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Lokführer ist schuld am Glacier-Express-Unfall

Aktualisiert am 30.07.2010 53 Kommentare

Die Unfallursache ist geklärt: Das Zugunglück, bei welchem im Wallis eine 64-jährige Japanerin getötet wurde, ist auf menschliches Versagen zurückzuführen. Der Lokführer hatte in einer Kurve zu früh beschleunigt.

1/38 Ein Blick ins Innere eines Unglückwaggons.
Bild: Keystone

   

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Zugunglück: Viel Aufregung in Japan

Zugunglück: Viel Aufregung in Japan
Die meisten Verletzten und das Todesopfer des Zugunglücks im Oberwallis stammen aus Japan. In ihrem Heimatland hat der Unfall viel Aufregung ausgelöst.

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Vor zahlreichen Journalisten - viele davon aus Japan - erläuterte Walter Kobelt von der Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe (UUS) in drei Sprachen die Ergebnisse seiner Untersuchung. Gemäss seinen Ausführungen ist auf dem Streckenabschnitt, auf welchem der Unfall geschah, eine Geschwindigkeit von 35 km/h erlaubt.

Erst nachdem der letzte Wagen die nach der Unfallkurve montierte Geschwindigkeitstafel von 55 km/h passiert, dürfen die Lokführer beschleunigen. Im Falle des verunfallten «Glacier Express» drückte der Lokführer jedoch rund 30 Meter vor der Tafel aufs Gas und beschleunigte auf 56 km/h.

Andere Ursachen ausgeschlossen

Dabei geriet letzte Wagen ins Kippen und touchierte zwei Pfosten. «Die Zentrifugalkraft war schliesslich so gross, dass der letzte Wagen entgleiste und zwei weitere mit sich riss», erklärte Kobelt.

Aufgrund der Untersuchungsergebnisse können Witterungseinflüsse, Veränderungen des Geländes, fehlerhaftes Rollmaterial sowie Schäden in den Geleisen als Unfallursachen ausgeschlossen werden. Nach dem Unfall waren Gerüchte aufgekommen, Deformationen der Schienen könnten für das Unglück verantwortlich sein. Kobelt schloss die Verwerfungen aber als Unfallursache aus, da der Zug vor besagter Stelle entgleiste.

Lokführer kann sich nicht mehr erinnern

Warum der Lokführer vorzeitig beschleunigte, ist nicht geklärt. Laut dem UUS-Experten kann sich der Mann nicht mehr daran erinnern. Die Frage, ob der Zeitdruck den Lokführer veranlasst hatte, das Tempo zu erhöhen, verneinte Hans-Rudolf Mooser, Direktor der Matterhorn Gotthard Bahn (MGB). «Sicherheit steht bei uns an erster Stelle. Bei Geschwindigkeitsüberschreitungen gilt bei uns Null- Toleranz.»

Seit der Neat-Eröffnung sei der Fahrplan enger geworden, räumte Mooser allerdings ein. «Aber wir haben den Fahrplan 2008 mit einer externen Firma optimiert und geprüft.» Man werde den Vorfall nun analysieren und aus dem Untersuchungsbericht entsprechende Lehren ziehen. Derzeit gebe es jedoch keinen Grund, etwas an der aktuellen Situation zu ändern.

Strafrechtliche Konsequenzen möglich

Der Lokführer arbeitete seit acht Jahren bei der MGB. Er wird zurzeit psychologisch und juristisch betreut. Der Untersuchungsrichter prüft, ob er strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden muss. Der Entscheid fällt, sobald der Bericht der UUS vorliegt.

MGB-Verwaltungsratspräsident Jean-Pierre Schmid drückte gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen sowie dem anwesenden japanischen Vizekonsul Mitsuhide Fusegi sein «tiefstes Bedauern» aus. «Es beschämt uns, dass das Unglück auf menschliches Versagen zurückzuführen ist.»

Auch die Walliser Regierung sprach den Betroffenen ihr tiefstes Beileid aus. «Dass ein Ferienurlaub ein derartig schlimmes Ende nimmt, wird im Wallis mit Mitgefühl und Trauer zur Kenntnis genommen», sagte Jacques Melly, Vizepräsident des Walliser Staatsrates.

40 Verletzte, eine Tote

Der Glacier Express war vergangenen Freitag im Oberwallis verunfallt. Der Unglückszug war kurz vor Mittag mit ungefähr 210 Passagieren von Brig her in Richtung Bündnerland unterwegs, als im Goms zwischen Lax und Fiesch drei Waggons entgleisten. Die beiden hintersten Wagen des Panoramazuges kippten um, der dritte blieb stehen.

Beim Unfall kam eine 64-jährige Japanerin aus Osaka ums Leben. Insgesamt wurden 40 Menschen verletzt in Spitäler gebracht. Die meisten Verletzten stammen aus Japan. Derzeit befinden sich noch acht Personen in Spitalpflege. Drei können voraussichtlich in den nächsten Tagen entlassen werden. Eine Person wird noch künstlich beatmet. (bru/sda)

Erstellt: 30.07.2010, 15:14 Uhr

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53 Kommentare

Patricia Galli

30.07.2010, 17:17 Uhr
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Ohne die Verwerfung der Schienen wären die Wagen m.E. nie und nimmer umgekippt. Wenn es wegen einer Verwerfung einen kleinen Versatz in der Schiene hat, dann werden Wagen auf kürzester Strecke einige cm seitwärts bewegt, das wirkt wie ein Schlag oder ein Erdbebenstoss, und zack kippt der Wagen. Zu hohe Geschwindigkeit erhöht die Kippgefahr, kann aber wohl alleine nicht die Ursache sein. Antworten


Stefan Berger

30.07.2010, 15:35 Uhr
Melden

Traurig, hätte die MGB endlich in ein neues Zugsicherungssystem wie bereits ZB, BOB oder BDWM investiert, hätte dieser Unfall kaum passieren können... aber man investiert lieber in neue Waggons. Antworten



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