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Eine Liebeserklärung an die Malerei

Von Stefanie Christ. Aktualisiert am 03.02.2012

Mit seiner ersten Ausstellung huldigt der neue Kunsthalle-Direktor Fabrice Stroun der Malerei. Eine Hommage voller ironischer Bezüge.

«Madonna 2» von Hans Schärer aus dem Jahr 1971. (Bild: Stefan Schroeter)

Die Malerei ist tot! Dies jedenfalls glaubte der französische Maler Paul Delaroche (1797–1856), als das erste Fotografieverfahren vorgestellt wurde. Seither wird der traditionsreichen Kunstgattung immer wieder ihr Ende vorausgesagt – sei es, weil Videos, Webkunst oder Installationen die Ausstellungsräume erobern. Doch sie ist noch da und erlebt gerade eine weitere Blütezeit. Nun erweist der neue Kunsthalle-Direktor Fabrice Stroun mit seiner ersten Ausstellung «The Old, the New, the Different» der Malerei die Referenz.

Malerei, die kitschig ist

Die Gruppenschau versammelt Werke der letzten fünf Jahrzehnte von 34 internationalen Künstlern wie John Armleder, Julian Schnabel oder Jutta Koether. Sie erhebt jedoch weder den Anspruch auf einen repräsentativen Über- noch auf einen nostalgischen Rückblick.

«Wir wollen den Formenreichtum hervorheben und die Wirkung der Malerei erfahrbar machen», erklärt Tenzing Barshee. Der Medienverantwortliche führt stellvertretend für Fabrice Stroun durch die Ausstellungsräume, da der Direktor aus gesundheitlichen Gründen für einige Wochen ausfällt. Trotzdem ist Stroun in jedem Raum präsent: Für seinen Kunsthalle-Einstand hat er Werke nach Bern geholt, deren Geschichten ihn persönlich bewegt haben. Diese Geschichten sind so vielfältig wie ihr visuelles Erscheinungsbild, doch den meisten ist die Ironie gemein.

Die US-Künstlerin Karen Kilmnik etwa zelebriert mit «My Village in England – (The Whole Village Is Mine)» aus dem Jahr 2009 die Kitschkunst und zeigt eine idyllische Landschaft, die sich über jedem gutbürgerlichen Sofa sehen lassen könnte. Die saftigen Wiesen lösen sich in Abstraktion auf, und so gelingt der Künstlerin der Sprung von der banalen Szene zur kunsthistorischen Studie. Das Berner Künstlerpaar Lang/Baumann ist in der Treppenhalle mit einem Wandgemälde ohne bestimmbaren Anfang und Schluss vertreten. Und vom US-Künstler John Tremblay sind asymmetrische Zielscheiben ausgestellt, für die er mit der strengen Geometrie einer klassischen Leinwand brach – und mit denen er den Schöpfer der wohl berühmtesten Zielscheibe der Kunstgeschichte zitiert: seinen Landsmann Japser Johns.

Malerei, die schwindlig macht

Wie im Fall von Tremblay weisen die meisten Werke kunsthistorische Referenzen auf: Der Schweizer Hans Schärer schuf in den Siebzigerjahren ein Madonnenbild, dessen schemenhafter Stil an afrikanische Masken erinnert, die einst schon Pablo Picasso und Paul Klee inspirierten. Der junge Schweizer Vittorio Brodmann und die beiden Amerikaner Jason Fox und Michael Scott greifen in farbintensiven Gemälden hingegen die visuelle Sprache der Comic- und Graffitikunst auf. Mit dem Werk «Untitled #13» referiert Scott zudem auf Stilelemente der Op-Art und präsentiert ein weiss-schwarzes Linienraster, das sich bei längerer Betrachtung zu bewegen beginnt und Schwindel auslöst. In diesem Moment ist die Wirkung der Malerei nicht länger nur eine visuelle, sondern auch eine physische – was durchaus als ironische Spielerei zu verstehen ist.

Ausstellung: bis am 25.März. Vernissage: heute Freitag, 18 Uhr, Kunsthalle. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.02.2012, 07:14 Uhr

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