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«Lasst uns Ausländer anstellen»

Von Sophie Roselli, Tribune de Genève. Aktualisiert am 19.01.2012 69 Kommentare

Bei der Genfer Polizei herrscht chronischer Personalmangel. Nun schlägt ein Politiker vor, Ausländer mit Aufenthaltsbewilligung C zuzulassen. Die Stimme kommt überraschenderweise von rechts.

Genfer Polizei: Ausländer gegen den Nachwuchsmangel.

Genfer Polizei: Ausländer gegen den Nachwuchsmangel.
Bild: Laurent Guiraud

«Lieber die Rekrutierungskriterien anpassen»: Isabel Rochat am 14. Oktober 2011 in Genf. (Bild: Keystone )

«Realistisch sein»: Eric Bertinat am 9. April 2011 in Genf. (Bild: Keystone )

Erfahrungen in Basel

Als erster Schweizer Kanton rekrutiert Basel-Stadt seit 1997 Polizisten mit einer Aufenthaltsbewilligung C, pro Jahr vier bis fünf Personen.
Auf die 650 Polizistinnen und Polizisten des Kantons zählt man heute etwa zwanzig. „Es gibt absolut keine Probleme mit diesen Beamten“, sagt Klaus Mannhard, Sprecher des Sicherheitsdepartements. Diese Massnahme wurde vor 15 Jahren ergriffen als Antwort auf die Rekrutierungsprobleme. Das Resultat ist positiv, aber nicht ausreichend, meinen Polizei und Departement. Man stellte sich übrigens vor einem Jahr auch die Frage der Zulassung von Grenzgängern, bevor man sie fallen liess.

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Der politische Wille, bei der Genfer Polizei Personal einzustellen, ist stärker denn je, doch es mangelt an Kandidaten. Um sie zu finden, wird regelmässig vorgeschlagen, den Rekrutierungskreis auf Ausländer mit einer Aufenthaltsbewilligung C auszuweiten. Eine Stimme erhebt sich und bringt die Debatte wieder auf den Tisch. Und es ist nicht irgendeine Stimme, sondern die des SVP-Abgeordneten Eric Bertinat, dessen Partei sich bis jetzt vehement gegen diese Idee auflehnte.

«Die bequemste Lösung»

«Das Problem der Rekrutierung verschlimmert sich. Das führt zu Überstunden», fasst der Abgeordnete zusammen. «Da fast die Hälfte der Kantonsbevölkerung Ausländer sind, muss man realistisch sein und sich überlegen, Inhaber einer Aufenthaltsbewilligung C anzustellen, die integriert sind und oft ihre Schulzeit hier absolviert haben.» Eine überraschende Kehrtwendung von ihm, der sich 2003 gegen diese Öffnung wehrte, als die Grünen aus den gleichen Gründen die Alarmglocke läuteten. Seither ist «die Debatte unvermeidlich geworden». Und der Parlamentarier geht noch weiter: «Warum die Polizei nicht auch für andere Aufenthaltsbewilligungen öffnen? Schliesslich arbeiten auch Grenzgänger bei der Steuerbehörde, in Banken, in Bereichen, die ebenso sensibel sind wie die Sicherheit.»

Das Thema ist heikel, auf politischer und auf gewerkschaftlicher Ebene. Wenn man also die für Sicherheit zuständige Regierungsrätin Isabel Rochat befragt, muss man sich auf eine vorsichtige Antwort gefasst machen. «Den Zugang erweitern ist die bequemste Lösung», sagt sie. «Ich möchte zuerst die Rekrutierungskriterien anpassen. Aber nicht nach unten! Man muss den Kandidaten die Möglichkeit geben, sich besser gewappnet an das Examen zu präsentieren. »Was heisst das? «In Frankreich gibt es Institutionen für die Prüfungsvorbereitung», führt sie als Beispiel an. Und sie kündigt an, dass die Polizei bald einen neuen Ausbildungsdirektor haben wird, «nach zwei, drei administrativen Schwierigkeiten».

Es wäre an der Zeit, diese strategische Stelle ist nicht mehr besetzt seit Juni 2010. Unterdessen hält ein Verantwortlicher ad Interim den Sessel warm. Warum so lange warten? «Das müssen jene beantworten, die rekrutieren; Es gibt einen Zuständigen für Personalfragen bei der Polizei», erwidert sie ungehalten. «Es ist nicht an mir, eine Anzeige aufzugeben und ihn zu finden.» Ausserdem brauchte das Verfahren Zeit wegen der Lancierung des Polizei-Reorganisationsprojekts (Phenix), räumt sie ein.

«Das würde nichts ändern»

Es kommt nicht in Frage, die Ausländersperre aufzuheben, sagen einstimmig die Gewerkschaften der Sicherheits- und Kriminalpolizei. «Keine Polizei der Welt engagiert Ausländer!», wirft Christian Antonietti ein, der Präsident der Personal-Union des Polizeikorps UPCP, und vergisst dabei das Beispiel Basel. «Die Anstellung von Inhabern der Aufenthaltsbewilligung C würde nichts ändern, denn es gibt die Möglichkeit der Doppelbürgerschaft», meint er.

Im Grunde kann man sich fragen, ob es nicht im Interesse der Gewerkschaften liegt, eine gewisse Personalverknappung zu bewahren, die ihnen eine starke Position verschafft bei den Verhandlungen und Überstunden produziert, die entschädigt oder eingezogen werden. «Sie glauben, wir wollen die unannehmbaren aktuellen Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeiter aufrecht erhalten?» fragt Christian Antonietti empört.

Überraschenderweise scheint der Vorschlag in der Polizeidirektion selber am meisten Befürworter zu haben. Als Polizeivorsteherin Monica Bonfanti im Jahr 2008 von der Gerichts- und Polizeikommission dazu befragt wurde, stand sie der Idee positiv gegenüber und erwähnte sogar die Anstellung französischer Gendarmen. Die Sicherheit Ausländern anzuvertrauen wäre ein Risiko? Da der Staatsschutz und der Geheimdienst nur wenige Personen bei der Polizei betreffen, wäre es ihrer Meinung nach vernachlässigbar. Wie denkt sie heute darüber? Gestern konnten wir es nicht in Erfahrung bringen, trotz unserer Anrufe.

Zurzeit werden nur Kandidaten mit einer Aufenthaltsbewilligung C zugelassen, die sich noch vor Ende ihrer Ausbildung einbürgern. Für die Sicherheitspolizei sind das 14 von 131 Rekruten seit 2009. Keiner bei der Kriminalpolizei. Die Frage ist, ob das Aufheben dieser Bedingung ausreichen würde, um den Mangel an Kandidaten zu beheben.

(Übersetzung von Sibylle Bühler Beltran)

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.01.2012, 19:00 Uhr

69

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69 Kommentare

rolf dürig

19.01.2012, 19:43 Uhr
Melden 125 Empfehlung

Das Spielchen aus der Industrie und Finanzwelt wird wieder von vorne komponiert. Anstelle für eigenen Nachwuchs zu Sorgen, lieber aus dem Ausland anstellen. Wozu haben wir eigentlich noch ein Schulsystem? Wozu noch eine Berufslehre machen..... Antworten


Nico Meier

19.01.2012, 19:50 Uhr
Melden 91 Empfehlung

Stetig steigende Anforderungen an die Polizisten einerseits immer weniger Respekt in der Öffentlichkeit andererseits und dazu Löhne die wenn man die Arbeitszeiten und Arbeitsumstände betrachtet leider nicht wirklich gut sind führen zu immer weniger Kanddaten.
Wir müssen dafür sorgen, dass Polizisten besser entlöhnt werden nur so finden wir genügend Kandidaten.
Angebot und Nachfrage.
Antworten



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