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Credit Suisse verlangt von Hausbesetzern die Räumung

Von Dino Dal Farra. Aktualisiert am 20.10.2011 7 Kommentare

Die Credit Suisse duldet die Hausbesetzung des ehemaligen Gerberkäse-Gebäudes in Thun nicht weiter. Sie hat den Aktivisten ein Ultimatum gesetzt.

Das Banner am Dach zeigt es an: Das Kulturzentrum A-Perron hält das Gerberkäse-Gebäude auf dem ehemaligen Emmi-Areal an der Gewerbestrasse in Thun weiterhin besetzt. Doch nun hat die Eigentümerin Credit Suisse genug und verlangt die Räumung.

Das Banner am Dach zeigt es an: Das Kulturzentrum A-Perron hält das Gerberkäse-Gebäude auf dem ehemaligen Emmi-Areal an der Gewerbestrasse in Thun weiterhin besetzt. Doch nun hat die Eigentümerin Credit Suisse genug und verlangt die Räumung.
Bild: Ramon Lehmann

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Internationale Bewegung

Eine Hausbesetzung ist die illegale Inbesitznahme leer stehenden Wohnraums. Hausbesetzungen liegen verschiedene Motiven zugrunde: Wunsch nach kostenlosem Wohnraum, eigener Wohnungsmangel oder sogar Obdachlosigkeit und Protest gegen spekulativen Leerstand und hohe Mieten. Hausbesetzer grenzen sich meist bewusst von gesellschaftlichen Normen ab und versuchen, alternative Formen des Zusammenlebens zu entwickeln. Das Symbol der Hausbesetzerbewegung ist ein Kreis, durch den ein N-förmiger Blitz von links unten nach rechts oben verläuft. Das Symbol soll laut dem Internetlexikon Wikipedia in der niederländischen Hausbesetzerszene der 1970er-Jahre entstanden sein.

Die bekannteste Hausbesetzung war jene der Roten Fabrik in Zürich Mitte der 1970er-Jahre, als Jugendliche und Studenten nach einem Jugend- und Kulturzentrum verlangten. In diesem Zusammenhang kam es zum Opernhauskrawall. Er brach aus, als die Stadt mit einem Volksfest für den Bau eines 61 Millionen Franken teuren Opernhauses warb, während der Entscheid einer Volksinitiative zur Schaffung eines Kulturzentrums in der Roten Fabrik nicht umgesetzt wurde.

Ab Ende der 80er-Jahre wurde die Rote Fabrik legalisiert und wird seither subventioniert. Heute ist die Rote Fabrik das grösste alternative Kulturzentrum der Schweiz. 2008 wurde für ein «Volksfest» als «Gegenveranstaltung zur Euro 2008» unter dem Titel «Brotäktschn» ein Wochenende lang das ungenützte Hardturmstadion in Zürich besetzt. Roger Probst

Stichworte

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch teilte es die Gruppe Kollektiv Kulturzentrum A-Perron mit, und gestern kam die Bestätigung der Gebäudeeigentümerin: Die Credit Suisse (CSGN 19.47 3.90%) Anlagestiftung (CSA) ist nicht bereit zu Verhandlungen mit der Aktivistengruppe, die in der Nacht von Freitag auf Samstag das Pförtnergebäude auf dem ehemaligen Emmi-Areal besetzt hat (vgl. Ausgaben der letzten Tage). «Wir haben den Hausbesetzern mitgeteilt, dass das Gebäude bis am Samstag, 29.Oktober, um 16 Uhr geräumt sein muss», sagte Karin Schwerzmann, Mediensprecherin für die Immobilien bei der Credit Suisse. Geschehe dies bis dahin nicht, werde gegen die Kulturgruppe Strafanzeige eingereicht.

Das Kulturzentrum A-Perron schrieb in einer Mitteilung, dass «die Credit Suisse sich nicht gesprächsbereit zeigt und mit polizeilicher Räumung droht». Die CS habe verschiedene Sicherheitsbedenken zum Zustand des als erhaltenswert eingestuften Hauses. «Dies zeigt auf, dass uns nicht zugetraut wird, diese Mängel beheben zu können.»

Mietvertrag abgelehnt

Karin Schwerzmann von der CSA sagte gegenüber dieser Zeitung, sie sei nicht bereit, die Nutzung der Hausbesetzer zu tolerieren. «Dies nicht nur zum Schutz des Eigentums, sondern auch aus Sorge um die Sicherheit von Personen und Sachen», sagte Karin Schwerzmann und ergänzte: «Das Gebäude verfügt nicht über die erforderliche Baustruktur und Ausrüstung, etwa bezüglich Brandschutz und Fluchtwegen.» Die CS betont, Kultur sei ihr ein Anliegen. Gerade deshalb werde bis zur Fertigstellung von «Puls» im Frühjahr 2014 auch ein Gebäude an die Künstlerin Chantal Michel vermietet. Für öffentliche Veranstaltungen hingegen, wie sie die Besetzer derzeit durchführen, sei das Haus nicht geeignet. Ein Mietvertrag mit den Aktivisten komme nicht in Frage. Denn sollte während der Besetzung ein Unfall passieren, würde die CSA in jedem Fall haften müssen. Ob die Gruppe Kulturzentrum A-Perron das Haus bis am 29.Oktober freiwillig räumt, ist offen. «Das wägen wir derzeit ab», sagte gestern ein Besetzer auf Anfrage.

Stadt: Bedingt Verständnis

Die Stadt Thun reagiert zwiespältig auf die Hausbesetzung. Einerseits hat Polizeidirektor Peter Siegenthaler (SP) Verständnis für die Aktivisten. «Ich will nicht leugnen, dass es in unserer Stadt ein Defizit an Kulturraum gibt», sagte er. Er möchte die Hausbesetzer nicht als Chaoten abtun. «Ich weiss, dass es ihnen nicht bloss darum geht, Stunk zu machen.» Auf der anderen Seite sei eine solche illegale Aktion für einen Polizeidirektor nicht gerade das Höchste der Gefühle. «Ich frage mich, warum die Gruppe das Gespräch nicht schon früher mit den Eigentümern gesucht hat», sagte Siegenthaler. Das Gebäude steht schon zwei Jahre leer. Dass die Initianten erst kurz vor der Umgestaltung des Areals aktiv werden, lasse ihn die Stirn runzeln. Im Vorgehen der Besetzer sei auch ein Schuss Polemik drin. «Ihre Behauptung, Thun sei eine kulturelle Einöde, ist masslos übertrieben.» Die Stadt mische sich in diesem Fall aber nicht ein. Eine eventuelle Zwangsräumung sei Sache der Polizei, und alles andere liege bei der Credit Suisse.

Die SP Thun äussert in einer Mitteilung «Verständnis und grosse Sympathien für die Hausbesetzer». Das Problem des dünnen Kulturangebots für die Jugendlichen habe sich verschärft. «Es wäre an der Zeit, dass sich der Gemeinderat Gedanken zur kulturellen Vielfalt macht», heisst es in der Mitteilung weiter. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 20.10.2011, 06:52 Uhr

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7 Kommentare

Walter Weber

20.10.2011, 07:41 Uhr
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Herr Peter Siegenthaler, was soll das "Einerseits hat Polizeidirektor Peter Siegenthaler (SP) Verständnis für die Aktivisten". Es gibt Gesetze und die sind auch von ihren Sympatisanten einzuhalten. Wo führt das hin, wenn jede Person, das macht was ihr gefällt? Sorry Hr. Siegenthaler, ich habe vergessen, dass am Sonntag Wahlen sind und so wie es aussieht sind alle Mittel Recht um evtl. zu punkten! Antworten


Daniel Ott

20.10.2011, 16:32 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Tja liebe Vorkommentierende. Wenn sogar ein Polizeidirektor in Thun langsam zu begreifen beginnt, dass die Jugendkultur VÖLLIG brachliegt und darum Verständnis für Hausbesetzungen hat, sollte das eher zum Denken anregen. Aber dass es Leuten wie Ihnen zu verdanken ist, dass die Jugendkultur in Thun brachliegt, brauche ich ja nicht zu erwähnen! Antworten



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