Wortwitz und Rapkunst des mentalen Zappelphilipps
Ungreifbar: Rapper Knackeboul. (Bild: zvg)
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Er ist der omnipräsente Ungreifbare, der sich nicht im Geringsten um Konventionen schert. Bis vor kurzem war Knackeboul der rappende Moderator in «Zambo», dem Kinderprogramm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Auf dem Jugendkanal Joiz verkörpert er auch weiterhin den musizierenden Chaoten mit der selbst benannten TV-Show «Knack Attack». Er hat als Zeitungsjournalist gewirkt, Förderpreise als Elektro-DJ und Pokale an Freestyle-Rap-Battles gewonnen.
Obwohl er nicht wirklich zur nationalen Hip-Hop-Szene gehört, rockt Knackeboul die Bühnen der einschlägigen Festivals wie kaum ein anderer Schweizer Künstler. Die einen lieben ihn leidenschaftlich, den anderen geht er ähnlich leidenschaftlich auf den Keks. Aber keiner kann ihm eine fehlende Arbeitsmoral vorwerfen.
Bewegtes Leben
Als David Kohler in Langenthal zur Welt gekommen, hat der Tausendsassa mit seinen bald 32 Jahren schon etliches erlebt. Authentisch nachzuhören ist ein Teil seiner bewegten Geschichte im ergreifen den Song «David&Knackeboul», dem Opener seines neuesten Werkes «Moderator». Von einem suspekten religiösen Umfeld und davon, wie es war, von diesem verlassen zu werden, von Drogenmissbrauch und Verlust von Freunden ist da die Rede. Kein Wunder, verlief der persönliche, aber auch musikalische Werdegang von Knackeboul nicht ganz so standardisiert wie beim Durchschnittsbürger. Genauso unstet und teils gar hektisch wie Knackebouls bisheriger Lebenslauf präsentiert sich das neue Album. Musikalisch lässt sich «Moderator» in kein existierendes Schema pressen. Jeder Track für sich ist durchaus ansprechend, der rote Faden fehlt jedoch gänzlich. «Immerimmer» oder «Es Zeiche» flirten mit dem zurzeit omnipräsenten Dubstep, «Indienerd» gibt sich als ironische Indie-Rock-Nummer. «Pixelparty» frönt dem spassigen Schunkelrap, während «HDG» oder «Sprachrohr» recht traditionell daherkommen. Die einen mögen diese Stilvielfalt ohne erkennbaren Spannungsbogen abwechslungsreich und spannend finden, anderen wirds schlicht zu anstrengend sein.
Angedeutete Emotionen
Dass Knackeboul rappen kann, steht ausser Frage. Mit unzähligen Freestyle-Battles und Shows auf allen Bühnen des Landes im Gepäck gehört er, was seine Skills anbelangt, gar zu den Besten seiner Zunft. Seine Vergleiche sind witzig, die Reimkonstrukte originell und sein Flow hochstehend und unterhaltsam. Der Abkürzungssong «HDG» etwa beweist seinen Wortwitz und das immense raptechnische Können. Doch zum grossen Songwriting und zum Verfolgen von durchgehenden Konzepten scheint ihm auch nach all den Jahren am Mikrofon die innere Ruhe zu fehlen.
Wenn auch nur ansatzweise, so schafft es der Künstler auf «Moderator», echte Emotionen zu vermitteln. Neben dem erwähnten «David & Knackeboul» zählen der melancholische Lovesong «Sunneungergang» und das mit Sänger James Gruntz intonierte Lied über den Glauben an die Macht eines Songs zu den tiefer gehenden Titeln.
Knackeboul: «Moderator, Mundartisten Records /TBA, erscheint am Freitag, 20. Januar. Plattentaufe: 3. Februar 2012, Bierhübeli, mit Cookie The Herbalist und Afterparty mit DJ Ben Danger & BB1. (Berner Zeitung)
Erstellt: 18.01.2012, 11:09 Uhr
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