«Antisemitismus ist in der Schweiz immer noch latent verbreitet»

Die Hass-Schrift im Sigriswiler Anzeiger löst Bestürzung in der jüdischen Gemeinde aus. «Leider kommt solcherlei antisemitisches Gedankengut immer wieder zum Vorschein», sagt Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund.

Jonathan Kreutner.

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Der Autor der Hetzschrift schreibt: «Das organisierte Weltjudentum hat die totale Ausraubung gewisser reicher Länder, wie Deutschland, Schweiz, Österreich und anderer Staaten längst begonnen.» Was löst diese Aussage in Ihnen aus?
Wir sind über diese Aussagen bestürzt. So etwas sollte im 21. Jahrhundert nicht mehr möglich sein. Diese Aussagen verstossen unserer Ansicht nach klar gegen die Antirassismus-Strafnorm. Deshalb haben wir auch gegen den Verfasser Otto Grossglauser Anzeige erstattet.

Ist Grossglauser bei Ihnen bekannt als Hetzer?
Er ist uns vorher nicht bekannt gewesen.

Ist die Schrift ein Verstoss gegen das Anti-Rassismus-Gesetz?
Aus unserer Sicht ja.

Wieso hält sich ein antisemitisches Pamphlet aus dem 20. Jahrhundert, wie zum Beispiel «Die Protokolle der Weisen von Zion», so hartnäckig bei einigen Personen?
Diese Frage stellen wir uns natürlich immer wieder. Die «Protokolle der Weisen von Zion» wurden bereits mehrmals als Fälschung entlarvt; in den 1930er-Jahren hatte sich sogar ein Berner Gericht mit den «Protokollen» befasst und ihre Fälschung bestätigt.

Denken Sie dass durch die publizierte Hass-Schrift im Sigriswiler Anzeiger sich Leute vom Antisemitismus anstecken lassen?
Leider sieht man immer wieder, dass von solchen Unwahrheiten vor allem bei jungen und unerfahrenen Lesern etwas hängen bleibt. Gerade auf Internetformen kommen solche Aussagen dann immer wieder zum Vorschein.

Entdecken Sie unterschwellige, antisemitische Aspekte in unserer Öffentlichkeit, welche die schweizerische Bevölkerung gar nicht wahrnimmt?
Der Antisemitismus ist leider immer noch - auch in der Schweizer Bevölkerung - latent verbreitet, wenn auch glücklicherweise nicht in dieser radikalen Form wie es der Artikel von Grossglauser verbreitet.

Wie blicken Sie in die Zukunft betreffend der Einstellung der schweizerischen Bevölkerung gegenüber Juden, wenn eine solche Hass-Schrift abgedruckt wird?
Die Juden in der Schweiz sind integraler Teil der Bevölkerung. Wir glauben auch, dass die aller meisten Schweizer genug aufgeklärt sind, nicht von solchen Schriften beeinflusst zu werden. Leider kommt solcherlei antisemitisches Gedankengut aber auch immer wieder zum Vorschein. Dagegen werden wir natürlich auch in Zukunft vorgehen. (Bernerzeitung.ch/Newsnetz)

Erstellt: 05.02.2010, 17:24 Uhr

3 KOMMENTARE

Jürgen Krug

08.02.2010, 11:56 Uhr

Wer sich anläßlich solcher Hasstiraden, antisemitischer Pamphlete und Äußerungen fragt, wieso diese Hetze und die Lügen gegen das jüdische Volk nicht auszurotten sind, sollte die Antworten im geistlichen Bereich suchen. Es ist schlichtweg der Hass auf den Gott Israels, den Schöpfer der ganzen Welt, der dies in diversen Menschen bewirkt. Einen rationaler Grund ist allerdings noch der Neid .


peter factus

05.02.2010, 18:04 Uhr

mit der Politik gegen Palästina macht sich Israel sicher keine Freunde!Das ist ein fact..


Heinz Frey

05.02.2010, 17:59 Uhr

Ich glaube nicht, dass Antisemitismus in der Schweiz latent vorhanden ist. Gestern in dieser Zeitung wurde einem französischen Rassisten grossen Raum gegeben (Buchautor, welche die Schweiz aufs widerlichste Beschimpft, worauf sich sogar die franz. Botschaft entschuldigte) - ich denke auch nicht, dass aufgrund dieses Einzelfalls die Franzosen "latent" (was heisst dies?) rassistisch sind.



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