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Katz-und-Maus-Spiel spitzt sich zu

Von Roger Probst. Aktualisiert am 17.08.2012 23 Kommentare

Seit Jahren liefern sich Biker und Waldbesitzer in der Region Thun einen Kleinkrieg. Jetzt droht die Situation zu eskalieren.

Wilder Ritt auf dem Mountainbike während dem Homberg Race (Symbolbild).

Wilder Ritt auf dem Mountainbike während dem Homberg Race (Symbolbild).
Bild: Roger Stalder

Artikel zum Thema

Roger Probst, Redaktor Thuner Tagblatt

Kommentar: Kein Kleinkrieg im Wald

In einem sind sich Waldbesitzer, Biker und Behörden einig: So wie bisher kann es nicht mehr weitergehen. Sonst artet die Situation noch in einem Kleinkrieg aus.

Doch einen gangbaren Weg aus der verfahrenen Situation konnte bisher noch keine der betroffenen Parteien aufzeigen. Waldbesitzer und Behörden wurden zwar nicht müde, zu betonen, dass sie Hand für eine legale
Lösung bieten. Kosten dürfte die Sache aber nichts, obwohl ein Nutzen da wäre. So könnte man die Downhillbiker kanalisieren und damit die Unfallgefahr deutlich verringern. Zudem wäre die unbefriedigende Haftungsfrage geklärt. Der Betreiber der Strecke wäre in der Pflicht. Wieso spannen die betroffenen Burgergemeinden und Gemeinden nicht zusammen und beteiligen sich bei Bau und Betrieb einer Strecke? Andere Freizeitangebote werden ja auch unterstützt.

Hingegen haben die Biker bisher keinen Beweis erbracht, dass sie an einem Strang ziehen. Downhillbiker sind eine heterogene Gruppe. Viele wollen
bewusst ihr eigenes Süppchen kochen, weil sie den Kommerz wie der Teufel das Weihwasser scheuen. Ohne die Vereinigung unter einem Dach und die Zusicherung, sich an die Regeln zu halten und keine illegalen Pisten zu bauen, geht es nicht. Ob dies allerdings möglich ist, bleibt fraglich. Zudem braucht es endlich eine verbindliche Zusage von Geldern, die die Biker selber auftreiben.

Mail: r.probst@thunertagblatt.ch

Verein Bikepark Thunersee gibt nicht auf

Zwar ist Samuel Hunziker, Präsident des Vereins Bikepark Thunersee, enttäuscht von den Erfahrungen der letzten Monate, aufgeben ist aber kein Thema. «Es kann doch nicht sein, dass überall auf der Welt Strecken realisiert werden, aber in der Region Thun klappt es nicht.» Leider gehe es immer nur ums Geld. «Reicht es nicht, wenn wir die Piste gratis bauen, den Unterhalt für drei Jahre garantieren und obendrauf noch 10000 Franken als Sicherheit hinterlegen?», fragt Hunziker rhetorisch. Mehr könne der Verein nicht bieten. Eine zusätzliche Abgeltung für die Nutzung, welche die Berner Waldbesitzer fordern, sei unrealistisch.
Bei der aktuell verfahrenen Situation wundere er sich nicht, dass Biker plötzlich anfangen würden, selber Pisten zu bauen. «Sicher können wir den illegalen Bau nicht unterstützen, aber verstehen tun wir das nach unseren jetzigen Erfahrungen alleweil», sagt Hunziker.

Gesetzesrevision: Biker dürfen weiter im Wald fahren

An politischer Front haben die Biker vor kurzem einen Sieg errungen. Sie wehrten sich erfolgreich gegen das revidierte Waldgesetz. Darin war vorgesehen, das Biken und Reiten im Wald zu beschränken und nur noch auf befestigten Waldwegen zu erlauben. Das sei nicht mehr Biken, wehrte sich die Velolobby und startete schweizweit eine Onlinepetition. Über 30000 Personen unterschrieben. Vor knapp zwei Wochen präsentierte die Berner Regierung eine überarbeitete Version des Waldgesetzes. Von einem Verbot für Biken und Reiten im Wald ist keine Rede mehr. Dafür hat die Regierung eine Arbeitsgruppe eingesetzt: Touristiker, Biker und Waldbesitzer sind aufgefordert, bis nächstes Jahr gemeinsam Regelungen aufzustellen, die ein konfliktfreies Zusammenleben im Wald möglich machen.
Der Entwurf des revidierten Waldgesetzes kommt voraussichtlich im November in den Grossen Rat.

Korrektur-Hinweis

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Die Wälder nicht nur rund um Thun sind ein beliebtes Naherholungsgebiet. Auch für Mountainbiker. In den letzten Jahren ist in den Reihen der Sportler der Wunsch erwachsen, eine offizielle Downhillstrecke zu bauen und zu betreiben. Es gab Verhandlungen mit der Burgergemeinde Thun als Waldbesitzerin, die aber von Beginn weg abblockte. «Das Hauptproblem ist, dass der Wald in Stadtnähe bereits jetzt intensiv genutzt wird. Wenn noch Biker dazukämen, wären Konflikte vorprogrammiert», sagte Burgergemeindeverwalter Christoph Spichiger vor einem Jahr, als sich der Verein Bikepark Thunersee um eine Erlaubnis für eine Strecke bemühte. Etwas konkreter wurden die Verhandlungen zwischen dem Verein und der Burgergemeinde Hilterfingen. Schliesslich entschieden aber die Burger, die Gespräche abzubrechen. «Vieles blieb an der Oberfläche, uns fehlten die konkreten Fakten», sagte Burgergemeindepräsident Konrad Berger nach dem Versammlungsentscheid. So sei nie ein genauer Streckenplan präsentiert worden, auch vermisste er einen Nachweis für die Gelder, die von Seiten des Vereins hätten bereitgestellt werden müssen. «Die Idee ist sympathisch, aber die Idee alleine reicht einfach nicht», sagt Berger. Nach wie vor an einer legalen Lösung interessiert zeigt sich hingegen der Gemeinderat von Hilterfingen. Dies bekräftigte er an seiner jüngsten Sitzung Anfang dieser Woche.

Geldfrage ungeklärt – Verhandlungen abgebrochen

Grund für das Scheitern der Verhandlungen war schliesslich die ungeklärte Geldfrage. Der Verein hätte die Finanzierung des Baus und Unterhalts einer Downhillstrecke für drei Jahre übernommen – rund 250'000 Franken. «Es gab keine Sicherheiten, dass das Geld hätte aufgetrieben werden können», sagt Burgergemeindepräsident Berger. «Es macht keinen Sinn, mit Sponsoren Verträge in dieser Höhe für ein Projekt zu machen, das noch nicht bewilligt ist. Wir hätten sowieso erst mit dem Bau begonnen, wenn die Finanzierung steht», hielt Samuel Hunziker, Präsident des Vereins Bikepark Thunersee, entgegen.

«Die Burgergemeinde Hilterfingen hat eine grosse Chance vertan», doppelte Steve Klopfenstein, Vizepräsident des Vereins, damals nach. «Der Wildwuchs an illegalen Downhillstrecken wird unkontrollierbar.»

Drähte und Nagelbretter auf der Strecke

Mit seiner Prognose traf Klopfenstein ins Schwarze. In den letzten Monaten spitzte sich das Katz-und-Maus-Spiel in den Wäldern zu. Biker bauten immer wieder Waldwege mit Steilwandkurven und Schanzen aus, die Burgergemeinden ihrerseits liessen die Bauten abreissen oder die Strecken sperren.

In Heiligenschwendi, ein beliebter Ausgangspunkt für Downhillbiker, hat sich die Situation in den letzten Wochen und Monaten zusehends verschärft. Anfang Mai bemerkte Burgergemeindepräsident Johannes Zysset, dass Waldwege illegal ausgeholzt wurden. Zudem wurden Biker beobachtet, die mit ihren schweren Gefährten, die sich nicht zum bergauf fahren eignen, in Scharen nach Heiligenschwendi gebracht wurden. «Sie werden mit Lieferwagen hochgekarrt», sagt Zysset.

In einer ersten Phase habe man Schilder aufgestellt, um die Biker darauf hinzuweisen, dass sie sich auf Privateigentum befänden. Zudem habe man Kontakt mit dem Verein Bikepark Thunersee aufgenommen. Er rief auf der Website dazu auf, die Ausholzerei sein zu lassen, und suchte gar Freiwillige für Aufräumarbeiten. «Leider brachte dies nicht den gewünschten Erfolg», sagt Zysset. Die Schilder seien ausgerissen worden. Zudem sei die Ausholzerei fortgesetzt worden. Bürger, die Biker zur Rede stellen wollten, seien teilweise heftigst angepöbelt worden, sagt Zysset.

Nun seien von Unbekannten Nagelbretter auf die Strecke gelegt und Drähte über den Weg gespannt worden. «Auch wenn wir die gesetzeswidrigen Machenschaften nicht gut finden, distanzieren wir uns von derartiger Selbstjustiz», stellt Zysset klar. «Das ist der falsche Weg!»

Behörden spannen nun zusammen

Trotzdem: Die Burgergemeinde Heiligenschwendi will die Strecke keinesfalls dulden. Sie spannt mit den ebenfalls betroffenen Burger- und Einwohnergemeinden aus Hilterfingen und Oberhofen zusammen. Alle Parteien werden nun auf den illegalen Pisten Verbotsschilder anbringen, wo dies noch nicht geschehen ist. Grundsätzlich ist die Strecke – nach den Vorfällen mit den Nagelbrettern und den Drähten – auch polizeilich gesperrt. «Wir werden alles wieder in den ursprünglichen Zustand versetzen oder die Wege sperren, sodass unsere Wege nicht als Abfahrtspisten gebraucht werden», sagt Burgergemeindepräsident Zysset. Er habe grundsätzlich Verständnis für das Anliegen der Biker, das Vorgehen sei aber inakzeptabel. «Man macht sich nicht am Eigentum eines anderen zu schaffen, ohne vorher Kontakt aufzunehmen. Das ist eine Frage des Anstands und Respekts!» Eine gewichtige Rolle spiele aber auch die Haftung. «Wenn in unseren Wäldern etwas passiert, haften wir als Eigentümer. Das kann nicht sein.»

Dem hält Hunziker entgegen: «Genau die Haftung wäre mit einer legalen Piste geregelt, da ja dann der Betreiber haftbar wäre. Des Weiteren wäre auch die langersehnte Trennung von Wander-und Bikewegen möglich.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 17.08.2012, 08:45 Uhr

23

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23 Kommentare

Peter Graber

17.08.2012, 11:57 Uhr
Melden 27 Empfehlung 0

Ich als Burger werde wohl am Wochenende mal schauen gehen, wo einer dieser Biker einen schönen Grill und wenn möglich einen Swimmingpool oder Seeanschluss hat. Ich möchte nämlich bräteln.
So gut wie die in unserem Burgerwald machen was ihnen gerade passt und das Eigentum missachten (jawohl, der Burgerwald gehört uns Burgern und nicht der ganzen Welt!), kann ich doch auf Gegenrecht pochen. Oder?
Antworten


Martin Lerch

17.08.2012, 12:42 Uhr
Melden 18 Empfehlung 0

Wie immer: Velofahrer dürfen alles. Die Polizei schaut weg. Vielleicht könnten ja wenigstens die Parkbussenpolizisten vorbeikommen und die Lieferwagen der Bäiker büssen. Antworten



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