Der HIV feierte bei turbulentem Wetter
Zuerst sorgten die Trommler der Kadettenmusik Thun für laute Töne, danach setzte ein heftiges Gewitter noch eins drauf. Die 150-Jahr-Feier des Handels- und Industrievereins (HIV) in der Arena Thun fand unter etwas turbulenten Wetterbedingungen statt. Das passte zur aktuellen Wirtschaftslage, die auch den Unternehmen der Region zu schaffen macht. Durch den schwachen Euro seien nicht nur die Exportbetriebe der Region betroffen, sondern auch die hier ansässigen Zulieferfirmen, sagte HIV-Präsident Reto Heiz vor den rund 200 Gästen. Wenig Hoffnung setzt er in das Unterstützungspaket des Bundes. «Zuerst wird es zerredet, und wenn es dann mal wirkt, ist es wohl zu spät», meinte Heiz. Doch er zeigte sich zuversichtlich, dass die Schweizer Wirtschaft auch diese Krise meistern werde. Dabei zog er einen Vergleich zur Krise in der Region Thun vor 20 Jahren. «Wir dürfen stolz darauf sein, was wir in den letzten Jahren erreicht haben», sagte Heiz. Den HIV werde es auch künftig brauchen.
Einer, der diese Zeit an vorderster Front miterlebt hatte, war Alt- Grossrat und Unternehmer Peter Rychiger aus Steffisburg. «Wir haben die Krise bewältigt, indem wir die gemeinsamen Interessen nutzten und zusammen nach Lösungen suchten», erinnerte sich Rychiger. Heute sei das anders. Vor allem die Gewerkschaften hätten sich zurückgezogen und würden ihre eigenen Ziele verfolgen. Rychiger nahm aber auch die Unternehmer in die Pflicht. «Wir brauchen wieder mehr Leader, die auch ausserhalb des Unternehmens Verantwortung übernehmen», sagte Rychiger. Damit könnten die Wirtschaftsverbände wieder über bekannte Köpfe greifbarer werden. Zudem dürfe die Handlungsfreiheit nicht durch neue Gesetze weiter eingeschränkt werden. «Wenn wir unsere Träume verwirklichen wollen, müssen wir zuerst aufwachen», zitierte Rychiger die verstorbene Sängerin Josephine Baker.
Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) gratulierte dem HIV im Namen des Gemeinderats. Die Politik müsse die Meinung der Wirtschaftsverbände ernst nehmen. «Wenn es der Wirtschaft gut geht, dann geht es allen gut – auch den Stadtfinanzen», sagte Lanz. Damit traf Lanz offensichtlich den Nerv von HIV-Kantonalpräsident Niklaus Lüthi. «Diese Worte sind Manna in unseren Ohren. Es wäre schön, wenn wir in Bern auch einen solchen Stadtpräsidenten hätten», sagte Lüthi.
Roland Drenkelforth>
Erstellt: 03.09.2011, 00:35 Uhr
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