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In 14 Monaten zu zweit 18'000 Kilometer pedalt

Von Sibyl Heissenbüttel. Aktualisiert am 14.03.2011

Drei Jahre lebten sie in Shanghai. Dann bepackten Renate Schneider und Martin Habegger ihre Drahtesel und radelten nach Thun. 14 Monate, 18'000 Kilometer und etliche Erfahrungen später sind sie am Samstag angekommen.

Müde, aber glücklich: Martin Habegger und Renate Schneider sind am Samstag nach 14 Monaten und 18'000 Kilometern vor der Silea AG in  Thun angekommen.

Müde, aber glücklich: Martin Habegger und Renate Schneider sind am Samstag nach 14 Monaten und 18'000 Kilometern vor der Silea AG in Thun angekommen.
Bild: Sibyl Heissenbüttel

(Video: Telebärn)

«Die Langsamkeit ist das, was den Reiz ausmacht, mit dem Velo unterwegs zu sein.» Das sagen Renate Schneider und Martin Habegger gleichzeitig und strahlen. «Dank des langsamen Tempos nahmen wir alles um uns herum bewusster wahr. Die Menschen begegnen uns viel freundlicher, als wenn wir mit dem Auto gereist wären», ist Habegger überzeugt. Sie seien fast überall willkommen gewesen und reichlich beschenkt worden: so etwa von Buddhisten auf ihrer Pilgerreise mit heiliger Buttermilch und von den Menschen im Iran mit dem schönsten Lächeln.

«Das Velo ist ein zweiter Pass. Es öffnet Tür und Tor zu den Einheimischen», sagt Schneider.

Leben in Shanghai

Über drei Jahre haben die beiden aus der Region Thun in Shanghai gelebt. Der Maschineningenieur der Studer AG bekam von seiner Firma die Möglichkeit, in China zu arbeiten. Seine Lebenspartnerin kündigte ihren Job als Betriebswirtschafterin und begleitete ihn. Während er Schleifmaschinen baute und das dazu benötigte Wissen vor Ort weitergab, besuchte sie Chinesischkurse. Obwohl die Zeit spannend gewesen sei, hätten sie sich nie heimisch gefühlt. Zu unterschiedlich seien die Kulturen. «Mit den Chinesen in Kontakt zu treten, ist einfach, aber eine Freundschaft mit ihnen aufzubauen, ist schwierig», sagt Schneider.

Das Paar hatte nach drei Jahren genug. Die beiden wollten so viel wie möglich draussen sein – und so begann vor 14 Monaten die Reise mit dem Fahrrad nach Hause.

Es gab auch Schwierigkeiten

419 Tage waren die beiden insgesamt unterwegs. Gestartet sind sie im Januar 2010 in Shanghai. Ihre Reise trug sie unter anderem quer durch China, Kirgistan, den Iran, die Türkei und Griechenland. Nebst all den eindrücklichen Erlebnissen habe es auch schwierige Momente gegeben: «Wir waren in den chinesischen Bergen, weitab von jeder Zivilisation. Es war kalt und schneite, Renate lag krank im Zelt, und wir hatten kein Essen mehr. In solchen Momenten wünschten wir uns an einen Strand, mit einem Drink in der Hand», erzählt Habegger. Doch kaum hätten sich ihnen neue atemberaubende Landschaften und inspirierende Begegnungen mit Einheimischen geboten, seien alle Strapazen vergessen gewesen.

Angst hätten sie nur einmal gehabt: in der Osttürkei. Dort seien sie von Jugendlichen bedroht und mit Steinen beworfen worden. Das habe sie traurig gestimmt.

Strampeln für guten Zweck

Nebst dem Abenteuer wollen die beiden aber etwas bewirken: «Ich brachte mit meiner Tätigkeit viel Wissen nach China. Wir wollen auch etwas in die Region zurückbringen», sagt Habegger. So entstand die Idee für die Sponsorenfahrt (siehe Kasten). Vor dem Gebäude der Silea in Thun endete denn auch ihre Reise am Samstag endgültig, wo sie mit Freunden und Verwandten ihre Ankunft feierten.

«Wehmut und Freude halten sich die Waage», erzählt Renate Schneider nach ihrer Ankunft. Auch wenn sie die Lebensqualität hier enorm schätzen würden, hätten sie einen Kulturschock erlitten. Für Martin Habegger ist klar, wie es beruflich weitergeht: Er wird bei der Studer AG weiterarbeiten. Für sie hingegen ist die berufliche Zukunft noch ungewiss. Sie wird wieder einen Job als Betriebswirtschafterin suchen. Klar hingegen ist für beide eines: Sie werden wieder auf eine grosse Reise gehen – von Alaska nach Feuerland diesmal – natürlich von Wadenkraft angetrieben. Sibyl HeissenbüttelDie Route: Am 17.Januar 2010 starteten Renate Schneider und Martin Habegger in Shanghai ihre Reise mit dem Velo zurück in die Schweiz. Am 12.März 2011 sind sie in Thun angekommen. Sie durchquerten dabei China, Kirgistan, Usbekistan, Turkmenistan, den Iran, die Türkei, Griechenland, Italien, Spanien und Frankreich und legten insgesamt 18'000 Kilometer zurück. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 14.03.2011, 08:36 Uhr

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