Murano liegt in Bümpliz
Von Nina Kobelt. Aktualisiert am 13.01.2012
Ausgezeichnete Gestaltung aus dem Kanton Bern
Die Bestform zeigt Ideen und Produkte von Berner Designern. Etwa Keramikdesign, Glaskunst und mehr.Der Glasdesigner Thomas Blank (siehe Haupttext) zeigt in der Ausstellung «Bestform», wie bei seinem Projekt «Mikro Makro» Glasobjekte mit einer ungewöhnlichen Technik entstehen. Er wurde, wie andere Berner Designer, von der Bernischen Stiftung für angewandte Kunst und Gestaltung ausgezeichnet. Zu sehen sind in der Bestform nebst Ideen und Objekten im Gestaltungsprozess – wie jene von Thomas Blank – auch fertige Produkte: umgesetzte Ideen der Projekte aus dem Jahr 2010. Etwa Keramikdesign von Njomza Sadikaj, Möbeldesign von Eigenwert oder Produktdesign von Atelier Volvox. Die vollständige Liste der Beiträge ist online zu finden. Die Ausstellung im Kornhausforum beginnt heute.
Bestform: Ab Freitag bis am 5. Februar im Stadtsaal des Kornhausforum Bern, Eintritt frei.
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Es ist höllisch heiss in Bümpliz. Zumindest vor dem Ofen, dessen Inneres so aussieht, wie man sich die Hölle vorstellt: ein Loch in gleissendem Weiss und Gelb und Rot. Thomas Blank schiebt gerade eine massive Metallstange in dieses Minihöllenloch, stochert darin herum und dreht dann die Stange um die eigene Achse, als ob er eine Gabel im Fondue tunken würde. Dann zieht er sorgfältig, aber mit einem gewissen Schwung, die Stange, an deren Ende jetzt Glas haftet, heraus und setzt sich auf die Bank.
Thomas Blank ist Handwerker. Er schafft verrückte Dinge aus Glas und lässt dabei (fast) nie etwas anbrennen. Und seine Minihölle ist ein Ofen, in dessen Innern Glas in 1100 Grad liegt.
Ein Spieler an der Stange
Manche von Blanks gläsernen Gebilden sehen aus wie Vasen. «Für mich sind es Objekte», sagt der 37-Jährige. «Wenn jemand Blumen reinstellen will, ist das okay.» Von der Bernischen Stiftung für angewandte Kunst und Gestaltung hat er einen Projektbeitrag für seine Idee «Mikro Makro» erhalten. Dafür wendet er die sogenannte Murrini-Technik an: Er verbindet verschiedene Farbgläser im heissen Zustand miteinander, zieht sie in die Länge und formt daraus Objekte. Blank hat für diese ungewöhnliche Technik tagelang experimentiert und «gespielt», wie er sagt.
Schaut man ihm bei seinem Handwerk zu, erhält man tatsächlich den Eindruck, der Glasdesigner spiele mit seinem Werkzeug. Ein Popstar, der in sein Alphorn bläst. Schon springt er nämlich von der Bank auf und hält seine Stange erneut in den heissen Ofen. Reisst sie wieder heraus, wirbelt Richtung Raummitte und bläst ins Rohr. Setzt sich hin, nimmt eine in Wasser getunkte Zeitung – «der Anzeiger», sagt er, ohne eine Miene zu verziehen – und rollt die Glasmasse am Ende der Stange über die Zeitung ab.
Dann zeigt er, wie man das Glas mit einer Zange in die Länge ziehen kann, zupft daran herum und dreht, bis es eine Spirale gibt. Und dann – nach einem weiteren «Glasbad» in der Hölle – bläst er ins Rohr, sodass am Ende eine Kugel entsteht. Die Stange landet dann in der ebenso heissen Trommel, einem zweiten Ofen, damit das Glas beweglich bleibt. Blank bläst noch einmal und hält zufrieden sein Werk hoch. Und – oh! – schneidet es von der Stange und – klirr! – macht es kaputt! «Ich habe genug Glas», lacht er, «das war nur eine Vorführung.»
Paradies am Höllenloch
Thomas Blank trägt Jeans, Turnschuhe und ein T-Shirt, auch wenn Tür und Fenster offen stehen. Die drei Öfen spenden Wärme – der dritte nämlich, ein riesiger Kasten, der in einer Ecke steht, heizt ebenfalls mit 520 Grad – noch. Blank stellt jeweils am Abend den Timer, die Glasobjekte müssen linear auskühlen. Im «kalten» Teil des Ateliers ruhen grosse Maschinen zur Nachbearbeitung mit riesigen Rädern, es sind Diamantschleifer. Das Zentrum des Raums ist aber die Sitzbank: «Traditionell venezianisch», erklärt Blank. «So arbeiten sie in Murano.» Die Insel bei Venedig ist für ihre Glaskunst bekannt – Blank hat selbstverständlich auch schon ein Praktikum in Murano gemacht.
Im Keller seines Ateliers gibts einen Showroom, ein kleines Fotostudio, ein Materiallager und eine Art Kleinstwachsfigurenkabinett: Dort giesst Blank erst Figürchen in Wachs, um Formen für den Glasguss herzustellen.
Zurück im Parterre: Auf einem Tisch liegen bernsteinfarbene Lampenschirme. «Prototypen», sagt Blank. Er mache für einen Hamam in Zürich Leuchten und passende Parfümflacons. Der Berner führt Auftragsarbeiten aus – manchmal fragt ihn gar die Glasi Hergiswil um Hilfe an –, unterrichtet an Kunsthochschulen und macht Restaurationen. Dass er sich als einer von nur vier selbstständigen Glasbläsern in der Schweiz durchs Leben schlägt, ist eigentlich Zufall: Mit 22 studierte er in den USA Fotografie und besuchte das Wahlfach Glasdesign. «Am Feuer sitzen, Glas blasen und Rockmusik hören – das war damals ein Paradies.» Das ist es immer noch – trotz der Höllenöfen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 13.01.2012, 13:37 Uhr
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