Entlastungsdienst: Nachfrage nach Hilfe wächst
Marianne Anneler ist neue Vermittlerin des Entlastungsdienstes. (Bild: Debora Stulz)
Mit der Zunahme der an Demenz oder Alzheimer erkrankten Menschen hat auch die Nachfrage nach dem Angebot des Entlastungsdienstes Kanton Bern zugenommen, auch in der Regionen Thun und Berner Oberland. Die ehemalige Vermittlerin, Elsbeth Roth aus Thun-Allmendingen berichtete gegenüber dieser Zeitung, dass sich die Nachfrage in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt hat. Heute arbeiten 67 Frauen und drei Männer in 80 Familien.
Hilfe im Alltag
Die Betreuung von Kranken oder Behinderten zu Hause kann zu einer Belastung der gesunden Familienmitglieder werden. Täglich während Monaten oder Jahren für einen geliebten Menschen da zu sein und sich um alle seine Bedürfnisse zu kümmern ist eine Herausforderung für alle Beteiligten.
Die Thunerin Gabriela Miescher arbeitet seit zwölf Jahren für den Entlastungsdienst Kanton Bern Region Thun. Sie berichtet, dass Ehepartner oder erwachsene Kinder, die ihre Partner oder Eltern zu Hause betreuen und pflegen, oft an ihre psychischen und physischen Grenzen kommen. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen helfen bei der Pflege, im Haushalt, beim Fahrdienst oder machen, wenn es möglich ist, kleine Ausflüge mit den Kranken oder Behinderten. Diese Hilfe geschieht in vielen Fällen diskret und hinter geschlossenen Türen.
Unterstützung für Florian
Die Türe geöffnet haben Susann Heimann, ihr behinderter Sohn Florian und seine Schwester Sereina aus Wimmis, um einen Einblick in ihren Familienalltag zu geben. Florian Heimann ist heute 16 Jahre alt und hat seit seiner frühen Kindheit eine starke körperliche Behinderung. Er benötigt täglich 24 Stunden Betreuung. Körperpflege, Essen, Freizeitgestaltung, Förderung seiner körperlichen und sprachlichen Fähigkeiten und Unterstützung bei den Hausaufgaben gehören zu den Betreuungsaufgaben. Florian besucht die heilpädagogische Schule in Spiez, die übrigen Stunden verbringt er zu Hause mit den Geschwistern Sereina und Oliver und der Mutter. «Diese umfassende Betreuung ist eine grosse Herausforderung», sagt Susann Heimann. Und weiter: «Die Unterstützung durch den Entlastungsdienst erleichtert unseren Alltag sehr.»
Der Einsatz der Mitarbeitenden des Entlastungsdienstes dauert je nach Bedürfnis einen ganzen Tag oder auch nur einzelne Stunden. Dass Florian seit rund fünf Jahren zu Hause betreut wird, hat laut seiner Mutter damit zu tun, dass sich sein Befinden während eines Aufenthaltes in einer Institution stetig verschlechtert habe. «Zu Hause fühlt sich Florian wohl, das spüren wir, und das zeigt er uns oft mit seiner Mimik», sind sich Mutter und Tochter einig.
Weites Gebiet
Der Entlastungsdienst Kanton Bern Region Thun betreut heute Familien in Stadt und Amt Thun, im Thuner Westamt, im Simmental, im Frutigland, in Oberdiessbach und in Münsingen. Bei der Vermittlung wird nach Möglichkeit darauf geachtet, dass die Kunden so lange wie möglich von denselben Mitarbeitenden betreut werden. Dazu Vermittlerin Marianne Anneler: «In den meisten Fällen entsteht ein Vertrauensverhältnis zwischen den Betroffenen, ihren Familien und unseren Mitarbeitenden, das für eine umfassende und passende Entlastung wichtig ist.» (Berner Oberländer)
Erstellt: 17.11.2010, 11:52 Uhr
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