse in der Aus- und Weiterbildung eingeführt. Hier eine Übersicht der Berner Fachhochschule:
Certificate of Advanced Studies (CAS), vormals Nachdiplomkurs (NDK): Sind die kleinsten Weiterbildungsabschlüsse, die an den Hochschulen angeboten werden. Hier wird spezifisches Wissen vermittelt, sodass eine Zusatzqualifikation in einem bestimmten Fachgebiet erworben werden kann. Die Studiengänge dauern wenige Monate bis ein Jahr und beinhalten manchmal eine Projektarbeit. Arbeitsaufwand: 300 Stunden, entspricht nach Bologna 10 ECTS-Punkten.
Diploma of Advanced Studies (DAS):Wurden neu eingeführt. Sie bieten eine vertiefte Ausbildung in einem spezifischen Fachbereich, sodass eine Zusatzqualifikation im angestammten Beruf oder in einem neuen Fachgebiet erworben werden kann. Dauer: in der Regel ein bis zwei Jahre. Beinhaltet häufig eine Abschlussarbeit. Arbeitsaufwand: 900 Stunden, entspricht 30 ECTS-Punkten.
Master of Advanced Studies (MAS), vormals Nachdiplomstudiengänge (NDS): Sind die höchsten Weiterbildungsabschlüsse, führen aber nicht zu einem akademischen Titel. Sie bieten eine umfassende Ausbildung im jeweiligen Fachbereich, sodass entweder eine zusätzliche Qualifikation im angestammten Beruf erworben werden kann oder sich ein neues Berufsfeld eröffnet. MAS-Studiengänge dauern zwei oder mehr Jahre und beinhalten eine Abschlussarbeit. Die MAS-Abschlüsse haben teilweise eine internationale Gültigkeit. Arbeitsaufwand: 1200 bis 1800 Stunden, entspricht 45 bis 60 ECTS-Punkten.
EMBA: Steht für eine der weltweit bekanntesten Master-Studien – den Executive Master of Business Administrations. Der EMBA wird auf Grund des Studienaufbaus häufig mit dem Master of Advanced Studies (MAS) verwechselt, ist aber nur auf die Betriebswirtschaft ausgerichtet. Arbeitsaufwand: mindestens 1800 Stunden, entspricht mindestens 60 ECTS-Punkten.
Bachelor und Master: Der Weiterbildungsabschluss Master of Advanced Studies darf nicht mit dem Master of Science (ehemals Phil. II) oder dem Master of Arts (ehemals Phil. I) verwechselt werden. Letztere schliessen als zweiter akademischer Abschluss an den Bachelor an. Der Bachelor wird nach Abschluss eines dreijährigen Hochschulstudiums verliehen, der Master nach weiteren drei Semestern Studium.
Sie heissen zum Beispiel «Certificate of Advanced Studies (CAS) in General Management», «Diploma of Advanced Studies (DAS) in Business Administration» oder «Master of Advanced Studies (MAS) in Human Capital Management». Seit Einführung der Bologna-Reform vor rund zehn Jahren werden sie auf Hochschulstufe angeboten (siehe Kasten). Inzwischen gibt es unzählige dieser CAS-, DAS- oder MAS-Lehrgänge. Alleine die Berner Fachhochschulen bieten gemäss Information auf ihrer Homepage «über 150 Zertifikatslehrgänge und ein breites Angebot an Kursen und Seminaren» an. Schweizweit sind mehrere hundert solcher Lehrgänge ausgeschrieben.
Die Arbeitgeber – besonders in kleinen und mittleren Betrieben – stossen an Grenzen. «Es ist schwierig, den Überblick zu behalten. Es werden immer mehr und immer neue Titel ausgeschrieben», stellt Thomas Daum, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, fest. «Personalverantwortliche müssen den Weiterbildungsmarkt stets im Auge behalten und ihn sehr gut kennen, wollen sie die Fähigkeiten der Bewerberinnen und Bewerber richtig einschätzen», sagt er. Eine besondere Herausforderung sei es, die vielen Zertifikate miteinander zu vergleichen.
«Kein Patentrezept»
Für die Vizedirektorin des Schweizerischen Gewerbeverbandes, Christine Davatz-Höchner, ist klar, wie es zu diesem Wildwuchs kommen konnte: «Der Wirrwarr ist deshalb so gross, weil es keine Kontrolle oder Akkreditierung der Bildungsgänge gibt und die Schulen in ihren Angeboten frei sind.» Wie beim Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) zu erfahren ist, sind die Abschlüsse in der Tat grundsätzlich nicht geschützt, ausgenommen jene mit der Bezeichnung «eidgenössisch anerkannt».
BBT-Sprecherin Carmen Steimann erklärt, die Schulen seien durch den Bund akkreditiert, dieser kontrolliere und zertifiziere die Weiterbildungsangebote aber nicht extra. Er greife nur bei Missbräuchen ein. Die Angebote müssen indes gewisse gesetzliche Rahmenbedingungen einhalten (siehe Kasten). «Die Schulen brauchen diese Freiheit», sagt Steimann. «Sie müssen ihre Lehrgänge stets im Kontakt mit den jeweiligen Branchen zusammenstellen können.» Es könne derzeit «in der Tat etwas unübersichtlich sein», doch der Gesetzgeber gehe davon aus, dass der Markt dies selber reguliere.
«Bereinigung angezeigt»
Die Fachhochschulen streiten nicht ab, dass es beim heutigen Angebot schwierig ist, sich zurechtzufinden. «Ein Patentrezept zur Problemlösung haben wir nicht», sagt Thomas Bachofner, Generalsekretär der Rektorenkonferenz der Fachhochschulen Schweiz. Er motiviert Bildungsinteressierte, den Aufwand nicht zu scheuen und sich selber ins Bild zu setzen. Das sei bei jedem Angebot im marktwirtschaftlichen Umfeld nötig. Bachofner streicht hervor, dass mit den CAS-, DAS- und MAS-Bezeichnungen zumindest eine Standardisierung gewährleistet sei, auf die sich die Arbeitgeber und Absolventen stützen könnten. Auch seien CAS und DAS für die Schulen wichtig, um wirtschaftsnah ausbilden zu können. «Hier passieren wichtige Wissens- und Technologietransfers», betont Bachofner.
Arbeitgeberdirektor Thomas Daum begrüsst die Vielfalt und die branchenspezifische Ausbildung grundsätzlich, hält aber unmissverständlich fest: «Es gilt, den Konsumenten zu befähigen, die Lage richtig einzuschätzen und sinnvolle von sinnlosen Angeboten unterscheiden zu können.» Der Arbeitsmarkt müsse transparent sein. Für Daum ist darum klar: «Wir müssen eine Diskussion führen. Eine Bereinigung ist bei den Weiterbildungen früher oder später angezeigt.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 17.12.2009, 13:51 Uhr
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18 KOMMENTARE
Unser Land braucht mehr Unternehmergeist..Charismatiker wie P. Gaydoul! Wir haben genug von diesen extravaganten geldgierigen HSG Manager. Courage ist gefragt! Verantwortung und echte Risiken eingehen!
@ Aschy Furrer: Vielleicht liegt das daran, dass Uni-Abgänger oft nur theoretisches Wissen besitzen aber noch keine Praxiserfahrung haben. Dann darf man sich auch für ein Praktikum nicht zu schade sein. Jemand der ein Studium berufsbegleitend macht, kann während dieser Zeit nun mal mehr Erfahrung sammeln und ist durch die Doppelbelastung oftmals effizienter.
Eine Stutzung wäre dringend angezeigt, Weniger wäre auch hier mehr, nämlich einfacher, übersichtlicher und effizienter. Das gilt in Übrigen für alle Lebensbereiche
@ Genzel Hanna, sehr richtig festgehalten, alle verlangen ein Diplom, egal wofür. Ergebnis sind falsch ausgebildete Leute an Schaltpositionen, Akademiker, welche nur Theorie kennen und in der Praxis völlig versagen, egal, ein Abschluss ist vorhanden. Hier gilt immer noch, weniger ist mehr. Mittlereilen wüten fast überall Juristen und Wirtschaftsexperten, welche keine Ahnung haben.
Ich habe soeben ein MAS in BWL abgeschlossen. Als ich meine Masterarbeit geschrieben habe, bin ich mit Studierenden anderer Schulen in Kontakt gekommen. In der Diskussion hat sich herausgestellt, dass die Anforderungen alleine an die Masterarbeit extrem variieren. Die Anforderungen reichen von "Ausführlichem Bericht" bis "Wissenschaftliche Arbeit".
Leider werden heutzutage Bachelor- und Mastertitel inflationär vergeben....wer die Semestergebühren pünktlich bezahlt, erhält auch die entsprechenden Diplome und aufgenommen wird sowieso alles und jeder, wenn auch "sur dossier". Bildung ist eine Staatsangelegenheit, denn private Anbieter haben nicht die Wissensvermittlung im Fokus, sondern die Rentabilität.
Im praktischen Berufsleben sieht man eine Tendenz, dass vermehrt alle Sorten von 'Bonsai-Masters' sowie Bachelors auf Stellen eingesetzt werden, welche eigentlich das Fundament einer vollständigen akademischen Ausbildung erfordern. Dies ist schon seit einigen Jahren für Uniabgänger zum massiven Nachteil beim Einstieg ins Berufsleben geworden, auch lohnseitig entstehen dadurch falsche Anreize.
Das Weiterbildung-Wirrwarr entsteht, weil der Praxisbezug an den Fachhochschulen in den Vordergrund gestellt wird anstatt eine Fokussierung auf angewandte Wissenschaft. Das System veranlasst Dozenten eigene statussicherende Weiterbildungsprogramme zu produzieren, welche lediglich aus einer Aneinanderreihung von Praxisbeispielen bestehen, ohne Gefahr einer Qualitätsprüfung. Es ist also gewollt.
Die Anforderungen an den Orientierungssinn sind tatsächlich hoch. Doch das Echo seitens der Arbeitgeber erstaunt einigermassen, denn der Ruf nach mehr Regulierung kommt in der Regel nicht von dieser Seite. Markt und Mündigkeit bedingen sich gegenseitig.
Ein guter Schüler muss nicht zwingend ein guter Berufsmann/frau geben! Manche Eigenschaften hat man oder eben nicht und dies steht dann nicht im Diplom. Diese Papierligläubigkeit hat auch seine Schattenseiten, das merkt man als Unernehmer Tag täglich und nervt sich. Die Folge nennt man Fluktuation.
Die ganzen englisch titulierten Lehrgänge sind doch zum grossen Teil nur Blabla. Bei der Masse an Angeboten, werden einige Kurse von Leuten geleitet sein, die auch nur durch Quereinstieg zum *Lehrer* wurden und weder richtig vermitteln können, noch Ahnung von Umgang mit Menschen besitzen. Besonders in dem Bereich ist Qualität vor Quantität gefragt, auf alles andere kann ich verzichten...
Egal welchen Abschluss ihr habt, hauptsache ihr habt ihn nicht an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich gemacht. Würde man diesen traurigen Haufen genauer betrachten, wäre das Diplom keinen Cent wert. Spart euch das Geld und kauft eurem Freund/Freundin lieber ein 25'000 chf teures Weihnachtsgeschenk. In diesem Sinne, frohe Weihnachten.
Wann endlch begreifen die Verantwortlichen, dass auch hier WENIGER mehr wäre? WENIGER hiesse einfacher, übersichtlicher und nicht zuletzt auch effizienter. Dieser Grundsatz gilt im Übrigen für alle Lebensbereiche.
Die Unsicherheiten Dinge anzugehen und auch nur anscheinend richtig und effizient umzusetzen -sind nach solchen Weiterbildungen grösser als zuvor. Es gehört zum Zeitgeist und guten Ton solche Weiterbildungen anzubieten respektive zu nutzen. In vielen dieser Weiterbildungen begegnen wir zusammengeklauter Materie und Inhalte. Ein grosser Teil der Erfolge und Erfahrung erlernt man durch die Praxis.
Am Schluss ist es wie in den USA und England. Nicht der Titel alleine genügt sondern die Verbindung zu einer Top-Uni. Ein MAS einer Fachhochschule ist eben nun mal nicht das gleiche wie ein Master einer Universität wie Oxford, Harvard oder gar Zürich und St. Gallen. Daselbe gilt für den Bachelor. Trotzdem gut, dass man sich auf ein hervorragendes Niveau an einer ZHAW weiterbilden kann.
Tatsächlich herrscht ein unerträglicher Wirrwarr und eine penible "Gschäftlimacherei" der Fachhochschulen, die mit Steuergeldern u.a. die Berufsfachschulen unnötig konkurrenzieren. Und Pseudo-Titel vergeben. Das Ganze ist überdies international nicht akkreditiert und daher bedeutungslos. Keine Stzrategie, keine Aufsicht, keine Qualitätskontrolle eine schweizerische Proivinzposse! Eine teure...
Hauptsache Titel, Hauptsache Weiterbildung! Und was bekommt die Welt dafür? Geld- und Karrieregeile Versager ohne Ethik ... Und wer ist Schuld? Das aufgeblasene HR und Stellenvermittlungswesen .... Gesunder Menschenverstand und Autodidaktik sind noch immer ein Fremdwort für die Personalverantwortlichen. Leistungsorientierung und geschulte Verblödung der Gesellschaft!
Die geschilderte Situation führt leider zu einer Bildungsinflation - für jeden Job braucht es mittlerweile ein Studium, so der Tenor. Dies mündet aber leider nur in Angebotschaos der Studiengänge und entwertet unser duales Bildungssystem. Schade!
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