Witze, Witze über alles
Von Linus Schöpfer. Aktualisiert am 30.01.2012 12 Kommentare
Video 1 (Quelle: Youtube)
Platzender Wanst: Szene aus «The Meaning of Life», 1983.Video 2 (Quelle: Youtube)
Philosophischer Fussball: Deutsche versus Griechen («Monty Python’s Flying Circus», 1972).Video 3 (Quelle: Youtube)
Geheime Sehnsüchte: Der Holzfäller-Song («And Now for Something Completely Different», 1971).Artikel zum Thema
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Ein Science-Fiction-Film solls diesmal also werden. Letzten Freitag verkündeten die fünf verbliebenen, längst ergrauten Mitglieder der Kultgruppe Monty Python – John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones und Michael Palin (Graham Chapman verstarb 1989) –, dass sie bereits dieses Frühjahr mit dem Dreh des Streifens namens «Absolutely Anything» beginnen würden. Sogleich brach Jubel aus in den einschlägigen Kommentarspalten und Diskussionsforen, riesig ist die Vorfreude auf ein neues absurdes Python-Meisterwerk.
Bildungsbürgertum auf Lachgas
Die Gründe für den Kultstatus der Pythons sind beinahe so vielfältig wie die Fressgelüste des fetten Mr. Creosote (siehe Video 1) aus «The Meaning of Life». So ermöglichte die Zusammensetzung der Truppe Spielereien sonder Zahl: Da ist der lange Lulatsch und Frontrunner Cleese, der distinguierte Chapman, der grimassierende Idle, der gnomenhafte Jones, Palin scheint wie gemacht für die dümmlichen Figuren, und Gilliam schlüpfte behände und flexibel in die Nebenrollen.
Die Pythons hatten sich früh, teils bereits während ihrer Studienzeit kennengelernt. Cleese hatte sich als Jura-Student an der Elite-Uni von Cambridge eingeschrieben, Chapman, Jones und Palin studierten in Oxford. Die intellektuelle Aus- respektive Vorbildung prägte die Komödiantenkunst der jungen Briten unverkennbar, die Python-Sketches sind voller Esprit und Anspielungen – sie sind Bildungsbürgertum auf Lachgas quasi (siehe beispielsweise Video 2).
Die gutmütige Matrone BBC
Monty Python (Idle kannte einen kuriosen Säufer namens «Monty» und Cleese gefiel der Nachname «Python») profitierten allerdings auch von überaus günstigen gesellschaftlichen und medialen Rahmenbedingungen, wie sie vor und nach ihnen kaum ein Comedian vorfand.
Wie eine gutmütige Matrone nahm sich die ehrwürdige British Broadcasting Corporation (BBC) der wilden Jungspunde an. Im geschichtsträchtigen Jahr 1968 übernahm die BBC die Serie «Monty Python's Flying Circus» in ihr Programm und gewährte Cleese und Co. (fast) alle Freiheiten; wie überreife Äpfel pflückten und zerpflückten die Pythons daraufhin die Tabus der Upper wie der Lower Class.
Danach drehten die Pythons bis zur offiziellen Auflösung 1983 mehrere legendäre Spielfilme, so «And Now for Something Completely Different» (1971), «Monty Python and the Holy Grail» (1974), «Monty Python's Life of Brian» (1979) und «Monty Python's The Meaning of Life» (1983). Dass die cleveren Comedians sich dabei der ganz grossen Themen – Religion, Mythologie, Sinn des Lebens – annahmen, ist ein weiterer Grund für die Zeitlosigkeit ihrer Kunst, die belegt wird von millionenfach geklickten Youtube-Clips. Die Popularität der Pythons hat sich also erhalten, mit dem Adjektiv «pythonesque» fand die Truppe sogar Eingang in die britischen Wörterbücher.
Geniale Albernheiten
Der weltweiten Bekanntheit, der zahlreichen Prämierungen und der feuilletonistischen Lobhudelei zum Trotz haben sich die britischen Satiriker über die Jahrzehnte hinweg ihre unverschämte Dreistigkeit (ein Beispiel unter Tausenden: Video 3) bewahrt, ohne die ihre Kunst undenkbar ist. Und so ist die Vorfreude auf «Absolutely Anything» denn auch absolut berechtigt. Denn die Pythons können gar nicht anders und haben nie etwas anderes gemacht als: geniale Albernheiten, und Witze – Witze über alles. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.01.2012, 14:01 Uhr
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