«Es gibt keine schlüssige Erklärung für das Pfeiffer’sche Drüsenfieber»
Artikel zum Thema
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Was versteht man unter dem Pfeiffer’schen Drüsenfieber?
Dr.Christian Schlegel: Das Drüsenfieber ist eine Infektion, die durch das Epstein-Barr-Virus hervorgerufen wird. Bei den meisten treten grippeähnliche Symptome, aber nur selten Komplikationen auf. Mühsam wird es dagegen, wenn die Krankheit chronisch wird. Es ist sehr schwierig, diese Krankheit zu diagnostizieren und zu klären, ob das Virus wirkt oder irgendwann im Körper steckte. Die Ansteckungsgefahr ist sehr hoch, über den Daumen gepeilt, sind wohl mehr als die Hälfte aller Menschen einmal in ihrem Leben davon betroffen.
Inwiefern?
Dann handelt es sich um keinen gewöhnlichen grippalen Infekt. Bei lang anhaltender Krankheit fühlen sich die Patienten oft sehr müde; im Training beklagen sie muskuläre Probleme und sind rasch übersäuert. Ich habe von Sportlern gehört, denen das Treppensteigen Mühe bereitete.
Sind Spitzensportler besonders anfällig?
Grundsätzlich nicht, weil sie körperlich in guter Verfassung sind und in der Regel solide Abwehrkräfte besitzen. In Stresssituationen und während längerer, sehr intensiver Trainingsphasen sind Profisportler aber anfälliger als andere Menschen.
Bei einigen Athleten dauert die Krankheit nur wenige Wochen, andere beklagen monatelang Probleme und erleiden gar einen Karriereknick. Gibt es dafür Gründe?
Es gibt keine schlüssige Erklärung. Genau deshalb ist es für die Betroffenen jeweils schwierig, die Situation zu akzeptieren.
Wie lässt sich die Krankheit therapieren?
Es gibt kein spezifisches Medikament, welches gegen das Virus wirkt. Oft werden pflanzliche Heilmittel zur Stärkung verschrieben. Wichtig ist, dass die Betreuung auf jeden Einzelnen abgestimmt wird. Und wer erkrankt, sollte sich Ruhe gönnen und eine Trainingspause einlegen. Sonst kann es sich zu einem chronischen Leiden entwickeln.
Sind Spätfolgen zu befürchten?
Wissenschaftlich sind keine direkten Spätfolgen erwiesen. Man hört aber immer wieder, dass die Psyche beeinträchtigt wird, es zu Frustration kommen kann. Das ist durchaus möglich, allerdings sollte man differenzieren: Bleibt bei einem Athleten, der am Drüsenfieber litt, der Erfolg aus, ist nicht zwingend die Krankheit schuld.
Als Chief Medical Officer wird Dr.Christian Schlegel die helvetische Olympia-Delegation an den Winterspielen 2014 in Sotschi betreuen. Der 46-jährige St.Galler fungiert zudem als Teamarzt der Schweizer Ski-Nationalmannschaft. (Berner Zeitung)
Erstellt: 03.02.2012, 14:00 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
Sport
- 06:00Ein Antidepressivum namens Deutschland
- 21:20Barnettas Zukunft bei Leverkusen ist ungewiss
- 16:59Wenn der Goalie den Goalie überlistet
- 16:11Taskforce soll Kloten Flyers retten
- 15:10«Ich habe mit Shaqiri schon einen Leibchentausch abgemacht»
- 15:09Eigengoal-Gate, Sexskandale und eine «Goldene Pfeife»

Bitte warten