Fischer für mehr Phosphat im See
Von Sibylle Hunziker. Aktualisiert am 06.02.2012 2 Kommentare
Wahlen und Ehrungen
Vier Neue im Vorstand
Die 41 Delegierten der Fischereipachtvereinigung (PV) Interlaken, die 778 Mitglieder aus sechs Fischereivereinen vertraten, genehmigten am Freitagabend sämtliche Geschäfte einstimmig. Neu in den Vorstand gewählt wurden Franz Bohren und Stefan Tschanz (Interlaken), Mike Roth (Grindelwald) und Michael Gäumann (Bönigen).
Die scheidenden Vorstandsmitglieder Albert Signer, Andreas Nebiker, Hans Meier und Helmut Gerber sowie die unermüdlichen Kursleiter Adolf Meyer und Werner Ritschard wurden für ihr langjähriges Engagement geehrt.
«Die Berufsfischer am Brienzersee fangen immer weniger und immer kleinere Felchen, und immer häufiger bilden die Tiere keine Geschlechtsorgane aus», berichtete Präsident Peter Fiechter an der Hauptversammlung der Fischereipachtvereinigung (PV) Interlaken vom Freitag in Unterseen. Aus Sorge um den Felchenbestand haben deshalb Markus Meyer, Präsident des Kantonalen Fischereiverbandes, Ständerat Werner Luginbühl und Nationalrat Erich von Siebenthal auf kantonaler und eidgenössischer Ebene Vorstösse eingereicht für einen teilweisen Verzicht auf die Phosphatausfällung in Kläranlagen. «Denn die grosse Untersuchung der Brienzerseetrübung im letzten Jahrzehnt zeigte, dass für den Felchenbestand im nährstoffarmen Brienzersee das Phosphat entscheidend ist», erläuterte SFV-Präsident Roland Seiler, der sich für die Vorstösse auf eidgenössischer Ebene eingesetzt hatte.
Zweifache Opposition
«Sicher spielt die zusätzliche Seetrübung durch die KWO auch eine Rolle bei der Entwicklung des Felchenbestandes», sagte Roland Seiler. «Aber die KWO können wir nicht abstellen. Und ich bin überzeugt, dass es einen Versuch mit etwas mehr Phosphaten braucht.» Gegen einen solchen Versuch gebe es aber Opposition sowohl von Fischern aus der Region als auch von der Eawag, dem Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs.
Nun rief Roland Seiler sowohl die in der Fischereipachtvereinigung vertretenen Fischereivereine als auch die Oberländer Gemeindepräsidenten auf, für einen Phosphatversuch zu lobbyieren. Unterstützt wurde dieser Aufruf von PV-Ehrenpräsident Hans Michel und Peter Glaus, Präsident des Böniger Fischereivereins.
Auch Christoph Küng, Stellvertreter des kantonalen Fischereiinspektors, wäre froh über etwas mehr «gesunden Dreck» für den Brienzersee. Andernfalls mache er sich Sorgen um die Brienzlig – die Felchenart, die etwa vier Fünftel der Fischerträge im Brienzersee ausmacht –, nachdem letztes Jahr die Hälfte der untersuchten Tiere steril war. Für Küng ist wichtig, dass das Thema gründlich diskutiert wird, und er erinnerte die Fischer daran, dass sie auch schon bei ihrem Einsatz für den Gewässerschutz im letzten Jahrhundert einen langen Atem gebraucht hatten.
Auf eine sorgfältige Abklärung aller Fragen rund um einen Phosphatversuch hofft Hans Fritschi, der die Grüsse von Pro Natura Berner Oberland überbrachte; «denn der Brienzersee ist kein Aquarium, in dem man schnell etwas ändern oder ungeschehen machen kann».
Fischen und Renaturieren
Zu den Dauerthemen der PV gehört die kritische Prüfung der zahlreichen neueren Kleinwasserkraftprojekte in der Region – eine Aufgabe, für die sie mit benachbarten Fischerei- und Naturschutzvereinen zusammenarbeitet. Dazu kamen letztes Jahr die Aareputzete mit dem Tauchclub Thunersee, ein Fischereigrundkurs mit 48 und ein Sportfischerbrevetkurs mit 22 Teilnehmern. 2012 steht neben der Hilfe bei Renaturierungen wieder ein Schnupperkurs für Frauen auf dem Programm. Zufrieden hörten sich die Fischer Berichte über Renaturierungsprojekte für die Bödeli-Aare, die Jägglisglunte und die Lütschine an, die sie zum Teil initiiert hatten. Und Erfreuliches berichtete auch Fischereiaufseher Martin Flück: So befischen die Oberländer Fischer die Äschen auch nach dem Ende des Fangmoratoriums 2011 nur zurückhaltend; im Thunersee war der Ertrag 2011 mässig bis gut, und auch ein paar ungewöhnlich grosse Forellen wurden gefangen. Im Brienzersee schliesslich fiel der Laichfischfang zufriedenstellend aus, und die Eawag-Untersuchung der Fischbestände zeigte, dass der See bis zuunterst von Felchen bewohnt ist. (Berner Oberländer)
Erstellt: 06.02.2012, 09:25 Uhr
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2 Kommentare
1) man vergleicht den aktuellen Fischbestand mit dem ungesund hohen Bestand der 70er-Jahre, als der See überdüngt und noch erheblich verschmutzt war.
2) die Fertilitätsprobleme der Fische hängen wahrscheinlich noch immer mit der Wasserverschmutzung zusammen
3) der Einfluss der KWO auf die Verhältnisse im See wird totgeschwiegen, ebenso derjenige aller Barrieren (=Kraftwerke) aareabwärts.
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