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Heuschnupfen: Warum es auch Ältere trifft

Von Irène Dietschi. Aktualisiert am 25.06.2010

Heuschnupfen trifft nicht nur Kinder und Jugendliche. In den letzten 30 Jahren hat die Zahl der Pollenallergiker, bei denen sich die Krankheit erst im reifen Alter zeigt, stark zugenommen.

Vorsicht im Freien: Auch ältere Menschen können an Heuschnupfen leiden.

Vorsicht im Freien: Auch ältere Menschen können an Heuschnupfen leiden.
Bild: Keystone

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Heuschnupfen gilt als typische Kinderkrankheit. Die meisten Allergiker merken irgendwann im Schulalter, dass sie den Blütenstaub bestimmter Bäume oder Gräser nicht vertragen. Mit dem Alter nehmen die Symptome immer mehr ab, bis sie bei vielen Betroffenen ganz verschwinden.

Umso erstaunlicher ist das umgekehrte Phänomen: Dass zunehmend auch ältere Menschen über Heuschnupfen klagen. Man stelle sich vor: Da bleibt man sein Leben lang verschont und kann über die Beschwerden der armen Pollenallergiker nur mitleidig den Kopf schütteln, derweil man sich Jahr für Jahr auf den Frühling freut. Und plötzlich, als man nach der Pensionierung Zeit hat, diesen etwas mehr zu geniessen, lösen Birkenkätzchen oder blühendes Knäuelgras ein Feuerwerk von Reizen in Nase und Gaumen aus. «Bei unserem Beratungstelefon fallen uns tatsächlich die vielen älteren Menschen auf, die über das erstmalige Auftreten von Heuschnupfen klagen», sagt Georg Schäppi, Geschäftsführer von aha!, dem schweizerischen Zentrum für Allergie, Haut und Asthma.

Städter am meisten betroffen

Das Phänomen der «alten Heuschnüppeler» beobachten seit längerer Zeit auch die Allergologen. Stichhaltige Gründe für den späten Auftritt der Erkrankung können sie nicht nennen, einige Erklärungen und Spekulationen aber schon:

• Die alternde Bevölkerung. Einzelfälle von Personen, die erst jenseits der Pensionierung erstmals an Heuschnupfen erkranken, hat es zwar schon immer gegeben. «Da aber innerhalb der Bevölkerung die Gruppe der über 65-Jährigen immer grösser wird, nimmt auch die Zahl solcher Einzelfälle zu», erklärt Peter Schmid-Grendelmeier, Leiter der Allergiestation am Universitätsspital Zürich. In der Regel allerdings reagiert das Immunsystem beim älteren Menschen mehr nach innen, das heisst, bei einer Störung richtet es sich eher gegen körpereigene Strukturen und verursacht sogenannte Autoimmunkrankheiten wie Diabetes. Dass die Immunabwehr überschiessend auf äussere Reize reagiert, ist eher für den jungen Menschen typisch.

• Luftverschmutzung. Wissenschaftler haben festgestellt, dass Pollen beziehungsweise deren Allergene durch Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid, Ozon, Stickoxid oder Dieselfeinstaub aggressiver geworden sind. Besonders aggressiv werden die Pollen in der Stadt, weil sich Feinstaub aus Autoabgasen auf ihnen ablagert. Diese geben dann mehr Reizstoffe ab als Blütenstaub, der auf dem Land gesammelt wurde.

Man nimmt nun an, dass auf diese aggressiven Reize gerade auch ältere, in der Stadt lebende Menschen vermehrt reagieren. Dies deckt sich zum Beispiel mit der Erfahrung von Arthur Helbling, Leitender Arzt an der Allergologisch-Immunologischen Poliklinik am Inselspital Bern: Seine älteren Heuschnupfenpatienten leben alle «nicht ländlich». «Diese Personen haben dann oft ein enges Allergenspektrum, das heisst, sie sind auf Baum- oder Gräserpollen sensibiliseriert, nicht aber zusätzlich noch auf andere Quellen wie Hausstaubmilben oder Tiere.» Deshalb sprechen diese Patienten auch gut auf eine spezifische Immuntherapie (Desensibilisierung, Hyposensibilisierung) an, wie der Allergologe erklärt. Helbling hat über 20 Frauen und Männer, die älter als 50 Jahre sind, «recht erfolgreich» so behandelt.

• Mineralstoffmangel. Der Allergologe und Hochschuldozent Andreas Schapowal (Landquart) beobachtet das Phänomen der späten Pollenallergie häufiger bei Frauen als bei Männern, dabei sieht er «einen Bezug zu niedrigen Magnesium- und Seleniumspiegeln im Serum.» Wenn Schapowal diesen Mangel bei seinen Patienten findet, verschreibt er ihnen Mineralstoffzusätze.

Eine besondere Behandlungsstrategie gibt es bei älteren Menschen mit Heuschnupfen jedoch nicht. Wie andere «Heuschnüppeler» helfen auch sie sich am besten mit den üblichen Medikamenten wie Antihistaminika oder, in schweren Fällen, Kortisontabletten. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.06.2010, 15:19 Uhr

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