«Die Uni ist ein Feudalsystem»

Die Arbeitsbedingungen an den hiesigen Universitäten sind derart schlecht, dass immer weniger Schweizer Studienabgänger Lust auf eine akademische Karriere haben.

L. K. (Name der Redaktion bekannt) war zwei Jahre lang wissenschaftliche Assistentin an einem soziologischen Institut. Dann hielt sie es nicht mehr aus. «Am Schluss war ich ein psychisches Wrack.» Eigentlich sollte sie forschen, an wissenschaftlichen Projekten mitarbeiten. Aber ihr Chef, ein renommierter Professor, liess sie nur Kaffee kochen, den Kopierer bedienen, seine eigenen Aufsätze und die Prüfungen der Studenten korrigieren. L. K. war Mädchen für alles. «Ich hatte null Zeit, mich auf meine Forschung zu konzentrieren. Null Chancen, mich zu profilieren.»

Kaum ein Tag verging ohne unbezahlte Überstunden. Einige Male muckste sie auf. Der Professor schrie sie dann an: Sie sei zu geldgierig. Keine echte Wissenschaftlerin. Denn Wissenschaft, das sei Leidenschaft. Wer für ihn arbeitete, tat dies ohne Arbeitsvertrag, ohne geregelte Pflichten und Arbeitszeiten. «Es war die reinste Willkürherrschaft. Entweder man unterwarf sich, oder man wurde fertiggemacht.» Sie war nicht die Einzige, die irgendwann genug hatte. Drei ihrer Kollegen verliessen gleichzeitig mit ihr das Institut. L. K. arbeitet nun an einer Uni im Ausland und schreibt dort ihre Diss fertig.

Diss verkommt zum Hobby

Was die junge Frau erlebt habe, sei oftmals Courant normal an hiesigen Unis, sagt Katja Wirth. Sie ist Vorstands- und Gründungsmitglied von Actionuni, dem Dachverband der Mittelbauvereinigung der Schweizer Universitäten und der ETH. Zum Mittelbau gehören alle wissenschaftlichen Uni-Mitarbeiter, die keine Professur haben. Wirth spricht von «massiven Missständen» bei den Arbeitsbedingungen des Mittelbaus. Assistenten in den Geisteswissenschaften oder in der Biologie etwa müssen sich meist mit Teilzeitstellen von 50 Prozent oder weniger begnügen und kommen so manchmal auf ein Monatsgehalt von unter 3000 Franken brutto. «Ein Grossteil arbeitet im Tieflohnsegment.» Einige halten sich mit Nebenjobs ausserhalb der Uni über Wasser. Aber die meisten haben dafür gar keine Zeit. Wegen der unbezahlten Überstunden, die sie für ihr Forschungsprojekt leisten müssen. Gerade Biologen arbeiten trotz Teilzeitstelle oft mehr als 50 Stunden pro Woche. «Viele Professoren decken ihre Assistenten mit Arbeiten ein, für die eigentlich das Sekretariat, Techniker und anderes nicht wissenschaftliches Personal verantwortlich sind.» So kommt es, dass viele Jungakademiker ihre Doktorarbeiten irgendwann in ihrer knappen Freizeit schreiben müssen. Im Forschungsland Schweiz verkommt die Dissertation zum Hobby.

«Auf den Lehrstühlen sitzen Könige»

Warum wehrt sich der Mittelbau nicht? Warum setzt er sich nicht für bessere Arbeitsbedingungen ein? Katja Wirth erklärt es so: «Die Uni ist ein Feudalsystem. Auf den Lehrstühlen sitzen Könige.» Nicht die Hierarchie sei das Problem. Vorgesetzte und Angestellte gebe es überall. «Das Problem ist das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Professor und Assistent, zwischen Doktorvater und Doktorand.»

Matthias Hirt von der Mittelbauvereinigung der Uni Bern nennt dieses Abhängigkeitsverhältnis einen «Konstruktionsfehler», der aus der Universität überhaupt erst ein Feudalsystem mache. «Die Leute haben Angst, sich zu wehren, das Risiko ist einfach zu gross», so Hirt. «Dein Chef ist gleichzeitig der Betreuer deiner Doktorarbeit. Ein schlechtes Gutachten, ein schlechtes Empfehlungsschreiben kann deine akademische Karriere ruinieren.»

Ausbeutung ist Alltag

Einige Universitäten haben inzwischen Ombudsstellen eingerichtet, an die sich Mitglieder des Mittelbaus bei Problemen mit dem Chef wenden können. Da die Stellen zur Verschwiegenheit verpflichtet sind, bleiben die Auskünfte sehr allgemein. Niemand will mit Namen zitiert werden. Ein Ombudsmann bestätigt, dass einige seiner Fälle mit dem «System der Knechtschaft» an den Unis zusammenhängt. Ausbeutung gehöre zum alltäglichen Leiden Schweizer Doktoranden, sagt ein anderer. Aber es gebe auch das Gegenteil, das sagen sie alle. Es gebe auch Professoren, die den Nachwuchs förderten.

Die ETH Zürich zum Beispiel. Sie muss um ihren Nachwuchs kämpfen, weil der Arbeitsmarkt für technische Berufe seit Jahren ausgetrocknet ist. Um gegenüber der Konkurrenz aus der Privatwirtschaft zu bestehen, bietet sie ihren Jungforschern gute Löhne und Vollzeitstellen an.

Familie finanziert Diss mit

Das Gegenteil ist aber die Ausnahme. Zu diesem Schluss kommt die im Herbst 2009 veröffentlichte Studie «Zur Lage des akademischen Mittelbaus». Sie wurde vom Staatssekretariat für Forschung und Bildung in Auftrag gegeben, und letztlich geht es darin auch um solche Fragen: Was bedeutet es für den Forschungsplatz Schweiz, wenn Doktoranden bloss einen Bruchteil des Lohns verdienen, den Hochschulabsolventen in der Privatwirtschaft erhalten? Wenn 20 Prozent der Doktoranden nur überleben können, indem sie auf Erspartes oder auf die finanzielle Hilfe der Familie zurückgreifen? Wer kann und will es sich noch leisten, unentgeltlich und quasi als Hobby seine Diss zu schreiben?

Die Studie geizt nicht mit klaren Antworten: «Unter diesen Bedingungen sind viele Schweizer Studienabgänger nicht mehr bereit, eine akademische Karriere in Angriff zu nehmen.» Und: «Die Wissenschaft kann im Wettbewerb um die Besten kaum mithalten.» Denn die wandern ab in die Privatwirtschaft. So bleibe den Hochschulen oft nur noch die «Negativauswahl», sagt Katja Wirth von Actionuni. Nicht die Talentiertesten, sondern die besonders Unbegabten werden selektiert. Übrig bleiben die Mittelmässigen. Wolle das Schweizer Hochschulsystem nicht nur Spitzenkräfte aus dem Ausland importieren, müsse es die Förderbedingungen verbessern, so die Studie. Ein Fazit, das in der Debatte um die vielen Deutschen an Schweizer Universitäten bisher zu kurz kam.

Auf Sozialkompetenz achten

«Die Situation verbessert sich allmählich», sagt der Mittelbauvertreter Matthias Hirt. Er fordert angemessene Löhne, transparente Pflichtenhefte, mehr 100-Prozent-Jobs. Und dass bei der Berufung der Professoren auf deren Sozialkompetenz geachtet wird. Er spricht von speziellen «Doktorandenstellen», bei denen sich die Jungakademiker ausschliesslich auf ihre Dissertation konzentrieren können. Diese soll nicht mehr vom Doktorvater begutachtet werden, sondern von einer unabhängigen Jury. Seine Hoffnungen setzt Hirt auf den Schweizerischen Nationalfonds (SNF), der zuständig ist für die staatliche Forschungsförderung und damit ein wichtiger Trendsetter in der Hochschulpolitik ist. Der SNF habe die Probleme in der Schweizer Nachwuchsförderung erkannt. Trotzdem sei ein Wandel wohl nur in kleinen Schritten möglich. «Das sind alte ständische Strukturen, die nie eine Revolution erlebt haben.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.02.2010, 06:37 Uhr

51 KOMMENTARE

Marianne Derron

12.02.2010, 12:03 Uhr

Bravo für Ihren Artikel! Man sollte sich tatsächlich nicht über Deutsche beklagen, die uns - angeblich - die Stellen wegnehmen, solange der Mittelbau so behandelt wird. Ich war selbst vor ein paar Jahren "Whistleblower" für die Arbeitsweise eines Professors. Die Folgen: Ich ging, der Professor ist immer noch im Sattel. Herzlicher Dank an alle, die sich für den Mittelbau engagieren!


Arnie Leuthold

10.02.2010, 16:59 Uhr

Es ist doch ein Witz, diese infamösen 50%-Anstellungen mit dem Hinweis zu rechtfertigen, Diss sei Ausbildung. Natürlich lernt man in einem Doktorat viel dazu; wenn man seinen ersten Job in der Privatwirtschaft beginnt, aber auch. In der Biologie wird die Forschung vollumfänglich von Doktoranden ausgeführt, dafür sollen sie auch anständig entlöhnt werden! So habe ich echt wenig Lust auf eine Diss..


Jan Fellenberg

10.02.2010, 14:13 Uhr

Endlich wird dieses Thema angesprochen. Eine Diss zu machen ist mittlerweile Zeitverschwendung. Man hat durch die Diss nicht wirklich bessere Cancen auf dem Arbeitsmarkt, und die Bezahlung ist wirklich schlecht. Eine Parkuhr verdient da doch mehr! Heute würde ich keine Diss mehr machen.


Katja Knauer

09.02.2010, 15:40 Uhr

Auch auf die Universität Basel treffen viele der Kritikpunkte zu. Geschützt werden die Professoren, der Nachwuchs muss sich dem System anpassen und die Publikationen für den Professor schreiben und bloss nicht nach wissenschaftlicher Freiheit und Unabhängigkeit streben, denn diese ist dem Professor vorbehalten, wo kämen wir den da hin.


EVA Einstein-Pestalozzi

09.02.2010, 15:24 Uhr

Wer kann/ will es sich noch leisten, unentgeltlich und quasi als Hobby seine Diss zu schreiben? Ja Leute da haben wir's, der gute alte Pestalozzi ist vor 183 Jahren gestorben, ein herer Kämpfer gegen Armut auch geistige verjagt, verlacht ausgegrenzt starb er verkümmert im fernen Aargau als Migrant,. Freiwillige freischaffende Unternehmer sind gefordert die etwas unternehmen gg. souveräne Ohnmacht


Beat Müller

09.02.2010, 10:50 Uhr

@Renato Baldenz: Diss heisst 1/2 eigene Ausbildung und 1/2 für andere arbeiten (Seminare, Übungsstunden...). Nach dem Diplom bin ich qualifiziert genug, an einer Mittelschule als Lehrer zu arbeiten, also ist es auch nicht vermessen, für diese 1/2 Stelle als Assistent einen ähnlichen Lohn und ähnlichen Aufwand wie bei einem 12 oder 14 Schulstunden Pensums an einem Gymnasium zu fordern.


Urs Baumann

09.02.2010, 08:40 Uhr

Ich hatte an der Uni ZH Medizin studiert und dann als Forscher am Unispital gearbeitet. Die Diss hatte ich da schon längst abgeschlossen.Ich musste fuer 2000 SFr. pro Monat 50 h/Woche arbeiten,war 50% angestellt.Einfach kündigen konnte ich nicht,da ich meine Arbeit abschliessen und publizieren wollte und dann dort als Arzt arbeiten.Das wurde von der Klinik ausgenützt.Stelle gabs trotzdem keine...


Elisabeth Novotny

09.02.2010, 00:02 Uhr

Leider kann ich diese Umstände nur bestätigen, als Phil II Doktorand an der ETH habe ich 1500.- (1992) von einem Stipendium pro Monat erhalten. Klare Arbeitszeiten gab es nicht, man wurde für jegliche Dienste eingesetzt. Es wäre schön wenn sich dieses Feudalsystem verändern würde. Aber welcher König tritt schon freiwillig ab?


christina von Waldkirch

08.02.2010, 17:55 Uhr

Zu Professort Haag-Wackernagel: Ihr Kommentar ist entlarvend! Sofern sich Ihre Mitarbeiter Ihren Paternalismus gefallen lassen, seid Ihr ein Herz und eine Seele. Und wenn nicht? Mitarbeiter und Studis soll man gern haben, um gut zusammen zu arbeiten. Doch jede Kindergärtnerin lernt, dass eine pädagogische Beziehung kein Familienersatz sein darf. Dasselbe gilt für den Umgang mit Mitarbeitern.


paul martin

08.02.2010, 17:51 Uhr

@katzgraber Ich habe auch Auslanderfahrung. Dort wird zwar weniger bezahlt (Lebenskosten sind z.T. aber auch massiv tiefer, zB Berlin), ein Feudalsystem wie in der Schweiz gibt es aber kaum. Ein Lehrstuhl in der Schweiz ist ein kleines Königreich. Auch an der ETH gibt es Missstaende - interne Untersuchungen verlaufen aber meist im Sand weil sich die Professorenschaft gegenseitig deckt.


Jo Heller

08.02.2010, 16:24 Uhr

Jede/r kriegt den Job und Chef/in den/die er/sie verdient. Man muss ja nicht immer Schlucken, darf auch mal den Mund auftun. Nicht jedes systemische Furunkel muss aber immerfort unterstützt werden. Ob an der Uni oder in der Privatwirtschaft. Den Hintern muss man aber schon etwas bewegen.Mut haben und sich nicht immerfort als Opfer betrachten.


Martha Meister

08.02.2010, 15:06 Uhr

Ich finde es sehr lobenswert, dass dieses heikle Thema angesprochen wird, herzlichen Dank. Die Kommentare zeigen ein weiteres Problem auf. Die ETH wird im Bericht als positiv dargestellt in seiner Nachwuchsförderung. Woraufhin sich ein Mensch, der an der ETH forschen darf, berufen fühlt, die Bedingungen in der GANZEN Schweiz für optimal zu erklären. Es fehlt generell an einer grundlegenden Sozialkompetenz: SOLIDARITAET. Die Betroffenen werden nicht nur von ihrem Doktorvater nicht respektiert, sondern auch von Kollegen, welche sich in einer glücklicheren Position befinden.


Markus Steiff

08.02.2010, 14:38 Uhr

Als Doktorand in der Biologie kann ich den Artikel und die meisten Kommentare nicht bestätigen. Im Gegensatz zur Privatwirtschaft geht es doch bei einer Diss darum, zu lernen ein eigenes Projekt aufzugleisen und zu realisieren. Wer mit dem Gedanken 50% Weiterbildung (nicht bezahlt) und 50% wissenschaftliche Arbeit (bezahlt) an eine Diss geht, kann sich über CH-Doktorandenlöhne nicht beklagen.


André Weber

08.02.2010, 13:15 Uhr

Als besonders stossend erachte ich v. a. die komplett unterschiedlichen Anstellungsbedingungen in verschiedenen Instituten der UZH. Sogar innerhalb der Institute werden Assistenten trotz gleicher Auslastung und Leistung nicht zu gleichen Bedinungen angestellt. Im übrigen habe ich persönlich die Erfahrung gemacht, dass die ETHZ im Vergleich zur UZH ein Paradies für Arbeitnehmer darstellt...


Alain Burky

08.02.2010, 13:13 Uhr

Wem es an der Uni zu langweilig ist - soll abbrechen ... B. Gates und S. Jobs haben das ja auch gemacht ...


hansruedi zürcher

08.02.2010, 13:06 Uhr

Ich verstehe einfach nicht was Ausbildung und Salär miteinander zu tun haben sollen! In unserer Marktwirtschaft zählt doch nur der Erfolg, oder nicht? Eines ist sicher: Wir haben eines der besten Ausbildungssysteme weltweit, aber es wird laufend kritisiert!, besser machen ist angesagt liebe "Kritiker"!


Friedrich Williams

08.02.2010, 13:04 Uhr

@Hartmann:Es geht mir nicht um die Entloehnung, ich moechte diesbezueglich auf den hervorragenden Kommentar von Fr. Blaser hinweisen. Das Problem von tiefen PhDloehnen ist, wenn dies zu Parallelprojekten, Erledigung von standardisierten Assays durch Doktoranden anstelle von durchaus korrekt bezahlten Laboranten oder Putzarbeiten durch Dokt. anstelle von etwa gleichbezahltem Putzpersonal etc.fuehrt


ruth leemann

08.02.2010, 12:44 Uhr

Und zuletzt stempelt man solche Leute noch als hoch-qualifiziert ab - aufräumen ist angesagt.


Ralf Tanner

08.02.2010, 12:43 Uhr

@Rolf Erne: Herrlich, Sie haben das Zeug zum Komiker !


Hans Meier

08.02.2010, 12:24 Uhr

Zum Glück sind auch noch andere Professoren an der Uni! Sich vorher über den Ruf eines Professors bei den Dorkoranden zu informieren hilft. Aber Arbeitszeiten von 50h oder mehr pro Woche sind normal, genauso arbeiten am Wochenende und an Feiertagen. Vor allem in den Naturwissenschaften wen Versuche laufen oder die Feldarbeit ansteht.


Renato Baldenz

08.02.2010, 12:08 Uhr

Der Kommentar von Beat Müller (10:47) ist leider symptomatisch für die Situation in der Schweiz. Viele Studienabgänger sind nicht mehr bereit, für wenig Geld wissenschaftlich zu arbeiten. "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" ist Vielen fremd geworden. Folge: es werden motivierte Nachwuchskräfte aus dem Ausland eingestellt, die später die Kaderpositionen besetzen. Dann ist das Geschrei gross..


martin bürger

08.02.2010, 11:25 Uhr

huch.... endlich wird mal was geschrieben. Hier ist auch der Grund zu finden, weshalb die Professoren ihre Assistenten im Ausland rekrutieren, weil sie hier keine mehr finden, welche für sie arbeiten wollen. ändern wird sich trotzdem nichts.


Daniel Haag-Wackernagel

08.02.2010, 11:08 Uhr

ich muss jetzt mal etwas loswerden: die bedingungen an der uni sind doch völlig o.k. ich bin selbst an der uni tätig und pflege zu meinen assistent/innen ein familiäres verhältnis. mag sein, dass es nicht bei allen fakultäten gleich aussieht, in der medizin und biologie kann ich nur sagen: ein herz und eine seele, solange die untergebenen einigermassen mitmachen.


Rolf Hartmann

08.02.2010, 10:55 Uhr

@Williams 10:04, Was hat den die Entlöhnung eines Doktoranden mit der eines Laboranten zu tun? Der Laborant ist oft mit einer Festanstellung versehen und dient als beständige Fachkraft, während ein Doktorand sich nach ein paar Jahren wieder verabschiedet. Solche Techniker Stellen sollen gut bezahlt und attraktiv bleiben.


Hans V ögtlin

08.02.2010, 10:53 Uhr

Als ein Bevorzugter, der vor 60 Jahren an der Universität (4000 Studenten!) studieren durfte, muss ich angesichts der geschilderten heutigen Verhältnisse mit ihrem babylonischen Gewirr voller Bedauern den Kopf schütteln. Offenbar hat der Amerikanismus der Wirtschaft in den Hochschulen die Dominanz übernommen. Ellbogen- taktik- und Strategie. O tempora o mores!


Jan Berner

08.02.2010, 10:50 Uhr

Das Problem ist, dass es keine unabhängige Beschwerdestelle für Doktoranden gibt, welche diesen Namen verdient. Die Schulleitung wird sich immer hinter die Professoren stellen, denn diese sorgen ja für das Renommé. Ein Doktorand der mit der Situation nicht zurechtkommt wird dann einfach als unfähig hingestellt.


Beat Müller

08.02.2010, 10:47 Uhr

Ich war in derselben Situation. Hab mich gegen Diss entschieden, an der ETH hätte ich nur 1/2 Stelle bekommen, aber Arbeit für mehr als rund 20 Stunden die Woche. In der Privatwirtschaft hab ich 1 Jahr später das 4-fache verdient. Ich hätte die DIss nur gemacht, wenn ich statt Assistenten-Job ein halbes Pensum an einer Mittelschule hätte unterrichten dürfen (Jobs gab es in meinem Fach da genug).


Marcel Dupasqier

08.02.2010, 10:45 Uhr

Ja, die Situation in den USA ist noch schlechter. Mit der Folge, dass die Amerikaner selber keinen PhD mehr machen, die meistens hören nach dem BSc auf. Folglich sind die meisten Doktoranten in den USA Ausländer. Die USA mit ihrem guten Ruf in der Forschung können sich das erlauben. Die Frage ist nun, ob wir das hier auch so wollen. Dann werden wir bald auch keine Schweizer Doktoranten mehr haben.


Rolf Erne

08.02.2010, 10:40 Uhr

Irgendwie bin ich froh, meine Zeit nicht an einer Uni verschwendet zu haben. Ich habe schlichtweg keine Zeit für Spielchen (sorry) .- das Leben ist zu kurz. Und sollten sich die Ergebnisse meiner Forschungen in verwertbaren Produkten sublimieren (was sie tun werden), so ist der Nutzen für die Gemeinschaft omnivalent, evident und niemand wird nach dem Weg fragen.


Mathias Berger

08.02.2010, 10:37 Uhr

Tatsache ist, dass die Schweizer Hochschulen die Nachwuchsförderung stark vernachlässigt haben. Hinzu kamen dann immer wieder neues, das auch noch sein musste wie z.B. die Umsetzung von Bologna. Dass dabei etwas vom wichtigsten vernachlässigt wurde, die Nachwuchsförderung, ist Realität, die dringend zu korrigieren ist. Dazu müssen v.a. auch die Strukturen und die Governance verbessert werden.


Rolf Bleiker

08.02.2010, 10:30 Uhr

Ich habe in den 80ern studiert. Es war schon damals genau so wie hier beschrieben. Unter guten Bedingungen (menschlich und finanziell) hätte ich sehr gerne wissenschaftlich weiter gemacht. Ich hatte aber die Uni und schon das Gymi als Elfenbeinturm erlebt. Und wollte nach all den Jahren der erzwungen verlängerten Adoleszenz als Student endlich als Erwachsener leben können.


Jakob Meier

08.02.2010, 10:26 Uhr

@Anita Beeler: Ein Banker nur mit KV serviert auch den Kaffee. Was haben sie für Vorstellungen betreffend Weiterbildung im Bankfach !


Margot Blaser

08.02.2010, 10:15 Uhr

Das Problem ist weniger der Lohn, sondern das Abhängigkeitsverhältnis. Der Doktorant ist auf Gedeih und Verderb seinem Betreuer ausgeliefert. Der Doktorant sollte am Ende seinder Diss die Möglichkeit haben eine Review über das Betreungsverhältnis zu schreiben. Sollte ein Betreuer mehrmals schlecht bewertet werden , sollten Sanktionen von der Universitätsleitung folgen.


Andreas Rüfenacht

08.02.2010, 10:07 Uhr

die arbeitsbedingungen in der CH sind für den mittelbau nicht so mies. die probleme betreffen v.a. die durch bologna noch verstärkte bürokratische arbeit und unsägliche evaluationen. unattraktiv macht die akademische karriere das grosse risiko: schafft man mit 35-40 jahren den sprung in die professur nicht, ists dank jugendwahn zu spät für anderes. tieflohn fördert diese unattrraktivität gar nicht


Friedrich Williams

08.02.2010, 10:04 Uhr

Als Doktorand in der Biologie spricht mir dieser Artikel aus dem Herzen! Im Vergleich zu Doktoranden in der Physik, Informatik oder Ingenieurwissenschaften (ich habe meinen Master in einem dieser Gebiete), wird man in der Biologie tatsaechlich als Handlanger des Professors behandelt (Laboranten verdienen ja beinahe das doppelte), auf parallel laufende Projekte angesetzt und nicht selten gemobbt.


Urs Zuber

08.02.2010, 09:56 Uhr

@steve walker: sie verwechseln die Arbeitsbedingungen der Feudalherren mit denen der Knechte.


steve walker

08.02.2010, 09:19 Uhr

Vor zwei Tagen konnten wir lesen, dass der Deutsche Wirtschaftsminister besorgt darüber ist, dass die besten Deutschen Akademiker an die Schweizer Hochschulen ziehen, da dort die Arbeitsbedingungen so viel besser sind als in Deutschland. Deutschland müsse seine Bedingungen verbessern, um mit der Schweiz mithalten zu können. Was stimmt nun?


majo naef

08.02.2010, 09:14 Uhr

Leider ist Intelligenz nicht ein Bestandteil des Charakters. Liegt wohl eher an der Kinderstube dieser Vorgesetzten.


Felix Bachmann

08.02.2010, 09:13 Uhr

marie berner: stimmt nicht!!


Alexander Meyer

08.02.2010, 09:05 Uhr

Aus eigener Erfahrung: Finanziell ist man als Doktorand an der UNI/ETH insbesondere im Vergleich zum angelsächsischen Ausland sehr gut gestellt. Was hingegen stimmt, ist die "Leibeigenschaft" gegenüber dem Betreuer. Dies wiegt um so schwerer, als dass das Auswahlverfahren immer mehr sich auf die Kriterien Anzahl Papers, guter Selbstvermarkter, etc. reduziert. Sozialkompetenz ist nicht messbar.


Anita Beeler

08.02.2010, 08:55 Uhr

Grundsätzlich sind die Löhne für ausgebildete (mit Doktror!) Akademiker in den Naturwissenschaften Weltweit viel zu tief. Vor allem wenn man bedenkt dass ein Banker mit seinem KV ein besseres Einkommen hat. Allerdings muss auch gesagt werden dass die Bedignungen für Doktoranden in der Schweiz besser sind als im Ausland wo man als Doktorierender of gar kein Gehalt bekommt.


Raphael Petit

08.02.2010, 08:45 Uhr

Die Lehre an unseren Uni wird sträflich vernachlässig. Im Gegensatz zu den Fachhochschulen und Naturwissenschaften sind besonders Geistes- und Sozialwissenschaften arm dran, wo auf einen Lehrstuhl mehrere 100 Studis kommen. Der Prof ist überlastet und delegiert wo er kann an seine Doktorsklaven. Zu wenig Geld, zu viele Studis und mangelhafte Strukturen, die vollkommene Abhängigkeit bedeuten.


Hennes Gutscher

08.02.2010, 08:37 Uhr

Wir brauchen dieses Feudalsystem, damit wir die besten Professoren nach Zürich locken können.


Helmut Katzgraber

08.02.2010, 08:26 Uhr

Als Assistenzprof. der ETH und der Texas A&M University kann ich nur sagen dass die Bedingungen in der Schweiz fuer den Mittelbau die besten sind, welche ich je an einer Uni gesehen habe. Waehrend meines Doktorates an der University of California war mein Monatsgehalt USD 990 – und Kalifornien ist nicht gerade guenstig. Das Erwachen kommt ueblicherweise nach dem ersten Auslandsaufenthalt...


Beat Keller

08.02.2010, 08:24 Uhr

Ich bin seit mehr als 30 Jahren in diesem Bereich tätig. Mit wenigen Ausnahmen habe ich solches nie erlebt. Es ist an der ETH z.B. üblich, dass neben dem Referenten auch Co-Referenten die Diss begutachten. auch an der Uni gibt es eine Dozentenkonferenz, die über die Annahme der Diss entscheidet. Dass jemand unfreiwillig Kaffee kochen musste habe ich noch nie gesehen. Möglicherweise war ich blind?


Susanna Kim

08.02.2010, 08:22 Uhr

Ich habe in den USA doktoriert, und muss sagen, dass die hiesigen Verhältnisse dagegen fast paradiesisch sind. In den USA: 14-Stunden-Tage, 7 Tage pro Woche, jeder Doktorand unterrichtet 5x pro Woche (die meisten meiner Kollegen hier in der Schweiz unterrichten nur ein Semester pro Jahr und nur einmal pro Woche), Sonstige Arbeitsbelastung durch Seminare. Lohn: ca. 1000$/Monat.


Emil Roduner

08.02.2010, 08:22 Uhr

Ein Doktorand wird vom Staat dafür bezahlt, dass er Aufgaben im Lehrbetrieb wahrnimmt, eben Übungen abhält, Klausuren korrigiert, Praktika beaufsichtigt. Dies geschieht oft mit einer halben Stelle, was bedeutet, dass 50% der Arbeitszeit für die Lehre einzusetzen ist. Die andere Hälfte kann für die Doktorabeit eingesetzt werden, die ja nicht dem Betreuer sondern der eigenen Qualifizierung dient.


Erich Riederer

08.02.2010, 08:03 Uhr

Eine akademische Karriere an einer unserer Universitäten zu machen, ist extrem unatraktiv, was ich selber er-lebt habe. Was fast völlig fehlt ist die finanzielle Unterstützung. Wohl kann man eine solche beantragen, und wenn man sie dann nach diversen Rückfragen und Nachprüfungen endlich erhält, ist es doch nur ein Almosen, mit dem man ein Forscherleben in Armut verbringen muss. Dr.med. E. Riederer


Vinzenz Hediger

08.02.2010, 07:59 Uhr

Im deutschen Universitätssystem besitzen 17% des wissenschaftlichen Personals einen Professorentitel, der (weitgehende) Autonomie in Lehre und Forschung garantiert. An amerikanischen Universitäten sind es 80%, weil der Schritt in die wissenschaftliche Selbständigkeit schon Ende zwanzig, anfang dreißig mit dem Doktortitel erfolgt und nicht erst zehn Jahre später auf der Lebensstelle Professur.


Fred Büchi

08.02.2010, 07:40 Uhr

War ein gutes Beispiel auch dafür, dass es für die Presse im Hochschulbereich noch vieles mehr zu erhellen gäbe. Zum Beispiel: Wie viel Forschungsfreiheit hat ein Medizin-Lehrstuhlinhaber, der als verlängerter Arm der Pharma-Industrie tätig zu sein hat. Hat er das?


marie berner

08.02.2010, 07:37 Uhr

Professoren an der ETH/Uni wie auch and den FH's sind auf Lebzeiten gewählt. Mir sind Fälle bekannt, wo in der Privatwirtschaft schon längst gekündigt worden wäre, dies aber bei Professoren nicht möglich ist.





Meistgelesen in der Rubrik Schweiz

Emil Frey AG Autocenter Bern

Umfrage

Werden Sie bei Lidl einkaufen?

Ja, auf jeden Fall

Ich werde zumindest einmal reinschauen

Nein, sicher nicht


Schandflecken oder Denkmäler?




© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten