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«Wir haben investiert, was nötig war»

Von Reinhold Hönle. Aktualisiert am 20.12.2010

Die Schweizer Unternehmerin Dona Bertarelli lässt das Grand Hotel Park 100 Jahre nach dessen Bau neu erstrahlen. Die Renovation des ersten Luxushotels von Gstaad dauerte neun Monate. Ein Exklusivinterview mit der passionierten Hotelbesitzerin und Seglerin.

Dona Bertarelli fühlt sich in der Suite «My Gstaad Chalet» wohl.

Dona Bertarelli fühlt sich in der Suite «My Gstaad Chalet» wohl.
Bild: Christian Lanz

Grand Hotel Park

Mit 700 geladenen Gästen aus der Region Gstaad und Illuminationskünstlern feierte das Grand Hotel Park am Samstag nicht nur die Eröffnung der Wintersaison, sondern vor allem den 100.Geburtstag des ältesten Gstaader Fünfsternehotels. Es ist auf diesen Anlass hin in neunmonatiger Arbeit renoviert worden.Hans und Rosalie Reuteler, die das Hotel 1910 erbauen liessen, da sie ahnten, dass Gstaad dank der Montreux–Berner-Oberland-Bahn zu einem Touristenmagneten werden würde, hätten bestimmt Freude, wenn sie wüssten, dass im Garten ein Eisfeld zum Schlittschuhlaufen präpariert worden ist. Besitzerin Dona Bertarelli und ihr Team signalisieren jedoch nicht nur mit diesem Zitat aus den Anfängen des Betriebs Traditionsbewusstsein. Es ist auch daran abzulesen, wie die Renovation durchgeführt wurde. Grand Restaurant (mediterrane Küche), Marco Polo (Fusion aus italienischer und asiatischer Küche), Chalet Waldhuus (Fondues), Zigarrenlounge und Bar wurden nur aufgefrischt, blieben in ihrer Einrichtung aber nahezu unverändert. «Wir haben viele Stammgäste, die es uns nicht verzeihen würden, wenn sie ihre vertrauten und gemütlichen Treffpunkte nicht mehr finden würden», erklärt der aus dem Saanenland stammende geschäftsführende Direktor Jean-Ives Blatt. Die 84 Zimmer und 10 Suiten, die zwar neu gestaltet wurden, aber trotz modernen Zügen zum Chaletstil des Hauses passen, bieten nun wieder alles, was der anspruchsvolle Gast begehrt: eine hochwertige Möblierung und die modernste multimediale Ausstattung von Bang&Olufsen, aber so dezent, dass sich die Menschen wie zu Hause und nicht wie in einem Design-Showroom fühlen. Audrey Hepburn, Peter Ustinov oder David Niven, die hier regelmässig Gast waren, würden dem Grand Hotel Park bestimmt noch heute die Treue halten. Sie hätten sich auch die Preise ab 820 Franken für ein Doppelzimmer in der Wintersaison leisten können.

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Dona Bertarelli

Die Wahl-Gstaaderin Dona Bertarelli Spaeth ist die jüngere Schwester des zweifachen America’s-Cup-Gewinners Ernesto Bertarelli (45). Das Familienvermögen, das auf 10 Milliarden Franken geschätzt wird, stammt hauptsächlich aus dem Verkauf der von ihrem italienischen Grossvater Pietro Bertarelli gegründeten Biotechfirma Serono an den Merck-Konzern 2007. Gemeinsam mit ihrem Bruder führt die dreifache Mutter die Unternehmungen, in denen die Familie investiert ist: die Firma Ares Life Sciences, die auf Investments im Gesundheitssektor spezialisiert ist, den Finanzdienstleister Kedge Capital und die philanthropische Bertarelli Fondation. Dona Bertarelli erwarb das Grand Hotel Park 2003. Sie ist eine passionierte Skifahrerin und erfolgreiche Seglerin.

Frau Bertarelli, Sie haben das Gstaader Grand Hotel Park in den letzten neun Monaten sehr geschmackvoll und hochwertig renovieren lassen. Was war Ihre Triebfeder?
Dona Bertarelli:Vielen Dank. Wir sind glücklich mit dem Resultat, und unseren ersten Gästen gefällt es auch. Ich hatte den Plan schon länger mit mir herumgetragen, doch fand ich erst jetzt zum 100-Jahr-Jubiläum die Zeit und einen idealen Anlass, um dem Hotel ein neues Kleid zu verpassen.

Entspricht das Resultat Ihren ursprünglichen Vorstellungen, oder haben sich diese im Laufe der Jahre verändert?
Nein, es gibt keine Überraschungen in Stil und Technik, da ich mit Architekt Herbert Gnägi und Dekorateurin Federica Palacios schon seit über zehn Jahren zusammenarbeite. Unser erstes Projekt war mein eigenes Chalet in Gstaad. Das Grand Hotel Park und besonders diese grösste Suite, die wir deshalb My Gstaad Chalet getauft haben, sieht sehr ähnlich aus – es ist eigentlich eine erweiterte Form meines Chalets.

Es ist Ihnen gelungen, den alpinen Stil mit modernen Elementen zu verschmelzen, ohne dass die Wärme verloren ging.
Ich habe den festen Glauben, dass Revolution immer schlecht und Evolution immer gut ist. Wir haben die historische Substanz des Hotels aufgefrischt und mit den heutigen technologischen Bedürfnissen ausgerüstet. Es ist kein neuer Start, sondern eine Fortsetzung von dem, was das Hotel schon war und für die nächsten 100 Jahre sein wird. Wenn es um Design geht, mag ich die Worte «modern» und «zeitgenössisch» nicht, da sie oft etwas Skizzenhaftes, Lineares, Leeres und irgendwie Kaltes implizieren.

Worauf legten Sie persönlich besonders Wert?
Es ist mir wichtig, dass die Leute spüren, dass sie in den Bergen und nicht in Paris, New York oder Tokio sind. Ich mag keine plakativen oder aggressiven Stilmittel. Ich bevorzuge natürliche Materialien und Oberflächen. Wir haben viel einheimisches Nadelholz sowie Leder und Flanell verwendet.

Woher stammen die dekorativen Holzobjekte im allgemeinen Hotelbereich?
Ich weiss, dass Federica einige davon in Argentinien gefunden hat. Immer, wenn sie irgendwo auf der Welt ein tolles Stück entdeckt hatte, schickte sie mir eine MMS und fragte mich, ob es mir auch gefällt.

Welche Beziehung hatten Sie zur Hotellerie, ehe Sie das Grand Hotel Park erworben haben?
Als Kind habe ich es geliebt, meinen Onkel und meine Tante zu besuchen und ihr Hotel, das sie in Italien besassen, als Spielplatz zu benutzen. Ich erinnere mich gut, wie ich in die Küche rannte, um dort mit dem «Rückgrat» des Hotels zu Mittag zu essen. Später, als mein Vater gestorben ist, habe ich drei Hotels in Amerika geerbt. Dieser Einstieg in die Hotelindustrie war jedoch eher zufällig. Als das Grand Hotel Park 2003 zum Verkauf stand, habe ich es erworben, weil ich Gstaad liebe und dieses Haus wieder zu dem machen wollte, was es einst war: eines der besten und luxuriösesten Hotels der Region.

Wo lag die Herausforderung?
Das Hotel lief schlecht, und die Angestellten waren nicht mehr motiviert. Es drohte sogar seinen fünften Stern zu verlieren. Den ersten Schritt, um das Hotel wieder in Form zu bringen, haben wir vor vier Jahren mit der umfassenden Renovierung des Spa gemacht. Nachdem dies bei unserer internationalen Kundschaft sehr gut angekommen war, beschlossen wir, den neuen Look zum 100-jährigen Geburtstag aufs gesamte Gebäude auszudehnen.

Welchen Eindruck haben Sie gewonnen, als Sie die Chancen und Schwierigkeiten der Schweizer Hotellerie evaluiert haben?
Ich habe keine gründliche Überprüfung durchführen lassen. Sonst hätte ich das Hotel vielleicht nie gekauft! (Lacht.) Es reichte mir, dass ich wusste, dass es ein enormer Arbeitsaufwand ist, ein Saisonhotel zu haben, das man zweimal pro Jahr eröffnen und wieder schliessen muss. Wenn man sein gutes Personal halten will, muss man es für 12 Monate bezahlen. Ausserdem ist man auf einer Meereshöhe von nur 900 Metern gegenüber Wintersportorten wie Zermatt oder St.Moritz klar benachteiligt.

Warum haben Sie die Herausforderung trotzdem angenommen?
Da ich in Gstaad wohne, wusste ich, dass der Ort mehr zu bieten hat als nur schöne Natur, Schnee und gutes Wetter – er hat auch Tradition. Es gibt Familien, die seit Generationen hierherkommen. Es ist wie ein grosser Club. Das hat uns auch zu unserem neuen Hotelslogan «Do you Gstaad?» inspiriert.

Wie ist der Konkurrenzkampf mit den anderen Fünfsternehotels Palace und Bellevue?
Wir kennen uns von gemeinsamen Reisen nach Russland und in andere Länder, wo wir oft am gleichen Stand für die Region oder unser Land werben. Wir können uns an einen Tisch setzen, wenn es Probleme gibt, kommen uns normalerweise aber nicht ins Gehege, da jeder seine eigene Klientel hat.

Wie viel Geld haben Sie in diese Renovation gesteckt?
Wir haben investiert, was nötig war, um weiter zu den Leading Small Hotels Of The World zu gehören. Ein Gast sagte mir, er fände es seltsam: Das Hotel habe sich verändert, aber es fühle sich an, als ob es schon immer so gewesen wäre. Ein schöneres Kompliment konnte er uns gar nicht machen!

Bis zu Ihrer Babypause 1998 gehörten Sie der Geschäftsleitung des Biotechunternehmens Serono S.A. an. In welchen Unternehmen sind Sie heute tätig?
Ich sitze im Verwaltungsrat aller familieneigenen Firmen und arbeite zusammen mit meinem Bruder an vielen Projekten, in die wir investiert haben.

Sie stehen auf der «Bilanz»-Liste der reichsten Familien der Schweiz auf dem vierten Platz.
Ich lasse mein Leben nicht von Umstand beeinflussen, dass ich auf dieser Liste stehe. Sie hat nicht viel zu bedeuten. Viel wichtiger ist, was man mit seiner Zeit und seinem Geld macht. Personen, die viel Geld besitzen, werden oft für distanziert und unausstehlich gehalten. Wir mögen den Kontakt jedoch, suchen ihn sogar.

Wie zum Beispiel?
Mir hat der Tag im vergangenen Oktober, als wir die Sennen des Berner Oberlands eingeladen haben, im Garten des Grand Hotel Park eine Viehschau abzuhalten, noch mehr Freude bereitet als jede glamouröse Party!

Hat diese Haltung auch mit dem Sportsgeist in Ihrer Familie zu tun?
Das ist möglich. Schon unser Vater war sehr sportlich und hat uns auf die harte Tour gelehrt, dass man selbst gewinnen muss, um sich den Respekt der anderen zu verdienen. Er hat uns nichts geschenkt.

Sie segeln leidenschaftlich wie Ernesto. Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrem Team Ladycat 2011?
Wir werden mit unserem Katamaran die D-35-Challenge segeln und versuchen wie im letzten Jahr den Bol d’Or zu gewinnen. Es wird bestimmt sehr schwierig, aber ich habe ein grossartiges Team. Sie sind alle Profis, aber wir haben auch eine Menge Spass.

Besteht Ihre Besatzung ausschliesslich aus Frauen?
Nein, ich war gezwungen, auch Männer an Bord zu nehmen, da einige meiner Frauen nicht mehr genügend Zeit haben, weil ihr Trainingspensum ständig steigt. Sie wollen sich für die Olympischen Spiele 2012 in London qualifizieren. Auf unserem Kompetenzniveau ist es extrem schwierig, weiblichen Ersatz zu finden.

Gibt es einen speziellen «weiblichen Geist» beim Segeln?
Er ist viel schwieriger als bei den Männern, sehr anspruchsvoll, sehr kompetitiv, sehr fordernd! Die Tatkraft beruht auf dem Wahlspruch «Gib niemals auf!». Die Frauen, die in unserem Sport auf diese professionelle Ebene gelangen, sind nur die Allerbesten. Und sie müssen enorm zäh sein.

Welchen Teil des Spa im Grand Hotel Park geniessen Sie nach einem harten Training am liebsten?
Ich schätze die Produkte von Aromatherapy Associates und unser kompetentes Personal sehr. Momentan freue ich mich aber am meisten auf die neue Körperbehandlung mit Schweizer Schokolade, die ich im ganzen Stress vor der Hoteleröffnung noch nicht ausprobieren konnte, obwohl sie extra «für Madame» kreiert wurde. Da die Leute wissen, dass ich keinen Tag ohne dunkle Schokolade sein kann. (Berner Oberländer)

Erstellt: 20.12.2010, 12:00 Uhr

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