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Schlossberg-Vertrag ist unter Dach und Fach

Von Michael Gurtner. Aktualisiert am 22.12.2010

Der Gemeinderat und der Investor Hans-Ulrich Müller haben sich in Sachen künftige Nutzung des Schlossbergs definitiv geeinigt und die Unterschriften unter den Vertrag gesetzt. Die unter anderem aus SP-Kreisen angekündigte Initiative wird vorerst nicht lanciert – ist aber noch nicht definitiv vom Tisch.

Gemeinderätin Jolanda Moser und Investor Hans-Ulrich Müller: Das Bild zeigt sie vor dem Schloss am 28. September, als das Projekt für die Schlossbergnutzung vorgestellt wurde. Jetzt ist der Vertrag unterschrieben.

Gemeinderätin Jolanda Moser und Investor Hans-Ulrich Müller: Das Bild zeigt sie vor dem Schloss am 28. September, als das Projekt für die Schlossbergnutzung vorgestellt wurde. Jetzt ist der Vertrag unterschrieben.
Bild: Archiv TT/Patric Spahni

Die Pläne

Im Parterre des Neuen Schlosses (ehemaliges Gericht) wird das heute im Donjon untergebrachte Schlossmuseum einen neuen Empfangsbereich mit Museumsshop, Toiletten, Ausstellungsräumen und Büro realisieren können. Zudem wird ein Restaurationsbetrieb mit Terrasse und Aussicht auf Stadt und Berge entstehen. Im ersten Stock sind Veranstaltungs- und Schulungsräume für KMUs und Büros vorgesehen.
Im ehemaligen Gefängnis ist ein Bed & Breakfast mit von Künstlern gestalteten, orginell eingerichteten Zellen-Zimmern geplant. Im ehemaligen Statthalterhaus werden Wohnungen eingerichtet, und das zwischen Stadtkirche und früherem Statthalteramt liegende Abzugshaus soll als Einfamilienhaus mit Garten gestaltet werden.

«Ich bin sehr froh – und erleichtert zu wissen, wie es jetzt in Sachen Schlossberg weitergeht!» Die Thuner Bauvorsteherin Jolanda Moser (FDP) freute sich gestern sichtlich, zum Abschluss ihrer Gemeinderats-Amtszeit eine positive Meldung in Petto zu haben. Und sie betonte: «Ich bin nach wie vor überzeugt, dass Hans-Ulrich Müller der richtige Partner für uns ist.» Müller ist bekannt als CS-Regionenleiter Mittelland, Unternehmer bei der ehemaligen Kartonfabrik Deisswil sowie als Eigentümer diverser historischer Bauten in Thun. Er ist einer von drei Nominierten für die TV-Wahl zum Schweizer des Jahres 2010 in der Kategorie Wirtschaft – und als Investor für die künftige Nutzung des Schlossbergs verantwortlich. Die Pläne für diese Nutzung werden am 1. Januar 2011 rechtskräftig: Der Thuner Gemeinderat hat den Baurechtsvertrag mit der Schlossberg Thun AG von Hans-Ulrich Müller und seiner Familie genehmigt und unterschrieben. Die Schlossberg Thun AG erwirbt – mit Ausnahme des Alten Schlosses, des Donjons – alle zum Schloss gehörenden Liegenschaften. Zudem übernimmt sie rund die Hälfte des Areals im Baurecht, nämlich die Grundflächen der Gebäude sowie den Gefängnishof und einige angrenzende Flächen. Damit werden der Schlossberg Thun AG das Neue Schloss, wo bis vor wenigen Monaten die Gerichtsbehörden logierten, das Regierungsstatthaltergebäude, das Alte Gefängnis und das Abzugshaus gehören. Der Baurechtsvertrag läuft bis Ende 2090.

Zusatzvertrag folgt 2011

«Seit der Stadtratssitzung vom 25. November hat am Vertrag nichts mehr geändert», sagte Jolanda Moser weiter. An jener Sitzung hatte das Parlament eine Motion von SP und Grünen in ein Postulat umgewandelt und gewünscht, dass die Stadt Thun in einem separaten Vertrag ein Aktien-Vor-Rückkaufsrecht erhalte, falls die Aktienmehrheit dereinst nicht im Besitz der Familie Müller bleiben sollte. «Eine solche Aktienübertragungsbeschränkung wird zurzeit noch notariell ausgearbeitet», teilte die Stadt gestern mit. Der Zusatzvertrag soll Anfang 2011 abgeschlossen werden.

Initiative noch nicht ad acta

Was passiert nun mit der Initiative, die im September – bevor Stadt und Investor über ihre Pläne informiert hatten – angekündigt worden war, und die den Erhalt und die Aufwertung des Schlosses als Begegnungsort für Einheimische und Gäste zum Ziel hatte? Hans Kelterborn, Stiftungsratspräsident des Thuner Schlossmuseums, stellt klar: «Das Initiativkomitee besteht aus Leuten – auch parteilosen –, die am Schloss interessiert sind, vor allem vom Förderverein Schlossmuseum.» Die Initiative sei als Möglichkeit angekündigt, bisher aber nicht zur Vorprüfung eingereicht worden. «Sie wird jetzt sicher nicht lanciert», sagte der ehemalige SP-Gemeinderat. Ganz vom Tisch sei sie jedoch ebenfalls nicht. Doch jetzt konzentriere man sich zuerst einmal auf die weiteren Verhandlungen.

Workshop-Verfahren startet

«Als nächstes wird nun die Gruppe für das Workshopverfahren zusammengestellt», blickte Bauvorsteherin Jolanda Moser in die nahe Zukunft. Mit dabei sind etwa die Denkmalpflege und die Stiftung Schlossmuseum. Das Verfahren soll etwa über die Raumaufteilungen in den Ge-bäuden Klarheit geben und das weitere Vorgehen aufzeigen. Danach können die nötigen Baugesuche eingereicht werden. Zur Frage, wann dies der Fall sein wird, wollte sich Jolanda Moser nicht auf die Äste hinauslassen: «Das hängt davon ab, wie das Workshop-Verfahren verläuft.» Dieses soll aber im neuen Jahr rasch in Angriff genommen werden – «das ist der Wille aller Beteiligten!» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 22.12.2010, 07:22 Uhr

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