Muskelprotzen im Jahr der Spiele
Von Christian Brüngger. Aktualisiert am 02.02.2012 1 Kommentar
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Nur der Superlativ war gut genug. Sechs Monate dauert es noch, bis die Olympischen Sommerspiele in London beginnen. Vergangene Woche wurde das Antidopinglabor in Essex präsentiert, das für die Analysen der Dopingproben verantwortlich sein wird. «Das modernste aller Zeiten», frohlockte die BBC. Schliesslich zahlte ein Pharmagigant fast 29 Millionen Franken für die Anlage, die so gross wie sieben Fussballfelder sein soll, und die Ausrüstung.
Die Vorstellung des Labors war in erster Linie ein symbolischer Akt. Er scheint in einem Jahr mit Olympischen Spielen besonders wichtig zu sein. Die Botschaft, die dadurch global verbreitet werden kann, heisst: Schaut her, wir nehmen den Dopingkampf ernst! Die Probleme im Überführen von Betrügern bleiben mit Symbolik allein aber ungelöst. Denn nur noch Ignoranten oder Stümper lassen sich während Grossanlässen überführen. Darum ist die Zahl an positiv getesteten Athleten – auch an Olympischen Spielen – so klein.
Der aktuelle Ansatz ist gescheitert
Diese Erkenntnis kann an wenigen Zahlen illustriert werden. Dass sie von einem der führenden deutschen Antidopingkämpfer stammen, dem Medizinprofessor und Molekularbiologen Perikles Simon, stimmt wenig positiv. Für den Sportausschuss des Deutschen Bundestages verfasste der 38-jährige Forscher der Gutenberg-Universität in Mainz ein Papier. Es stammt zwar vom November 2010, hat an Gültigkeit aber nichts eingebüsst.
Simon hielt fest: Für Tests werden weltweit fast 300 Millionen Dollar ausgegeben – mehr als die Hälfte der Summe verschlingen Abnahme- und Transportkosten. Nur rund 0,3 Prozent aller Tests – in den letzten Jahren waren es bis 278 000 – allerdings führten zu einer Sperre. Mit anderen Worten: Um einen Athleten zu überführen, sind gut 300 000 Dollar aufzubringen.
Natürlich sind Aussagen dieser Art wie bei jedem komplexen Thema stark vereinfacht. Das weiss auch Simon, schliesslich ist in seiner Zahl beispielsweise nicht berücksichtigt, wie viele potenzielle Betrüger dank der Kontrollen gar nicht erst zu dopen begonnen haben. Um Nuancen aber geht es Simon nicht. Was er sagen will: Der aktuelle Ansatz, Athleten vor allem über direkte Nachweisverfahren zu überführen, ist gescheitert.
Bis 50 Prozent gedopt
Denn kein seriöser Antidopingkämpfer würde behaupten, dass bloss 0,3 Prozent aller Spitzensportler illegale Substanzen verwenden. Dagegen sprechen Zahlen, in denen die Prävalenz von Doping untersucht wurde. Der Begriff stammt aus der Epidemiologie und sagt ursprünglich aus, wie verbreitet eine Krankheit in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe ist. Je nach Disziplin und Nation geht man von einer Doping-prävalenz von bis zu 50 Prozent aus. Auch der indirekte Nachweis über Blut- und Steroidprofile, der in den letzten Jahren als Königsweg betrachtet wurde, erweist sich in der Praxis als ernüchternd. Das aktuellste Negativbeispiel ist die erfolgreichste deutsche Wintersportlerin, Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. Zwar wurde das Urteil der Internationalen Eislauf-Union von 2009 und die zweijährige Sperre durch alle Gerichtsinstanzen bestätigt, inzwischen aber glauben selbst Pechstein-Kritiker, dass das Urteil sehr fragwürdig ausfiel.
Ähnlich komplex ist die Causa des Tour-de-France-Siegers Alberto Contadór, der nächste Woche sein Urteil vom Internationalen Sportgerichtshof CAS erhalten soll. Diese Fälle zeigen: Der Ansatz des indirekten Weges kann vor allem zu einer immens langen Kaskade an Gerichtsprozessen mit zurzeit oft noch unsicherem Ausgang führen.Für Martial Saugy sind neue Ansätze auch darum unausweichlich. Saugy ist Leiter des Antidopinglabors in Lausanne und einer der führenden Wissenschaftler auf seinem Gebiet. Die Kernkompetenzen von ihm und seinem Team sind die erwähnten Blut- und Steroidprofile, wie sie im Radsport oder in der Leichtathletik angewandt werden. Darum arbeitet Saugy eng mit dem internationalen Radsport- und Leichtathletikverband zusammen. Saugy kennt das ungünstige Verhältnis zwischen Kontrollen und überführten Athleten natürlich. Auch er glaubt nicht, dass nur 0,3 Prozent der Sportler dopen (zumindest in gewissen Disziplinen). Und Saugy hat Vorschläge, wie sich der Antidopingkampf verbessern liesse. Seine Prämisse ist: Nicht in jeder Sportart wird gleich viel und mit den gleichen Substanzen manipuliert. Diese Erkenntnis, gewonnen aus der Praxis, muss erst einmal wissenschaftlich gestützt werden. Dann erst können systematische Aussagen zur Dopingprävalenz in den einzelnen Sportarten gemacht werden. Saugys Team hat dafür in der Leichtathletik im letzten Jahr erste Zahlen geliefert.
Viel zu wenig Forschung
In den anderen Sportarten sind Fakten dazu fast inexistent. Erst sie aber ermöglichen ein clevereres Überführen von Betrügern, das gerade nicht mehr über breit angelegte Kontrollen stattfinden müsste. Dank den Langzeitblutprofilen der Athleten könnten die Antidopingkämpfer anhand der Prävalenzerkenntnisse nach sportartenspezifischen Substanzen fahnden. Statt wie heute mit Kanonen auf Spatzen zu schiessen, also Athleten primär über allgemeine Kontrollen zu überführen, wären Waffe und Raster spezifischer.
Ein symbolischer Antidopingkampf hat da wenig entgegenzuhalten. Überhaupt würde man einen Teil dieses Geldes klüger in Forschungsprojekte zur Analytik investieren. Nur sie garantieren neue Detektiermethoden. Wie hoch das Budget dafür ist? Keine 10 Millionen Franken. Weltweit. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 02.02.2012, 15:28 Uhr
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Mir ist egal, wenn die Sportler dopen. Wenn sie sich gesundheitlich in Gefahr bringen wollen, dann können sie das von mir aus tun. Aber das Theater mit den Dopingtests kann so nicht weitergehen. Die Forschung ist den Labor's eh voraus. Darum ist die einzig richtige Lösung, alle Dopingmittel unbeschränkt zuzulassen. Was auch mit den Drogen am Besten wäre. Der Kontrollier-Staat ist eine Irr-Lösung. Antworten
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