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Lärm für den Dancefloor

Von Ane Hebeisen. Aktualisiert am 22.12.2011 1 Kommentar

Das Schweizer Duo Copy & Paste legt mit «Faire du bruit» ein erfrischendes, Hit-befrachtetes und manchmal auch etwas übermütiges Disco-Album vor. Eine wahre Freude.

Copy & Paste «This Is»

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Konzerte

Rössli Reitschule und Vidmarhallen Do, 22. Dez., 21 Uhr, CD-Taufe Rössli. Sa, 31. Dez., Silvesterparty, Vidmarhallen Liebefeld.

«Faire du bruit» ist auf dem Berner Label Everest Records erschienen.

Sie pflegen ihre Gesichter hinter grossflächigen Sonnenbrillen zu kaschieren, ihre Arbeitskleidung ist schwarz, die Bühnen, auf denen sie auftreten, sind in der Regel auch nicht gerade gleissend ausgeleuchtet. Doch ganz so einfach in die Ecke der Elektro-Finsterlinge lässt sich das Berner Duo Copy & Paste dann doch nicht stecken. Das wird spätestens mit dem Cover der neuen CD «Faire du bruit» klar. Hier lugt die sonnenbebrillte und schwarz gewandete Miss Paste nämlich aus einer bunten Tischbombe, während Herr Copy dieselbe in bester Hooligan-Manier entflammt.

Spass, Ironie und Zweideutigkeiten sind Errungenschaften, die sich durchaus im Gemüt und in der Musik von Copy & Paste niedergeschlagen haben. Das wird auch in den ersten Takten dieses neuen Tonwerks offenbar. In der Prélude flackert ein Trance-Synthesizer neben Bombast-Perkussion, und schwülstige Streicher kündigen Pompöses an. Der unmittelbar darauf folgende Titeltrack «Faire du bruit» changiert dann in nur drei Minuten von knusprigen Bass-Amok-Eskapaden zu Pop-Schalala, von Rap in Eurodance-Tradition bis hin zum frankofonen Charme-Elektro. Als wollten die beiden gleich zu Beginn klarstellen, dass in der Welt von Copy & Paste alles erlaubt ist, vom puren Pop über den puren Irrsinn bis zur schallenden Disco-Klatsche.

Mehr als bloss gesichtslose und basslastige Tracks für den Tanzboden

Doch die beiden Hauptdarsteller sind clever genug, die Sache auf ihrem zweiten Longplayer dann doch nicht ganz aus dem Ruder laufen zu lassen; er, der Elektrofrickler und im richtigen Leben Haustechniker des Reitschule-Dachstocks, sie, die Noch-News-Redaktionsleiterin von Radio Rabe.

Im musikalischen und tontechnischen Zentrum der 15 Songs steht das Programming von Mister Copy. Es ist der französischen Schule verpflichtet, in der der Synthesizer-Bass dermassen fett und breit angelegt und in den Vordergrund komprimiert ist, dass er neben dem Erledigen seiner Tieftonaufgaben gleichzeitig auch als melodieführendes Element, Störgeräusch-Generator und Perkussionsquelle fungiert.

Und dennoch sind auf diesem Album nicht bloss gesichtslose und basslastige Tracks für den Tanzboden entstanden, nein, Copy & Paste ziehen hier Nummern aus dem Song-Köcher, die unter dringendem Hitverdacht stehen. «This Is» mausert sich nach dem einleitenden Bass-Donnerwetter zu einem zart-bombastischen Disco-Schlager, ohne dabei die subversive Kraft zu vernachlässigen. Dafür sind die Sounds dann doch zu übersteuert, ist das Programming zu raffiniert. In «Crucified» wird der gleichnamige Army-of-Lovers-Hit zur hypnotischen Elektro-Hymne verdrahtet, digital multipel zerhackt, mehrfach durch den Schredder gelassen und wieder neu zusammengeflickt. «Part Of» und «Too Shy to Dance» sind flockig-knackige Pop-Songs voller hübscher Finten und akut Ohrwurm-befallen, «My Boy» ein bestens betanz- und befeierbares Liebeslied.

Es ist viel zu entdecken in dieser Berner Tischbombe. «Faire du bruit» ist ein Album, das die Band für den internationalen Markt empfehlen wird, weil es weder abgebrüht noch en vogue sein will, sondern ganz einfach Spass machen soll. Das ist ein seltener Wesenszug im formatierten und verkrampften Milieu der elektronischen Tanzmusik.

Mehrfach verpixelte Musik: Copy & Paste aus Bern. Foto: zvg (Der Bund)

Erstellt: 22.12.2011, 08:08 Uhr

1

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1 Kommentar

Rüdiger Hoffmann

22.12.2011, 12:10 Uhr
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Hit-befrachtet?!?
Frau Hebeisen, ich gratuliere zu dieser Wortwahl!
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