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«Put your hands on me, John F. Kennedy»

Von Christoph Fellmann. Aktualisiert am 20.05.2011

Blöd im Tiefsinn, aber manchmal grandios im Quatsch: «Born This Way», das neue Album von Lady Gaga.

«Man kann tun, was immer man will»: Lady Gaga.

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Bild: Keystone

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Den Titel dieser Platte erfuhr die Öffentlichkeit vor acht Monaten. Seither wurde «Born This Way» in einem langen, in allen Farben des Wahnsinns funkelnden Hype geboren. Es gab Gerüchte, Skandale im Konjunktiv und sogar Informationen, die sich dann als wahr herausstellten. Und es gab schliesslich die ersten Singles. Ab nächstem Montag nun liegt das zweite Album von Lady Gaga tatsächlich in den Läden – mit 14 Stücken und unter einem Cover, das selbst in der Grabbelkiste für 80er-Jahre-Metal als besondere Peinlichkeit auffallen würde: die aufgeföhnte Gaga als Lenkerfigur eines chromblitzenden Motorrads.

Die Musik allerdings ist deutlich weniger schlecht, als es die Verpackung, aber auch die Singles erwarten lassen. «Bloody Mary» etwa ist hoch ansteckender Discopop über einem schmutzig mahlenden Bassgroove. Und auch in seiner Verbindung von religiösem Schwurbel und tänzerischem Wirbel ist der Song viel überzeugender als das schon bekannte «Judas», gerade auch wegen seines maliziösen Refrains: «I’m gonna dance / With my hands above my head / Like Jesus said.» Man darf sich auf den Tanzböden auf viele lustige Kreuzigungsszenen gefasst machen.

Zeichen und Zitate

Ebenso ist «Hair» viel mitreissender als das behäbige «Born This Way», das die Platte als Titelstück und erste Single anführt. Beide Songs handeln von der Selbstermächtigung junger Menschen, die sich nicht vorschreiben lassen, wie sie zu sein und zu lieben haben. «I am my hair», gibt Lady Gaga all den Teenagern eine Stimme, die mit ihren Eltern um zu lange, zu kurze oder zu farbige Haare streiten. Diese grundgute Menschenfreundlichkeit muss ein Song erst mal aushalten – «Hair» tut das mit zischendem, überschäumendem Dancepop und lauten Technofanfaren.

Trotzdem führt auch dieser Song ins Dilemma dieses Popstars: Lady Gaga sagt zwar, dass man sein und tun kann, was immer man will. Sie selber aber bietet keinerlei Identifikation an, wie sie sich geschmeidig zwischen machohafter Biker-Kultur, schwulem Disco-Chic und katholischem Basiskult bewegt. Ihr Pop besteht nur aus zahllosen Zeichen und Zitaten. Er kann, das hat er mit so einem jungen Menschen gemeinsam, alles sein. Und ist zuletzt nichts. Lady Gagas rebellische Teenager-Hymnen rennen Türen ein, wo keine Räume sind.

Auch JFK fasst mit an

So hält man sich dann doch lieber an die Songs, die mit viel Party, Geld und Sex bloss sich selber feiern, und das mit allen musikalischen Mitteln – sprich: mit der Hardrock-Gitarre von Brian May (Queen) und dem Saxofon von Clarence Clemons (E-Street-Band). Diese dick aufgebretzelten Discorock-Momente sind die erfreulichsten auf diesem Album: Das begeistert nuttige «Government Hooker» etwa, in dem Lady Gaga reimt: «Put your hands on me / John F. Kennedy» Oder «Marry the Night», in dem Lady Gaga als «Soldatin meiner Leere» die Methode beschreibt, wie sie glaubt, ihr Spiel gewinnen zu können: durch die Hochzeit mit der Nacht. Oder, weniger verklausuliert, durch den schieren, oberflächlichen Sex mit dem Dancefloor, dem wir ihre besten kleinen Monsterhits verdanken. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.05.2011, 20:08 Uhr

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