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«Dieses Wetter ist für uns perfekt»

Von Markus Zahno. Aktualisiert am 06.02.2012

Eisige Temperaturen machen ihnen nichts aus. Im Gegenteil. Denn jetzt können die Angestellten der Berner Stadtgärtnerei jene Arbeiten erledigen, die in wärmeren Zeiten zu viel Schaden anrichten würden.

1/4 Das Kafi ist für den Kehrichtmann gratis
Regen ist für ihn schlimmer als Kälte und ein bisschen Schnee. «Wenn die Abfallsäcke nass sind, sind sie viel schwerer», sagt Kehrichtmann Bernhard Lüthi. Und doch leidet er unter den frostigen Temperaturen: «In den zwölf Jahren, in denen ich diesen Job mache, habe ich noch nie eine derartige Kälte erlebt», sagt der 42-Jährige. Lüthi dreht auf einem von neun Kehrichtwagen der Stadt Bern in der Lorraine, im Breitenrain und in Bethlehem seine Runden und sammelt «Ghüder» ein – täglich rund 20 Tonnen. Pro Tag verbringt er sechs Stunden hinten auf dem Lastwagen. Kälte ertrage er viel schlechter als Hitze, sagt der Berner. In vier Schichten hat er sich eingepackt, zuoberst ein dicker Faserpelz; die Hände stecken in gefütterten Handschuhen. «Würden wir uns bei dieser Arbeit nicht bewegen, würde ich wohl erfrieren.» Der Fahrtwind mache die Sache zum Glück nicht noch schlimmer, dafür ist der Kehrichtwagen zu langsam unterwegs. Doch Lüthis Gesicht strahlt trotz der Kälte. Diese hat ja auch Vorteile: Es kriechen nicht wie im Sommer die Maden über die Säcke. Und das Kafi in der Kantine ist bei Temperaturen ab zwei Grad unter null für die Mitarbeitenden gratis.
Bild: Andreas Blatter

   

Eisige Temperaturen machen ihnen nichts aus. Im Gegenteil. Denn jetzt können die Angestellten der Berner Stadtgärtnerei jene Arbeiten erledigen, die in wärmeren Zeiten zu viel Schaden anrichten würden.Einen Job im gut geheizten Büro? Nein, einen solchen möchten Kathrine Gashi und Christian Gafner nicht – auch wenn es draussen minus 12 Grad kalt ist. «Wir können uns schliesslich den ganzen Tag bewegen», sagt er. «Und unsere Kleider sind so gut, dass mir heute Vormittag fast zu heiss wurde», ergänzt sie.

Gashi und Gafner gehören zum Team der Berner Stadtgärtnerei, das derzeit die Platanen entlang des Nordrings schneidet. Alle zwei Jahre werden die Bäume wieder auf die gleiche Länge zurückgestutzt. «Das ist, wie wir Menschen uns regelmässig die Fingernägel schneiden», erklärt Max Jaggi, Bereichsleiter Grünflächenpflege bei der Stadtgärtnerei. Zudem ist der Schnitt nötig, damit die Äste mit der Zeit nicht zu nahe an die Hausfassaden herankommen. Ansonsten würden sie zu viel Schatten werfen.

12 bis 15 Bäume täglich

«Kaltes und trockenes Wetter ist für uns perfekt», sagt Max Jaggi. Denn Bäume müssen mit schweren Maschinen gefällt werden, was bei ungefrorenem Boden grosse Schäden zur Folge hätte. So sind im Moment 60 Leute der Stadtgärtnerei draussen am Arbeiten. Sie entfernen auch Wurzelstöcke von bereits gefällten Bäumen, pflegen Wildhecken, sorgen für einen minimalen Winterdienst in den Parkanlagen. An exponierten Stellen wie dem Hirschengraben oder dem Falkenplatz arbeiten sie zum Teil nachts, um den Tram- und Busbetrieb nicht zu stören.

Das Baumschneideteam am Nordring zählt zehn Leute: acht schneiden auf den Bäumen mit der Handsäge Ast um Ast ab, zwei sorgen am Boden für die Sicherheit der Fussgänger und Velofahrer. 12 bis 15 Platanen schafft das Team jeden Tag. Unter der momentanen Kälte würden Bäume ebenso wenig leiden wie unter dem zu warmen Spätherbst und Frühwinter, erklärt Christoph Teuscher, der in der Stadtgärtnerei den Unterhaltskreis Ost leitet. «Denn Bäume», fügt Kollege Max Jaggi an, «haben eine innere Uhr. Im Winter schlafen sie, egal, welche Temperaturen herrschen.» Jedes Jahr um den 20. Januar herum beginnt der Saft wieder von den Wurzeln in den Stamm zu fliessen, und ab Ende März schlagen die Bäume von Neuem aus. Erst dann könnte extreme Kälte gefährlich werden.

Etwas anders verhält es sich bei den Sträuchern oder bei Weiden und Pappeln: Sie haben heuer – als Folge des bis vor kurzem milden Winters – zum Teil bereits Knospen gebildet. «Aber durch die Kälte werden sie nun wieder gebremst. Das ist gut so», sagt Christoph Teuscher.

Stadt zahlt Thermowäsche

Wer Teuscher und Jaggi erklären hört, kommt ob der Natur einmal mehr ins Staunen. Doch auch die Widerstandskraft der Baumschneiderinnen und -schneider vom Nordring ist beachtlich. Kein Wort des Jammerns ist von ihnen zu hören – auch dank der Thermowäsche und der gefütterten Sicherheitsjacken, die ihnen die Stadtgärtnerei zur Verfügung stellt. «Nur an den Fingerspitzen und an den Zehen – dort spüren wir die Kälte», sagt Kathrine Gashi. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.02.2012, 07:23 Uhr

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