«Thronwechsel» in der Heiliggeistkirche
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«Es gibt Dinge, die man gerne hinter sich lässt. Das Organistenamt an der Heiliggeistkirche gehört bestimmt nicht dazu.» Jürg Brunner, der «Pensionär in spe», sitzt auf der Orgelempore und sinniert schmunzelnd über die gnadenlose «Altersguillotine». Neun Jahre amtete er als Herr der Orgel in der Heiliggeistkirche. Das klingt nicht nach viel. Doch was der gebürtige St.Galler in dieser Zeit zustande brachte, ist phänomenal: Als gewitzter Grenzgänger schuf er sich eine regelrechte Fangemeinde.
Wenn Brunner am frühen Heiligabend zum Weihnachtskonzert lud, war die Kirche meist voll, und auch beim Zibelemärit standen die Leute jeweils Schlange. Brunners «Zibelesounds» wurden zum Hit, weil da ein Könner ohne Scheuklappen bewies, dass man auf einer Barockorgel nicht nur Bach gut zum Besten geben kann, sondern auch Volksmusik, Schlager oder Evergreens aus Pop, Rock und Jazz. Brunner spricht von einer «Marktnische», die er wohl besetzt habe. «Mir ging es stets darum, zu zeigen, dass die Orgel kein bitterernstes Instrument ist, das man bloss für triste Abdankungsfeiern brauchen kann.»
Umtriebiger Organisator
Nicht nur als Interpret, auch als Orgelfachmann und Pädagoge hat sich Brunner einen Namen gemacht. Und als umtriebiger Organisator: Bern verdankt ihm unter anderem den «Orgelspaziergang» und den «Orgelpunkt» – beliebte Veranstaltungen, an denen sich die Organistinnen und Organisten aus der Stadt und Region beteiligen. «Für die Aufbauarbeit brauchte es einen langen Atem. Am Anfang war das Publikum noch zurückhaltend. Aber es hat sich gelohnt», resümiert Brunner.
Kirche als Barockzentrum
Auch wenn er Ende Januar offiziell pensioniert wird – «absägen» lässt er sich nicht. Der Terminkalender sei gefüllt mit Konzerten, Sonntagsdiensten und Privatunterricht, erzählt der Organist. Auch von seiner Orgel muss er sich nicht ganz verabschieden: Brunner bleibt Stellvertreter von Marc Fitze, seinem Nachfolger an der prestigeträchtigsten Organistenstelle der Stadt (neben Münster und Französischer Kirche).
Fitze, der bisher für die Berner Johanneskirche tätig war, schwärmt wie Brunner vom Instrument in der Heiliggeistkirche – eine Metzler-Orgel von 1980, die dem klanghellen Barocktyp entspricht, wie sie Bach oder Buxtehude kannten. «Jede Orgel hat einen eigenen Charakter, es braucht eine gewisse Zeit, bis man einen Draht zum Instrument findet. Bei dieser Orgel hat es rasch klick gemacht», so Fitze.
Der 37-Jährige, der sich auch als Konzertorganist und Kunstharmoniumspieler hervorgetan hat, will das Amt in innovativem Geist weiterführen. «Gefässe wie ‹Zibelesounds› und ‹Orgelpunkt› wird es weiterhin geben», so der Organist. «Aber ich möchte die Heiliggeistkirche musikalisch verstärkt als Barockzentrum positionieren.» Der Auftakt dazu klingt vielversprechend: Am 23.März tritt Fitze hier mit dem quirligen Barockorchester Les Passions de l’Âme unter Meret Lüthi auf.
Abschiedskonzert: «Berner Organistinnen und Organisten spielen für Jürg Brunner»: Fr, 20.1, 17 Uhr, Heiliggeistkirche Bern. Eintritt frei. (Berner Zeitung)
Erstellt: 19.01.2012, 06:24 Uhr
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