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Der Flugplatz gehört nun definitiv der Genossenschaft

Von Sarah McGrath-Fogal. Aktualisiert am 07.10.2011

Nach acht Jahren ist es so weit: Der Flugplatz Zweisimmen gehört nun definitiv der Flugplatzgenossenschaft. Die Betreiber feiern dies am Samstag mit einem Fest und wollen künftig noch stärker in den fliegerischen Nachwuchs investieren. Die Flugbewegungen erhöhen sich nicht.

Segelflugzeuge auf dem Flugplatz Zweisimmen: Dieses Bild soll nicht nur der Vergangenheit, sondern auch der Zukunft gehören. Die Genossenschaft will weiterhin auf die fliegerische Ausbildung setzen.

Segelflugzeuge auf dem Flugplatz Zweisimmen: Dieses Bild soll nicht nur der Vergangenheit, sondern auch der Zukunft gehören. Die Genossenschaft will weiterhin auf die fliegerische Ausbildung setzen.
Bild: zvg

Sie sind von der wirtschaftlichen Bedeutung des Flugplatzes überzeugt. Andreas Hadorn, Sekretär der Flugplatzgenossenschaft Zweisimmen, und dessen Präsident, Niklaus Müller, freuen sich, nach Jahren der Verhandlungen mit der Armasuisse, dem bisherigen Besitzer des Flugplatzes, diesen das Eigen der Genossenschaft zu nennen. «Der Flugbetrieb ist für die Region wichtig und bringt dem Tourismus Geld. Ausserdem setzen wir nun als ziviler Flugplatz noch stärker auf den fliegerischen Nachwuchs», sagt Müller.

Flugbewegungen unverändert

Der Flugplatz Zweisimmen wird seit 1994 nicht mehr als Militärflugplatz genutzt. Bereits seit den 1960er-Jahren verkehren auf dem Platz Segel- und Motorflieger. Ausserdem hat die Berner Oberland Helikopter AG (Bohag) zusammen mit der Rettungsflugwacht (Rega) eine Basis mit Hangar auf dem Flugplatz. Während die Rega Rettungsflüge durchführt, ist die Bohag im Gebiet für das Gewerbe im Einsatz. Dies gilt auch für die Eagle Helicopter AG, die ebenfalls in der Region tätig ist, jedoch keinen eigenen Hangar betreibt, obwohl der Wunsch danach besteht. «Derzeit liegt kein konkretes Projekt vor», sagt Niklaus Müller.

Im Sachplan Infrastruktur Luftfahrt (SIL) sind die Flugbewegungen für den Standort Zweisimmen festgehalten – daran wird sich auch jetzt nach der Übernahme durch die Genossenschaft nichts ändern. «Es bleibt bei 5600 Flugbewegungen, daran können und wollen wir nichts ändern», sagt Sekretär Andreas Hadorn.

IG blitzte vor Gericht ab

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt hatte der Flugplatzgenossenschaft Zweisimmen bereits im Dezember die Bewilligung erteilt, den ehemaligen Militärflugplatz für den zivilen Betrieb zu nutzen. Das Betriebsreglement erlaubt den Betrieb von Montag bis Samstag von 8 bis 12.15 Uhr und von 13.15 bis 20 Uhr. Am Sonntag ist ein eingeschränkter Betrieb ab 8.45 Uhr möglich, dazu kommt die eigentliche Betriebszeit zwischen 10.30 und 12.15 Uhr und von 13.15 bis 19 Uhr.

Die Interessengemeinschaft (IG) für weniger Fluglärm unter dem Zweisimmner Grossrat Hans-Jörg Pfister gelangte in der Folge ans Bundesverwaltungsgericht. Die IG forderte, Motorflieger- und Schleppflüge unter der Woche auf 9 bis 12 Uhr und 13.30 bis 18.30 Uhr einzugrenzen. Am Wochenende seien die Betriebszeiten auf 9 bis 11.30 Uhr und auf 13.30 bis 18 Uhr anzupassen. Die Richter in Bern haben die Beschwerde nun abgewiesen.

«Unter diesen Bedingungen wäre ein wirtschaftlicher Betrieb des Flugplatzes nicht mehr möglich», sagt Müller. «Bei uns landen keine lärmintensiven Flugzeuge, und wir respektieren die Mittagsruhe.» Wenn über die Mittagszeit eine Beerdigung stattfinde, mache der Flugbetrieb schon um 11.45 Uhr Pause.

Fluggruppen zu Besuch

«In Zukunft wollen wir Bestehendes weiterführen und die Schulungen im Bereich Motorflugzeug, Motorsegler und Segelflugzeug ausbauen», sagt Niklaus Müller. Alpine Segelfluglager (Alpin-Lager) werden von schweizerischen Vereinen aus dem Unterland durchgeführt, und vereinzelte ausländische Vereine organisieren Gebirgsfluglager auf dem Flugplatz. «Davon profitiert auch der Tourismus», ergänzt er. Man wolle auch einheimischen Jugendlichen die Möglichkeit geben, günstig das Fliegen zu erlernen. «Schulungen kosten hier viel weniger als beispielsweise in Belp.» Weiter will die Genossenschaft den Platz für Grossanlässe, den Viehmarkt und im Winter den Bergbahnen für Parkplätze vermieten. «Bei uns ist ja nur von April bis November Flugbetrieb.»

Piste muss saniert werden

Über den Kaufpreis will Niklaus Müller keine Angaben in der Zeitung machen. «Wer weiss, wie viel es gekostet hat, weiss auch, wie der Preis entstanden ist, und wird ihn darum verstehen.» Man habe im Vergleich zu andern Flugplätzen, die derzeit zum Verkauf stünden, relativ wenig bezahlt. Jedoch sei der Flugplatz nicht in sehr guter Verfassung. Es müsse beispielsweise die Piste saniert werden, «wir brauchen einen neuen Belag». Die Sanierung der 695 Meter langen Piste wird die Genossenschaft rund eine halbe Million Franken kosten. «Die Piste ist relativ uneben, der Deckbelag dünn, der Untergrund hingegen tipptopp», weiss Sekretär Andreas Hadorn.

Doch bevor saniert wird, feiert die Genossenschaft morgen ab 15 Uhr. Die Flugplatzgenossenschaft offeriert allen Gästen eine Grillbratwurst. Die Ankunft mit dem Flugzeug ist willkommen! (Berner Oberländer)

Erstellt: 07.10.2011, 09:15 Uhr

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