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Begehrt: Ausländische Doktoranden

Von Urs Egli. Aktualisiert am 29.11.2010

Ausländische Doktoranden sind in der Schweiz willkommen. Ohne sie könnten die Hochschulen den Bedarf nicht decken. Viele Schweizer verzichten auf den Doktortitel: Die Wirtschaft wirbt gute Masterabsolventen mit Topangeboten ab.

Studierende an der ETH Zürich: Schweizer zieht es nach dem Studium meist  in die Privatwirtschaft. Die ETH muss längst mehr als die Hälfte ihrer Doktoranden im Ausland rekrutieren.

Studierende an der ETH Zürich: Schweizer zieht es nach dem Studium meist in die Privatwirtschaft. Die ETH muss längst mehr als die Hälfte ihrer Doktoranden im Ausland rekrutieren.
Bild: Keystone

In den technischen Studienrichtungen ist an der ETH Zürich die Zahl der Doktoranden im Vergleich zu den Studierendenzahlen überproportional gewachsen. Zu diesem starken Wachstum sagt Dieter Wüest, Leiter des Rektorats der ETH Zentrum Zürich: «Die Doktoranden sind zu einem Teil im Ausland rekrutiert worden. Anders wäre das nicht möglich gewesen.» Die internationale Durchmischung sei beim Doktorat zwar schon immer viel grösser gewesen als in den unteren Studienstufen wie Bachelor und Master. Dass die Zahl ausländischer Doktorierender an der ETH stark angestiegen sei, «ist an der ETH ein ausgeprägtes Phänomen», erklärt Wüest und ergänzt: «Es gibt auch viele Schweizer, die im Ausland doktorieren.»

Wer sich für eine akademische Laufbahn qualifizieren will, wird spätestens nach dem Doktorat die eigene Hochschule in Richtung Ausland verlassen müssen. Die Wanderjahre in der Wissenschaftswelt beginnen mit dem Doktorat. «Inhouse-Berufungen von Professoren sind fast verpönt, sodass man in der Regel ein gutes Stück besser sein muss als externe Bewerber, um sich im Berufungsverfahren durchsetzen zu können», weiss Dieter Wüest aus der Praxis.

Ausländer in der Mehrheit

Interesse an wissenschaftlichem Nachwuchs aus der Schweiz habe die ETH sehr wohl, betont Wüest, «doch besondere Förderprogramme für Schweizer kennen wir nicht». Und dies, obwohl mehr als 50 Prozent der an der ETH Doktorierenden aus dem Ausland kommen. «Die Rekrutierung von Doktoranden ist bei uns sehr dezentral. Primär ist es der betreuende Professor, der sich seine Doktoranden aussucht», sagt Wüest. Doch selbst wenn die internationale Durchmischung bei den Professoren der ETH hoch sei, würden Schweizer bezüglich Doktorat «ganz sicher nicht benachteiligt».

Dass die Zahl ausländischer Doktoranden in den letzten Jahren auch an der Universität Bern zugenommen hat, begründet der Berner Universitätsrektor Urs Würgler damit, «dass wir internationale Graduate Schools anbieten, welche zum Doktorat führen. Damit wollen wir die Internationalität der Universität Bern vorantreiben.» Mehr ausländische Studierende hätten auch mehr ausländische Doktorierende zur Folge. Zur Tatsache, dass in den letzten Jahren weniger Schweizerinnen und Schweizer sich zum Doktorieren entschlossen haben, meint Würgler: «Wir können unsere Masterabsolventen nicht dazu zwingen, den Doktortitel zu machen.» Komme dazu, dass man in der Schweiz ein beschränktes Reservoir von intellektuell fähigen Leuten habe, die doktorieren könnten.

Konkurrenz der Wirtschaft

Überzeugt ist Würgler, dass die Berufschancen besser sind, wenn jemand in den Naturwissenschaften den Doktor macht. Dass aber in der Ökonomie stetig weniger doktoriert werde, habe mindestens einen gewichtigen Grund, sagt Würgler: «Viele Schweizer gehen nach dem Master in die Industrie. Denn warum sollen sie noch den Doktor machen, wenn ihnen die Wirtschaft extrem attraktive Angebote macht?» (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.11.2010, 14:13 Uhr

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