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Die Kraft der Aare reicht nicht mehr

Von Lucia Probst. Aktualisiert am 01.12.2011

Als einzige Fähre in der Region Bern verkehrt die Bodenackerfähre in Muri das ganze Jahr. Der tiefe Wasserstand ist für die Fährmänner eine Herausforderung. Ohne ihre Muskelkraft und eine gute Taktik schafft es das Schifflein nicht mehr über die Aare.

Der Wasserstand ist so tief, dass Fährmann Beni Jordi mit der Bodenackerfähre in Muri nur noch über die Aare kommt, wenn er mit seinem «Stachel»-Stecken nachhilft.

Der Wasserstand ist so tief, dass Fährmann Beni Jordi mit der Bodenackerfähre in Muri nur noch über die Aare kommt, wenn er mit seinem «Stachel»-Stecken nachhilft.
Bild: Urs Baumann

Fährmann Ben Jordi (Bild: Urs Baumann)

Fährmann Beni Jordi stösst mit seinem langen Stecken kräftig ab. Nur so erhält seine Fähre genug Schwung, um von der Kehrsatzer auf die Muriger Seite der Aare zu kommen. Vom Schiffchen aus sieht man die Steine auf dem Aaregrund. Und erschreckt ob den wenigen Zentimetern Wasser, die es noch hat. Jordi hält seinen «Stachel» (Stecken) ins Wasser und schätzt. «Mehr als 40 Zentimeter sind das kaum mehr.» Mindestens einen halben Meter höher müsste der Pegel sein, damit die Fähre problemlos verkehren könnte.

«Ich muss Vollgas geben»

Trotz des tiefen Wasserstands fährt die Bodenackerfähre auch jetzt. Sie ist als einzige Fähre in der Region Bern das ganze Jahr in Betrieb. Täglich ausser donnerstags können sich Passagiere beim Fähribeizli in Muri von 10 bis 17Uhr über die Aare chauffieren lassen. Das allerdings fordert im Moment von den Fährmännern nicht nur Muskelkraft, sondern auch Taktik. «Bis in die Mitte geht es ziemlich problemlos», sagt Beni Jordi. Aber nur, wenn er auf der Muriger Seite startet. Dort ist das Wasser tiefer und die Strömung stärker. «Ich muss Vollgas geben», sagt Jordi. Er löst das Schiff vom Seil und stellt es möglichst quer zur Strömung, damit die Wasserkraft optimal wirken kann.

Auch mit mehr Passagieren ist die Fahrt einfacher. «Dann liegt das Boot tiefer im Wasser, und die Angriffsfläche ist grösser», erklärt Jordi, während er am Steuer steht. Läuft es gut, schafft er so einen Grossteil der Strecke. «Am Schluss noch zwei-, dreimal stacheln, dann bin ich drüben auf der Kehrsatzer Seite.» Das sei durchaus zu schaffen. Doch sonntags, wenn er am meisten Passagiere transportiert, spürt Jordi das Stacheln abends «dann schon in den Armen».

Sehr früh sehr tief

«Wir brauchen Wasser», sagt Beni Jordi. Davon zeugt auch die Treppe zur Fähre, deren unterste Stufe mindestens einen Meter aus der Aare ragt. Rund 35,5 Kubikmeter Wasser (35'500 Liter) fliessen pro Sekunde noch die Aare runter. «Das ist schon sehr wenig für diese Jahreszeit», sagt Jordi, der auch die Wasserwerte der amtlichen Stellen verfolgt. Normalerweise trifft er solche Verhältnisse erst im Januar an. Seit 16 Jahren ist Jordi Fährmann in Muri. Trotz allem geht er nicht davon aus, dass der Fährbetrieb in nächster Zeit eingestellt werden muss. Das hat er erst einmal erlebt, als vor ein paar Jahren in der Nähe der Fähre bei einem Hochwasser ein Damm brach. Zu viel Aarewasser floss danach direkt in die Gürbe. «Für uns reichte der Rest nicht mehr.» Rund zwei Monate lang stand die Fähre still.

Es hat noch «etwas Spatzig», sagt Jordi. Notfalls werden er und seine beiden Fährmann-Kollegen von Hand Steine aus der Aare räumen, um der Fähre den Weg wieder frei zu machen.

Ein Fahrgast drückt auf die Fähren-Klingel und steht am Ufer. Er will mitsamt seinem Velo befördert werden. «Das Wasser ist ein Dauerthema», sagt Jordi. Fast jeder Passagier spricht ihn derzeit darauf an. «Wie lange könnt ihr noch fahren?» Diese Frage ist zur Standardfrage geworden. «Bis es schtübt», sagt Jordi dann jeweils. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.12.2011, 06:22 Uhr

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