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Scheisse zur Primetime

Aktualisiert am 26.01.2009 6 Kommentare

Mit einer Tierkot-Wette hat sich ZDF-Unterhaltungs-Urgestein «Wetten, dass...?» am Samstagabend der Dschungelcamp-Konkurrenz des Privatfernsehens gestellt.

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«Frisch abgekotet»: Dieser Wettkandidat kann den Tier-Kot anhand des Geruchs zuordnen.
Bild: Keystone

   

Während bei RTL das Finale des Dschungelcamps lief, fuhr Moderator Thomas Gottschalk jede Menge dampfenden Kot auf. «Wir laufen direkt gegen das Dschungelcamp - eure Scheisse können wir schon lange», sagte er angesichts der Wette von zwei Tierpflegern, die Ausscheidungen von Zootieren am Geruch unterscheiden wollten.

Insgesamt verbuchte die ZDF-Wettshow an diesem Abend allein in Deutschland rund 10,63 Millionen Zuschauer und damit einen Marktanteil von 33,4 Prozent, wie der Sender am Sonntag mitteilte. RTL kam nach eigenen Angaben mit der parallel startenden Talentsuche «Deutschland sucht den Superstar» Dieter Bohlens auf 17,1 und dem darauf folgenden Finale der Dschungelshow auf 24,4 Prozent. Im Rennen um die Gunst der jungen, werberelevanten 14- bis 49-Jährigen musste sich Gottschalk allerdings laut RTL geschlagen geben. Daran konnte weder der Ekelfaktor noch Weltstar Tom Cruise etwas ändern.

Unspektakulärer Cruise

Cruise, der zurzeit in Europa seinen Film «Operation Walküre» bewirbt, hatte einen Zwischenstopp in Offenburg gemacht und sich mit seinem deutschen Filmpartner Christian Berkel zu Gottschalk auf die Wettcouch gesetzt. In dem Film, der seit Donnerstag in den Kinos zu sehen ist, spielt Cruise den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Vorwürfe, der Film sei historisch ungenau, und Cruises Mitgliedschaft in der Sekte Scientology hatten vor dem Start immer wieder heisse Debatten ausgelöst. Doch Gottschalk, ganz der nette Gastgeber, kostete diese Brisanz nicht aus. Auch als der Showmaster über die politischen Unterschiede von Deutschland und den USA debattieren wollte, blieb es beim Versuch. So gestaltete sich das Gespräch recht unspektakulär. Die Fernsehzuschauer sahen einen bescheidenen, freundlichen und politisch korrekten Tom Cruise.

Dschungelcamp als Witzelieferant

Das Dschungelcamp lieferte Gottschalk dagegen zahlreiche Steilvorlagen. Vor allem Entertainerin Désirée Nick eignete sich für derartige Scherze bestens, trug sie doch einst den Titel der Dschungelkönigin. «Das Fegefeuer gehört zum Weg der Erlösung», sinnierte Gottschalk im Hinblick auf diesen Teil von Nicks Vergangenheit. Sie und der Komiker Michael Mittermeier hauchten der sonst ziemlich faden Runde in der Sofaecke ein wenig Leben ein.

Zuvor hatten dort ARD-Moderator Jörg Pilawa, Model und Mick-Jagger-Ex Jerry Hall sowie das 16-jährige Nachwuchsmodel Toni Garrn Platz genommen. Als Mittermeier in seinem kurzen Comedy-Stand-up schliesslich doch noch Witze auf Kosten von Scientologe Tom Cruise machte, hatte dieser in Begleitung von Schwimm-Olympionikin Britta Steffen den Saal bereits verlassen.

Mit Zungenspitzengefühl zum Wettkönig

Mittermeier stand schliesslich für die Wette Pate, auf die Gottschalk nach eigener Angabe «seit Jahren» wartete. Die Tierpfleger Claudia Dittel und Maik Wilsmann mussten erraten, von welchen von insgesamt 33 Tieren der aufgetischte Kot stammt. «Frisch abgekotet», versprach Gottschalk und servierte den Stuhlgang auf einem silbernen Tablett. Obwohl die Kandidaten alles «errochen», reichte es für sie ebenso wenig zum Titel des Wettkönigs wie für Skilangläufer Peter Schlickenrieder. Der Olympia-Medaillen-Gewinner von 2002 siegte in der Aussenwette in Sölden im Wettlauf gegen einen Pistenbully.

Wettkönig aber wurde Harald Ebenhöch, der mit der Zunge Süssstofftabletten aus gespannten Mausefallen herausspitzelte. «So nehmen Masochisten Viagra», witzelte Gottschalk. Die Zuschauer honorierten so viel Zungenspitzengefühl, und so landete Ebenhöch knapp vor den Kandidaten Ulrich Weller und Steffen Schlüter, die über Ohrenwackeln miteinander kommunizierten.

Die Wetten stahlen den Prominenten an diesem Abend eindeutig die Schau. Den Eindruck konnten auch die guten Musikauftritte von Alt-Rocker und «Wetten, dass...?»-Dauergast Peter Maffay, Sänger Seal und insbesondere der britischen Band Coldplay nicht ausbügeln. Bedanken musste sich Thomas Gottschalk am Ende bei Magnus Johannes Grossmann. Der ausgeflippte Theologie-Student lief schneller auf allen Vieren als die herausgeforderten Offenburger und gewann die Saalwette. Somit blieb es dem Moderator erspart, in ein enges rosafarbenes Kostüm zu schlüpfen, um zusammen mit den Karnevalisten des schwulen Vereins «Rosa Funken» ein Tänzchen hinzulegen.

Ärger könnte Gottschalk allerdings noch wegen der Kot-Wette drohen: Die CSU-Politikerin Angelika Niebler, Mitglied im ZDF-Fernsehrat, beschwerte sich laut «Münchner Merkur» in einem Brief an ZDF-Intendant Markus Schächter über «widerliches TV und eine derartige Kulturlosigkeit». So etwa gehöre nicht ins deutsche Fernsehen und schon gar nicht ins Öffentlich-Rechtliche. Sie werde diesen «Verfall der guten Sitten» im Fernsehrat ansprechen, Schächter solle das Thema in den Leitungsgremien des Senders aufgreifen, forderte Niebler der Zeitung zufolge. (rb/ap)

Erstellt: 26.01.2009, 08:39 Uhr

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6 Kommentare

Hugo Reichmuth

26.01.2009, 10:44 Uhr
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Ich habe "Walküre" nicht gesehen, aber die deutsche Hetze gegen Cruise geht mir langsam auf den Sack. Was ist das Problem, wenn Cruise Scientologe ist? Ich mag diese Gruppe nicht, aber soviel Sch.., wie unsere traditionellen Drecksreligionen angerichtet haben, bringt Scientology in 1000 Jahren nicht hin. Was geht Deutschland Cruises private Angelegenheiten an? Gab es mal die Aufklärung in D-Land? Antworten


Paul Thürig

26.01.2009, 11:08 Uhr
Melden

"Wetten dass..." läuft langsam aber sicher aus...Schade! Antworten




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