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Gesucht: Neuer Ort für «Pray4Snow»

Von Marc Imboden. Aktualisiert am 20.01.2010 30 Kommentare

Der Gemeinderat von Thun hat eine Aufsehen erregende Entscheidung getroffen: Er verweigert dem Wintersportanlass Pray4 Snow die Bewilligung für die zehnte Austragung auf dem Mühleplatz. Das Fest soll anderswo stattfinden.

Zu gross für die Innenstadt: Das «Pray for Snow» auf dem Mühleplatz.

Tinu Müller

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«Pray for Snow»

Hauptattraktion des Anlasses waren gemäss der Internetseite der Veranstalter Snowboard-Demonstrationen auf herbeigeschafftem Schnee auf dem Mühleplatz mitten in der Thuner Altstadt. Dazu gehörten Partys. Der Anlass, der zum fünften Mal durchgeführt wurde, dauerte drei Tage lang. 15'000 Menschen besuchten ihn laut den Veranstaltern. sda

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Neun Mal hat das Organisationskomitee um den Thuner Mike Wiedmer in der Innenstadt eine Rampe aufgebaut, auf der Snowboard- und Skifahrer ihr Können zeigen konnten. Der Anlass wurde von Jahr zu Jahr grösser: Immer mehr Fahrer und immer mehr Zuschauer bevölkerten während des mehrtägigen Spektakels die Innenstadt. Doch mit der neunten Austragung im letzten November auf dem Mühleplatz war in den Augen von Gemeinderat Peter Siegenthaler und vieler Anwohner die Grenze des Erträglichen überschritten: Es gab massive Alkoholexzesse, Lärm und Sachbeschädigungen. Hinzu kamen jene Partygänger, die ihre Notdurft irgendwo verrichten, bloss nicht auf einem Klo, und die Strassen zudem mit Erbrochenem versauten.

«Nicht mehr verträglich»

Nun hat der Thuner Gemeinderat die Konsequenzen aus den Vorfällen gezogen. Wie die Stadtverwaltung gestern mitteilte, erhält Pray4Snow heuer erstmals keine Bewilligung, um auf dem Mühleplatz durchgeführt werden zu können. Der Anlass haben «nach der Beurteilung der Stadtregierung eine Grösse erreicht, die nicht mehr innenstadtverträglich ist», heisst es in der Medienmitteilung.

In Thun gibt es jedoch auch andere Anlässe, an denen einige Besucher immer wieder negativ auf sich aufmerksam machen. Dass etwa am wesentlich grösseren Thunfest Männer an jede Hausecke urinieren und riesige Abfallberge zurückbleiben, ist bekannt. Statuiert der Gemeinderat nun am vergleichsweise kleinen Pray4Snow ein Exempel? Oder anders gefragt: Warum ist ein Thunfest (100'000 Besucher) innenstadtverträglicher als ein Pray4Snow (15'000 Besucher)? «Ich kann nicht abstreiten, dass das Pray4Snow tatsächlich ein Bauernofper ist», räumt Gemeinderat Peter Siegenthaler (SP), zuständig für die Direktion Sicherheit, ein. «Auch Thunfest, Ausschiesset und Fasnacht sind eigentlich nicht innenstadtverträglich. Doch diese sind historisch bedingt eng mit der Innenstadt verknüpft.»

Schales Gefühl

Dass die Absage mit der Altersgruppe der 16- bis 20-Jährigen ausgerechnet jene treffe, die es in Thun punkto Ausgangsmöglichkeiten ohnehin am schwersten hätten, hinterlasse auch beim Gemeinderat ein schales Gefühl, sagte Siegenthaler weiter. Die Absage für den Mühleplatz bedeute aber nicht das endgültige Aus für Pray4Snow: «Zusammen mit Gewerbeinspektor Reto Keller werde ich dem Organisator Mike Wiedmer und seinem Team helfen, einen anderen Durchführungsort zu finden.» Wiedmer habe als Organisator ausgezeichnete Arbeit geleistet, betonte Siegenthaler. Aber der Anlass sei ihm punkto Grösse und Verhalten eines Teils der Besucher entglitten.

Mit ÖV erreichbar

Was einen anderen Austragungsort betrifft, mochte sich Siegenthaler noch nicht in die Karten blicken lassen. «Zuerst möchte ich mit den Betreibern der jeweiligen Institution sprechen. Aber wichtig ist, dass der Ort mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar ist, weil die Pray4Snow-Besucher meistens noch nicht motorisiert sind.» Ein anderes Kriterium ist, dass in der Umgebung möglichst wenig Leute wohnen.

Organisator enttäuscht

Pray4Snow-Organisator Mike Wiedmer wurde gestern Vormittag von Gemeinderat Peter Siegenthaler und Gewerbeinspektor Reto Keller über die Absage informiert. «Ich bin perplex und enttäuscht», sagte Wieder kurz darauf gegenüber dieser Zeitung. «Schliesslich haben wir alle Auflagen bezüglich Lautstärke, Zeitrahmen und Reinigung des Festgeländes erfüllt. Hinzu kommt, dass Littering und Vandalismus ein Ganzjahresproblem und nicht auf Veranstaltungen konzentriert sind.» Dass Siegenthaler und Keller ihm bei der Suche nach einem Alternativstandort helfen werden, erachtet Wiedmer einerseits als ein ehrliches Angebot, andererseits aber auch als Feigenblatt, um die nicht erteilte Bewilligung zu kaschieren. Spontan kam Wiedmer gestern kein anderer Ort in den Sinn, an dem Pray4Snow in diesem Herbst durchgeführt werden könnte. «Ein dezentraler Austragungsort macht es uns ohnehin schwierig, Sponsoren für den Anlass zu finden.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 20.01.2010, 10:24 Uhr

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30 Kommentare

andre jost

20.01.2010, 12:13 Uhr
Melden

mutlos und hinterwäldlerisch ist dieser gemeinderatsentscheid. junge leute sollten diese schlechten witz unbedingt bei den nächsten wahlen quittieren. die involvierten gemeinderäte haben sich kein bisschen dafür engagiert, dass die vermeindlichen probleme gelöst werden können, sondern erteilen einfach keine bewilligung mehr. macht bottelones, diese sind nicht bewilligungspflichtig Antworten


Markus Weber

19.01.2010, 11:18 Uhr
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Richtiger Entscheid! Zum Lärm und dem Dreck kommt noch, dass das Ganze ein ökologischer Blödsinn ist. Solche Veranstaltungen gehören nicht in Städte, wo für zwei Tage Fun und Krach, Schnee künstlich produziert werden muss. Antworten



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