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Felsbrocken fielen auf Einstellhalleneinfahrt des Werkhofs
Die Schybeflue hinter dem Werkhof der Gemeinde Unterseen: Die Felsbrocken durchschlugen unterhalb der Ausbruchstelle (Kreis) ein Steinschlagnetz (Pfeil). (Bild: Ueli Flück)
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Der Harder sorgt immer wieder für Überraschungen. Am Freitagabend um zirka 18.15 Uhr sorgte ein Felsausbruch an der Schybeflue am Vorder Harder für «Äggschen». Felsbrocken donnerten auf die am Fusse des Felsens verlaufende Brandpromenade, ein beliebter Spazier- und Wanderweg. Zwei gewichtige Brocken kamen erst in der Einfahrt zur Einstellhalle des Werkhofs zum Stillstand, zwei andere in der Wiese hinter einem Mehrfamilienhaus. «Wir nahmen den Felssturz wie ein Erdbeben wahr», schilderte eine Anwohnerin. Den misslichen Wetterverhältnissen ist es wohl zu verdanken, dass sich niemand im Bereich des Absturzes befand, Personenschäden gab es nicht.
Fast senkrecht
Der Felsausbruch ereignete sich etwa 25 bis 30 Meter unterhalb des Schybefluehüttlis, einem Aussichtspunkt. Die Felsbrocken stürzten – unterwegs ein Steinschlagnetz durchschlagend – mehr oder weniger senkrecht rund 120 Meter in die Tiefe. Aus den zwischen der Fluh und der Brandpromenade stehenden Bäumen und Sträuchern wurde Kleinholz gemacht. Ingenieurgeologe Daniel Tobler von der Geotest AG in Zollikofen schätzt die abgestürzte Felsmasse auf 20-25 Kubikmeter, was einem Gewicht von 50-62,5 Tonnen entspricht.
Noch am Freitagabend wurde als erste Massnahme die Brandpromenade mit Absperrgittern gesperrt. Werkhofchef Erich Zurbuchen, Bergführer Hans Benninger, Kantonspolizist (und Bergführer) Adrian Deuschle und Gemeindepräsident Simon Margot prüften dann die Lage bei Tageslicht am Samstagmorgen. Am Samstagnachmittag wurde zudem die Ausbruchstelle von Geologe Tobler von einem Helikopter aus inspiziert.
Fazit des Geologen: «Es müssen keine weitern Ausbrüche aus diesem Bereich befürchtet werden.» Trotzdem: Die Brandpromenade bleibt vorläufig gesperrt. Den Bewohnern des Mehrfamilienhauses wurde geraten, vorsichtshalber den Ausgang auf der Rückseite des Gebäudes und den Spielplatz nicht zu benützen. Die beim Steinschlagnetz liegen gebliebenen Steine müssen zu Tale befördert und der Bereich gesäubert werden. Das wird vielleicht schon heute Montag geschehen. Gleichzeitig muss das Steinschlagnetz notdürftig hergerichtet, später repariert respektive neu installiert werden. «Wann die Brandpromenade wieder geöffnet werden kann, entscheidet der Geologe», stellte Gemeindepräsident Margot klar.
Die alten Unterseener kannten die Gefahren des Harders und hüteten sich, ihre Häuser zu nahe an dessen Fuss zu bauen. Aber das Städtchen wuchs immer näher an den Berg. Es mussten Steinschlagnetze montiert und Schutzdämme aufgeschüttet werden. Die Firma Geotest, von der das Integralprojekt Vorder Harder stammt, erarbeitete auch ein Überwachungsprogramm, schuf einen Frühwarndienst und ein Pflichtenheft. Laut diesem sind die Felsbereiche mit fraglicher Stabilität periodisch zu kontrollieren. Bei verschiedenen Felsabschnitten wurden Messpunkte eingerichtet und Zementsiegel angebracht.
Unberechenbar
Die Gemeinde Unterseen betraute den einheimischen Bergführer Hans Benninger mit folgenden Arbeiten: Visuelle Beobachtung der kritischen Felsbereiche, Messung der mit Felsbolzen ausgerüsteten Beobachtungsstellen, Kontrolle der Zementsiegel und der Steinschlagnetze, jährliche Felsreinigung an der Schybeflue. Diese erfolgte letztmals im Juni 2009. «Damals deutete nichts auf den nun erfolgten Felsausbruch hin», berichtet Hans Benninger, der seine Kontrolltätigkeit seit 30 Jahren ausübt und seine Rapporte gewissenhaft an Geotest weiterleitet. Ein Ereignis wie am Freitagabend hat er noch nie erlebt. Aber er pflichtet Gemeindepräsident Simon Margot bei, der festhält. «Der Harder ist halt unberechenbar und sorgt immer wieder für Überraschungen.» (Berner Oberländer)
Erstellt: 08.02.2010, 08:16 Uhr
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