Mit dem Solarboot einmal um die Welt
Christian Ochsenbein ist an Bord für die Elektrotechnik
verantwortlich. (Bild: Stefan Kammermann)
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Das Boot: Die MS Tûranor Planet Solar ist ein 31 Meter langer und 15 Meter breiter Katamaran und mit einer Fläche von 537 Quadratmetern fotovoltaischen Solarmodulen bestückt. Das 95 Tonnen schwere Boot wurde in der Knierim-Werft in Kiel gebaut. Es erreicht eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 7,5 Knoten, dies entspricht rund 14 Stundenkilometern.
Der Initiant: Initiant des Projekts ist der Neuenburger Raphael Domjan. Der 37-jährige Bergsteiger und Ambulanzfahrer startete das Projekt 2004 und amtet auf der Welttour als Skipper. Das Unternehmen Planet Solar hat seinen Sitz in Yverdon im Kanton Waadt und ist mit internationalen Wissenschaftlern, Ingenieuren und Bootsbauern besetzt.
Die Crew: Kapitän der MS Tûranor Planet Solar ist der Franzose Patrick Marchesseau. Zur Crew gehören weiter Initiant Raphael Domjan und Bordingenieur Christian Ochsenbein. Mit dabei sind Bootsmann Jens Langwasser und Elektriker Daniel Stahl aus Deutschland sowie Skipperin Mikaela von Koskull aus Finnland.
Der Eigner: Bauherr und Eigner des Solarkatamarans ist der deutsche Unternehmer Immo Ströher mit seinem Energiemanagement-Unternehmen Immosolar GmbH in Langen. Die Baukosten für das Solarboot werden mit rund 12,5 Millionen Euro angegeben. Zu den Partnern gehört auch das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Es unterstützt das Projekt mit
300'000 Franken.
Die Route: Die Crew wird während der Weltumrundung mit dem Solarboot mit Start und Ziel in Monaco sieben Ozeane durchqueren. Zwischenstopps sind in Miami, Cancún, San Francisco, Sydney, Singapur und Abu Dhabi geplant.
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Einen Fender nach dem andern zieht Christian Ochsenbein an Bord. Diese dicken Polster aus Gummi schützen das weltgrösste Solarboot Tûranor Planet Solar beim Anlegen vor Hafenmauern. Vorerst werden die schweren Dinger allerdings nicht mehr benötigt. Die nächste Hafenmauer bekommen der Berner Oberländer Bordingenieur und die Besatzung des Schweizer Solarboots vermutlich erst nach dem Überqueren des Atlantiks in Miami zu Gesicht. Der 95 Tonnen schwere Katamaran ist seit fünf Tagen unterwegs. Gestartet im Hafen von Monaco zur ersten Weltumrundung mit blosser Sonnenkraft.
50'000 km in 8 Monaten
An Bord mitverantwortlich für die Effizienz der Sonnenenergie ist der 26-jährige Elektroingenieur Christian Ochsenbein aus Thierachern. «Es gilt, tagsüber möglichst viel Sonnenenergie zu speichern, damit auch nachts gefahren werden kann», bringt Christian Ochsenbein seine Aufgabe in einer komplexen Materie auf den Punkt. Mindestens acht Monate wird das unter Schweizer Flagge fahrende Solarboot auf See verbringen und dabei rund 50'000 Kilometer zurücklegen. «Ziel dieser Reise ist es, zu beweisen, welches Potenzial in der Sonnenenergie steckt», sagt der Berner Oberländer. Was so viel heisst wie zum Beispiel in Absprache mit dem französischen Schiffskapitän Patrick Marchesseau und der sechsköpfigen Crew die optimale Route in Bezug auf die Sonneneinstrahlung festzulegen.
Ein Unterfangen, welches für die Effizienz der über Speicherbatterien betriebenen Schiffsmotoren nicht einfach ist. «Es gilt, Parameter wie Wind, Wellen, Strömung und die Sonnenenergie auf einen entsprechenden Nenner zu bringen», erläutert Christian Ochsenbein. Dies ist mit ein Grund, weshalb sich die Crew der Tûranor Planet Solar während der Reise um die Erde möglichst am Äquator orientiert.
Vom Thunersee aufs Meer
Die Affinität von Christian Ochsenbein zur Seefahrt ist nicht ganz zufällig. Und doch hat der Zufall mitgespielt. Nach der Lehre als Elektroniker in Seftigen mit Berufsmatur hat er vor drei Jahren die Fachhochschule zum Elektroingenieur in Burgdorf abgeschlossen und bei einer Berner Firma für elektronische Laser- und Antriebstechnik gearbeitet. Über ein Ingenieurbüro in Biel kam schliesslich der Kontakt zum Solarboot des Westschweizer Initianten Raphael Domjan zustande.
«Als ich angefragt wurde, hatte ich schon ein paar schlaflose Nächte», sagt Christian Ochsenbein. Dies, obwohl er die Schifffahrt von Kindsbeinen an kennt: «Ich war oft mit meinem Vater unterwegs.» Angesprochen ist Peter Ochsenbein und der Thuner- und Brienzersee. Als langjähriger Leiter der BLS-Schifffahrt war Peter Ochsenbein 1999 zum Beispiel mitverantwortlich für den Umzug des Motorschiffs «Jungfrau» vom Thuner- auf den Brienzersee über den Landweg.
Den Landweg wird Christian Ochsenbein demnächst nicht benutzen und dafür besorgt sein, dass die Energiespeicher an Bord des 31 Meter langen und über 15 Meter breiten Katamarans mit möglichst viel Sonnenenergie gespiesen werden. «Die Speicherbatterien werden die Schiffsmotoren voraussichtlich bis zu drei Tagen ohne neue Zufuhr von umgewandeltem Sonnenlicht antreiben», erklärt der Bordtechniker.
Die Risiken des Unterfangens schätzt der Berner Oberländer Bordingenieur als kalkulierbar ein. «Verantwortlich für die Sicherheit sind erfahrene Seeleute, die wissen, was auf See zu tun ist», sagt er. Und weiter: «Energie, die sich für die Fahrt umwandeln lässt, wird es immer geben, auch wenn es ein paar Tage regnet.»
Mit Verzicht verbunden
Damit diese Sonnenlichtenergie auch wirklich auf den Bootsantrieb übertragen werden kann, gibt es für die Crew gewisse Einschränkungen. Zum Beispiel in Sachen Komfort. «Kühlschrank, Gefriertruhe und andere elektronische Geräte zehren an der Effizienz des Bootes», sagt der Bordingenieur. Sie sind deshalb nur im Kleinformat oder gar nicht vorhanden. «Aber», so Christian Ochsenbein, «wir hoffen, ab und zu einen frischen Fisch an Bord zu ziehen.» (Thuner Tagblatt)
Erstellt: 01.10.2010, 10:27 Uhr
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