Untergetaucht im Reich der «Gazellen»
Von Christoph Aebischer. Aktualisiert am 14.01.2012 2 Kommentare
Gesundheit
Sporttauchen ist heute ein Breitensport. Wer sichergehen will, ob die Krankenkasse Unfälle abdeckt, erkundigt sich am besten vor der Abreise. Wichtig ist insbesondere, was sie als Unfall und was als Krankheit definiert. Die Dekompressionskrankheit etwa gilt nicht als Unfall. Sie würde einen Aufenthalt in einer Druckkammer nötig machen. Die Kosten dafür schlagen schnell einmal mit einem fünfstelligen Betrag zu Buche. Wer unsicher ist, bucht eine spezielle Tauchversicherung. Im vorliegenden Arrangement kann diese für die Dauer der Reise an Bord abgeschlossen werden. Wer sich an die Anweisungen des Bordpersonals hält und innerhalb der sogenannten Nullzeit taucht, geht kein besonderes Risiko ein. Standard ist heute ein Gesundheitscheck beim Arzt. Immer häufiger wird ein Attest, das nicht älter als zwei Jahre ist, verlangt. Zur Vorbereitung
vor dem Abflug gehört selbstverständlich ein sorgfältiger Check der Ausrüstung. Wenn immer möglich, sollte der letzte Tauchgang nicht zu weit zurückliegen. Hilfreiche Tipps listet die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) in der Broschüre «Tauchen in den Ferien» auf. Sie ist im Internet unter dem angefügten Link zu finden.
Tipps & Infos
Nirgends liegt die tropische Vielfalt der Korallenriffe näher als im Roten Meer. Kein Wunder, ist es eine der ersten Adressen europäischer Tauchtouristen. Ob die Unterwasserwelt deswegen oder anderer Einflüssen wegen Schaden nimmt, daran scheiden sich die Geister. Sicher gilt: Berühren, Sammeln und auch Kaufen von Souvenirs aus Korallenriffbewohnern ist verboten. Insbesondere im Marine Park, zu denen die angesteuerten Riffe gehören, wurden in den letzten Jahren fixe Anlegeplätze eingerichtet. Die Tauchschiffe können nun an- und ablegen, ohne das Riff zu beschädigen. Um in den ausgezeichneten Offshore-Gebieten tauchen zu können (Tiefenlimit 40 Meter), wird eine Prämie von 100 Euro pro Person fällig. Abgesehen von den 15 Euro für das Visum, den Trinkgeldern (30 bis 50 Euro) und den Kosten für alkoholische Getränke an Bord ist alles im Arrangement inbegriffen. Der achttägige Trip mit Start
in Marsa Alam und Ziel in Safaga kostet beim Berner Reisebüro Hange Loose Travelservice 1990 Franken. Die Reportage kam auf dessen Einladung zustande. Das Büro wird mit einem Stand an der Berner Ferienmesse vom 19.bis 22. Januar präsent sein.
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Einen Tag lang hält das gemütliche Schieben und Rollen der imaginären Wellen noch an. Dann weicht das Urlaubsgefühl langsam und der Alltag kehrt zurück. Eine Woche Tauchsafari im Roten Meer ist intensiv. Drei bis vier Tauchgänge pro Tag bestimmen den Tagesablauf. Die Pausen dazwischen gehören dem Sonnenbaden, Essen und Dösen – sofern die Wellen einen nicht zu arg beuteln.
Wer in den Ferien ausschlafen will, bleibt lieber an Land. Um fünf Uhr morgens ist es rund um das Tauchboot noch dunkel. Das Briefing für den ersten Abstieg findet in der Dämmerung statt, dann heisst es rein ins feuchte Neoprengewand. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Materialschlacht schon. Aber ohne sie bleibt einem der Blick in die Wunderwelt unter Wasser verwehrt. Und gerade in den frühen Morgenstunden ist sie am geheimnisvollsten.
Paradiese auf hoher See
Laut dem Berner Veranstalter der Tauchsafari, Hang Loose Travelservice, kann das Programm auch so zusammengestellt werden, dass Anfänger auf ihre Kosten kommen. Doch die getestete Tour verlangt etwas Können. Die See kann rau sein. Bei hohem Wellengang gilt es, die Ruhe zu bewahren. Mit einer Rolle rückwärts ab dem Gummischlauch des Zodiacs gehts an senkrechten Wänden hinunter ins bodenlose Blau, womöglich bei tückischer Strömung. Für den Besuch der Riffe im offenen Meer sind deshalb 50 geloggte Tauchgänge Voraussetzung. Die Crew der Longimanus, der 40 Meter langen, 8 Meter breiten Yacht, ist aber auf Zack und sorgt für sichere Bedingungen und angenehme Tauchgänge.
Die Überfahrt zu den Unterwasserbergen auf hoher See lohnt sich auf jeden Fall. Die Wände des Daedalus Riff beispielsweise, das sich 100 Kilometer vom Festland entfernt aus mehreren 100 Metern Tiefe bis an die Oberfläche erhebt, sind ein wahres Paradies für Weichkorallen, Gorgonienfächer und eine Vielzahl von farbenprächtigen Fischen. Dazu gesellen sich Besucher des offenen Meeres wie Barrakudas und Thunfische – oder «Gazellen» und «Zebras». Nein, den richtigen Namen verrät Tauchguide Thilo beim Briefing vor dem Tauchgang nicht. Aber jeder weiss – es geht um Haie. Meist bleiben sie auf Distanz, einige Arten wie der Weissspitzen-Hochseehai (Longimanus) können jedoch ihrer Neugierde nicht widerstehen. Sie nehmen einen genauen Augenschein von den blubbernden Eindringlingen. Das erzählen jene, die sie gesehen haben. Zwischenfälle gibt es trotzdem kaum.
Gefährlicher ist die Brandung an der Riffkante, die schon zu etlichen folgenschweren Unfällen geführt hat. Die heimtückischen Riffe wurden auch Hochsseeschiffen zum Verhängnis. Sie legen als Wracks stumm Zeugnis von den Dramen ab, die sich dabei abgespielt haben. Der Korallenbewuchs an Deck und Rumpf sorgt für einen skurrilen Kontrast zur Katastrophe von damals. Heute warnen Leuchttürme vor der Gefahr knapp unter der Wasseroberfläche. Tauchtouristen bringen den einsamen Wärtern etwas Abwechslung und einen Zustupf, wenn sie sich das obligate T-Shirt erstehen.
Tadelloser Service
Zurück auf dem Schiff schält sich nach dem Tauchgang jeder aus der Gummihaut. Dabei wird eifrig ausgetauscht, was einem so alles vor die Brille kam. Denn die Kommunikation beim Tauchen ist notgedrungen etwas einsilbig und auf Handzeichen beschränkt. Während die Crew tatkräftig aus der nassen und engen Ausrüstung hilft, die Flaschen für den nächsten Ausflug auffüllt, ist nach dem Duschen in der Zweierkabine Ausspannen an Deck angesagt. Bis die Schiffsglocke ans Buffet ruft. Tauchen – so träg man sich dabei bewegt – gibt einen gesunden Appetit.
Wer alles Essen bei sich behalten will, sorgt jedoch vor und nimmt etwas gegen Seekrankheit mit. Besonders im Spätherbst und Winter peitschen Winde die See auf. Die nächtlichen Überfahrten können dem einen oder anderen schon einmal den Magen umdrehen. Seis drum: Am nächsten Morgen ist alles vergessen, die Unterseewelt lockt. Tauchen kann süchtig machen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 14.01.2012, 14:44 Uhr
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2 Kommentare
Das Rote Meer ist tatsächlich ein Paradies fast vor unserer Haustüre! In den grossen Tauchsafari-Highlights gehen die kleinen kostenlosen Perlen verloren - zB. geduldig in der Naama Bay (Sharm) ab dem Jolie-Ville Pier schnorcheln. Die Liste der Meeresbewohner, die ich schon hier entdeckt habe ist unglaublich, da keine Zeitbeschränkung wie beim Tauchen. Gerne wieder. Antworten
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