Leichte Brillen wirken besser
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Marilyn Monroe lief in der Komödie «Wie angelt man sich einen Millionär» lieber halb blind gegen die Tür, als eine Brille zu tragen. Heute wirkt diese Szene noch lachhafter als damals, und die 1950er-Jahre scheinen Lichtjahre entfernt. Brillen haben sich längst durchgesetzt. Dafür spricht, dass laut Optikverband Schweiz letztes Jahr 1,2 Millionen verkauft wurden. Und Brillen schmälern die Attraktivität keineswegs. Denken wir und korrigieren mit ihnen nicht nur unsere Sehschwächen, sondern drücken mit dem jeweiligen Modell unsere Persönlichkeit und Weltanschauung aus. So sitzen Nerd-Brillen mit überdimensionierten schwarzen Rahmen vorwiegend auf den Nasen von Hipstern und Kreativen. Intellektuelle bevorzugen seit Jahrzehnten schmale, strenge Gestelle aus Metall oder in Schwarz, während es viele Frauen ab 50 farbig im Gesicht mögen. Vielleicht um auszudrücken, dass das Leben auch in der zweiten Lebenshälfte noch bunt ist.
Rahmenlos wirkt besser
Doch jetzt könnte eine Studie der Universität Wien die Freude an allzu prägnanten Gestellen mindern. Sie ergab, dass Marilyn Monroes Befürchtungen nach wie vor begründet sind: Auch heute noch gelten Menschen mit Brille als etwas weniger attraktiv als Leute ohne. Und Brillen mit Rahmen mindern die Attraktivität weiter. In der Untersuchung, die gerade im «Swiss Journal of Psychology» erschienen ist, liess Wahrnehmungsforscher Helmut Leder Teilnehmer Gesichter ohne Brille, mit randlosen Modellen und Rahmengestellen nach verschiedenen Kriterien wie Attraktivität, Erfolg oder Vertrauenswürdigkeit beurteilen. Dabei schnitten randlose Brillen wesentlich besser ab als andere. Der Grund: Sie passen sich auf unauffällige Weise dem Gesicht an und lassen ihre Träger fast so erscheinen, als trügen sie keine Brille. Rahmengestelle aber lassen einen markant aussehen. Doch je prägnanter ein Gesicht wirkt, umso unattraktiver wird es wahrgenommen. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Leute, die sich für ein randloses Modell entschieden haben, erscheinen sogar erfolgreicher und vertrauenswürdiger als Träger von Rahmenbrillen und Leute ohne Sehhilfe. Das scheinen Politiker, Manager oder Chefärzte schon immer geahnt zu haben, denn in diesen Berufsgruppen sind die randlosen Modelle besonders häufig verbreitet.
Wir alle wollen attraktiv sein. Bedeutet das nun, dass wir unsere mehr oder weniger auffälligen Brillen einmotten und gegen Gestelle mit randlosen Gläsern eintauschen sollen? Aber sind die denn nicht nur etwas für Leute ab einem gewissen Alter?
«Nein, ein Grossteil unserer Kunden ist in den 30ern», sagt Arnold Schmied, Inhaber der österreichischen Firma Silhouette, die für ihre randlosen Brillen bekannt ist. «Und unser Bestseller, die Titan Minimal Art, wird von Leuten zwischen 9 und 89 Jahren getragen.»
Leicht ist angesagt
Wem es schwer fällt, sich vom prägnanten oder dunklen Gestell der letzten Jahre zu verabschieden, dem hilft vielleicht die Prognose von Jeroen van Rooijen auf die Sprünge. Der Ressortleiter Stil der NZZ sagt: «Die Zeiten werden leichter.» VW experimentiere mit einem nur 759 Kilo schweren Auto, bei Nike werde «zeroweight Gear» propagiert, und im Möbelbereich machen derzeit extrem leichte Prototypen, etwa aus Essstäbchen, von sich reden. «Diese Leichtigkeit setzt sich auch bei den Brillen fort», so van Rooijen. Vielleicht liege es an den Krisenzeiten, in denen Transparenz in jeder Hinsicht gefragt sei. Gerade von Leadern wird jetzt Durchblick erwartet. «Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass Italiens neuer starker Mann, Mario Monti, eine randlose Brille trägt», stellte der Stilexperte fest.
Vielleicht muss es nicht gleich ohne Rand sein, aber dunkle, schwer oder streng wirkende Brillen kann man jetzt langsam wegpacken, allen voran das Nerd-Modell. «Dieses Gestell können sowieso nur Leute tragen, die sehr schön sind», meint van Rooijen. Da das jedoch auf die wenigsten zutreffe, wären die meisten mit etwas weniger Brille besser beraten und daher komme ihnen die neue Leichtigkeit gerade zupass. Wer sich von der Masse abheben will, dem empfiehlt van Rooijen, der selbst Brillenträger ist, Modelle mit einem von den 60er-Jahren inspirierten Retrotouch.
Weniger Brille ist mehr
Egal, wie die Wahl ausfällt, ein paar Grundregeln sollten beim Brillenkauf immer beherzigt werden, um gut auszusehen. Der wichtigste: Weniger ist mehr. «Meist kommt es zu Fehlkäufen, weil die Leute glauben, dass sie um jeden Preis originell sein müssen», sagt van Rooijen. Doch witzige Brillen gehen meist daneben. «Wenn sich dahinter noch ein besonders langweiliger Mensch verbirgt, ist das eine kleine Katastrophe.»
Männern rät er von zu markigen Modellen ab. «Eine Brille sollte einen Mann sympathisch aussehen lassen und seine Intelligenz unterstreichen, aber ihn keinesfalls hart wirken lassen.» Frauen, die Stil und Kompetenz ausdrücken wollen, erreichten das eher über elegante Schlichtheit bei der Kleidung als über eine Brille. Ansonsten könnten sie nicht viel falsch machen. «Mit einer Ausnahme: Gestelle mit grossen Logos, denn deren Zeit ist vorbei», so van Rooijen.
Psychologieprofessor Helmut Leder fiel während der Vorbereitungen zur Studie noch etwas Interessantes auf: «Brillenträger, die lächeln, werden attraktiver eingeschätzt als solche mit ernstem Gesichtsausdruck.» Also, lächeln Sie, und Sie sehen mit fast jeder Brille gut aus. (Berner Zeitung)
Erstellt: 02.12.2011, 15:02 Uhr
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