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Tiefsttemperaturen breiten sich aus

Aktualisiert am 07.02.2012

In Europa sterben immer mehr Menschen an der Kälte. Inzwischen schneit es sogar in Nordafrika. Doch Experten sagen, die Temperaturen seien nicht aussergewöhnlich.

1/21 Der Winter hat Italien fest im Griff.
Bild: Keystone

   

Erinnerungsfoto: Libyer im schneebedeckten Tripolis. (7. Februar 2012) (Bild: AFP )

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Russische Temperaturen in der Schweiz

Russische Temperaturen in der Schweiz
Ein Kältehoch aus Russland beschert der Schweiz diese Woche eisige Temperaturen.

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Kältewelle in Europa

Kältewelle in Europa
Die Kältewelle überzieht fast ganz Europa. Dutzende Menschen sind bereits erfroren. Selbst in Istanbul kämpfen die Bewohner mit eisigen Temperaturen.

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Die Zahl der Toten wegen der Kälteperiode stieg vor allem im Osten des Kontinents weiter an. Doch Wetterexperten der UNO sagen: Die Kältewelle ist keine Ausnahme.

«Die lange Dauer der Kälte, ihr relativ spätes Eintreten und das Ausmass sind bemerkenswert, aber nicht aussergewöhnlich», sagte Omar Baddour von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am Dienstag in Genf vor den Medien.

«Keine Rekorde»

In einigen europäischen Ländern seien in den vergangenen Tagen Temperaturen von unter minus 30 Grad Celsius erreicht worden, erklärte Baddour. «Diese Temperaturen sind keine neuen Rekorde.»

Laut dem Wissenschaftler lässt sich das derzeitige Wetter unter anderem mit der sogenannten Arktischen Oszillation erklären. Diese beschreibt die Schwingung der Luftdruckunterschiede zwischen den Polarregionen und den mittleren Breiten.

Derzeit herrsche eine negative Arktische Oszillation; diese begünstige kaltes Wetter in Europa und führe zu relativ milden Temperaturen in der Arktis. In Longyearbyen, der Hauptstadt von Spitzbergen im arktischen Eismeer, war es in den vergangenen Tagen laut WMO denn auch wärmer als etwa in Mailand oder Istanbul.

Die Kälte dürfe sich aber nächste Woche abschwächen, sagte Baddour weiter. Ein sibirisches Hochdruckgebiet werde mildere Temperaturen bringen, dabei würden Stürme vom Atlantik aus über Europa hinwegziehen.

Mindestens 15 Kältetote

Zunächst stellt der anhaltende Frost aber weiterhin eine tödliche Bedrohung für viele Menschen dar. In Osteuropa starben seit Wochenbeginn mindestens 15 Menschen an Unterkühlung.

Die meisten Tote beklagt Polen. In der Nacht auf Dienstag erfroren gemäss dem polnischen Innenministerium sechs Menschen; die meisten von ihnen waren den Angaben zufolge Obdachlose.

Damit starben seit Beginn der Kälteperiode allein in Polen 68 Menschen an den Folgen der Kälte. Hinzu kommen zwölf Tote durch Kohlenmonoxidvergiftungen. Trotz der Warnungen der Behörden, Kohleöfen und Lüftungsanlagen auf Lecks testen zu lassen, wurden seit Anfang Februar mehr als 300 Vergiftungsfälle bekannt.

In Tschechien meldete die Polizei den Tod eines 44-jährigen Obdachlosen, in Rumänien starben gemäss des Gesundheitsministeriums zwei Menschen wegen der Kälte. Auch in Litauen überlebten zwei und in Ungarn vier Menschen den Frost in der Nacht nicht.

In Deutschland wurde schliesslich der Kältetod eines Rentners gemeldet. Dessen Leiche wurde bereits vergangene Woche in Niedersachsen gefunden. Insgesamt kostete die Kältewelle in Europa bislang mehr als 300 Menschen das Leben.

Algerien versinkt im Schnee

Die Kältewelle erreichte auch Nordafrika: In Algerien starben in den vergangenen Tagen 25 Menschen bei wetterbedingten Verkehrsunfällen oder infolge von Kohlenmonoxidvergiftungen. Der Zivilschutz habe in den vergangenen 72 Stunden knapp 8000 Einsätze absolviert, teilten die Einsatzkräfte am Dienstag mit.

In mehreren Regionen Algeriens und Tunesiens hatte es in den vergangenen Tagen erstmals seit Jahrzehnten heftig geschneit. Etliche Dörfer waren von der Aussenwelt isoliert oder ohne Strom und Wasser. Meteorologen erwarten weitere Schneefälle.

Italien im Griff der Kältewelle

Auch Italien hatte die Kältewelle weiter fest im Griff: Minustemperaturen liessen sogar Teile der Hauptwasserstrasse Canal Grande in der Lagunenstadt Venedig gefrieren. Unterdessen kämpfte der Süden des Landes mit ungewöhnlichem Schneefall, der vielerorts für Stromausfälle sorgte. Tausende Menschen waren betroffen.

Wegen schwerer Überschwemmungen riefen die Behörden im Nordosten Griechenlands unterdessen den Notstand aus. Retter befreiten fünf Personen aus den Fluten des Flusses Evros, der nach mehreren Tagen schweren Regens über die Ufer getreten war. Das betroffene Gebiet liegt an der Grenze zu Bulgarien und der Türkei.

Bereits in der Nacht zum Dienstag wurden mehrere Anwohner aus Dörfern in der Region in Sicherheit gebracht. Zudem wurde der Verkehr im Norden Griechenlands durch schweren Schneefall behindert. In abgelegenen Gegenden fiel der Strom aus. Bei einer Springflut auf der Insel Symi in der Ägäis kam eine 40-jährige Frau ums Leben.

Am Montag war ein Staudamm des Stausees Iwanowo am oberen Flusslauf in Bulgarien gebrochen und hatte die Ortschaft Bisser überschwemmt. Dabei kamen acht Menschen ums Leben, etwa 700 Häuser wurden überflutet.

Kadaver in den Strassen

Die Strassen des Dorfes waren von einer dicken Schlammschicht bedeckt, entwurzelte Bäume und kaputte Autos versperrten die Strassen. Angestellte des Veterinäramts sammelten Kadaver ein. Die etwa 800 Einwohner wurden mit Wasser, Essen und Medizin versorgt.

Die Behörden riefen am Dienstag einen Tag der Trauer aus. Der bulgarische Präsident Rosen Plewneliew und die EU-Kommissarin für Humanitäre Hilfe, Kristalina Georgiewa, besuchten am Dienstag den Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

(kle/sda/dapd)

Erstellt: 07.02.2012, 22:24 Uhr

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