Eine irre Geschichte aus Irland
im Thuner Kleintheater Alte Oele ein irisches Drama auf. Premiere ist am 9.Februar.
Man braucht in Irland nur eine alte Bäuerin nach dem Weg zu fragen. Wenn sie zu sprechen beginnt, entströmt ihrem Mund Poesie. Andere würden vielleicht behaupten: Sie übertreibt. Sprache ist Natur – kein Wunder, dass in diesem Land die Dichter gedeihen. Es gibt kein Land, das so viele Nobelpreisträger in Literatur hervorgebracht hat wie Irland.
John Millington Synge wurde 1871 in der Nähe von Dublin auf diese Erde geboren. Nach einem Musikstudium verbrachte Synge einige Jahre in Deutschland und Frankreich. Dort traf er mit dem jungen irischen Dichter William Butler Yeats zusammen. Auf dessen Rat schloss er sich der sozialistischen irischen Freiheitsbewegung an und besuchte immer wieder für längere Zeit die Aran Islands, eine Gruppe einsamer Inseln, die der Westküste Irlands vorgelagert sind. Dort lauschte er den Erzählungen der Fischer und schrieb «The Aran Islands». Die letzten Jahre seines Lebens widmete er sich dem Theater.
Vermeintliches Heldentum
«Der Held aus dem Westen» – im Original «The Playboy of the Western World» – wurde 1907 uraufgeführt. Heute gilt der Dreiakter nicht nur als Synges bedeutendstes Werk, sondern auch als Klassiker des modernen englischsprachigen Theaters.
Das Stück handelt von einem eingeschüchterten jungen Mann, der eines Abends in einem Pub an der Küste von Mayo im Westen Irlands auftaucht. Er ist auf der Flucht und gesteht, dass er seinen tyrannischen Vater, der ihn von Kindheit an schlecht behandelt hat, mit einem Torfspaten erschlagen hat. Statt den jungen Mann moralisch zu verurteilen, zeigen die Dorfleute Verständnis und Bewunderung für die Tat, was den jungen Mann ermutigt, seine Geschichte auszumalen. Das Dorf feiert den Fremden als Helden, und die Wirtstochter findet in ihm ihre grosse Liebe, bis sein tot geglaubter Vater zurückkommt. Da ändert sich die Stimmung, und die Dorfbewohner bezichtigen den vormaligen Helden der Lüge. Um seine Liebe zurückzugewinnen, schlägt der Sohn ein zweites Mal zu. Doch nun befürchten die Dorfbewohner, mit einem Verbrechen in Verbindung gebracht zu werden, und wollen den jungen Mann hängen, doch da kriecht plötzlich wieder jemand in die Szene.
Diesem Spektakel um einen vermeintlichen Vatermord liegt eine wahre Begebenheit zugrunde, von der Synge während seiner Studien auf den Aran-Inseln erfuhr. Die Regisseurin Renate Adam inszeniert diese tragikomisch Geschichte auf feine, poetische Art. Und sie hat in dem Ensemble der Mundartbühni Uetendorf ein routiniertes Team, das die Feinheiten dieser komplexen Geschichten während der Proben herausarbeitet. pd/heh
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Erstellt: 01.02.2011, 00:32 Uhr
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