Martin Suters Schmalspur-Sherlock
Von Daniel Arnet. Aktualisiert am 29.06.2011 4 Kommentare
Martin Suter: «Allmen und der rosa Diamant», Diogenes-Verlag, ISBN: 3-25706-799-2
Artikel zum Thema
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Allmen und sein Butler Carlos waren noch Amateure, als sie im letzten Martin-Suter-Krimi «Allmen und die Libellen» den Fall um eine wertvolle Schale souverän lösten. Der Erfolg beflügelte sie: Sie wechselten ins Profilager und gründeten «Allmen International Inquiries». Und nun klopft im eben erschienenen Folgebuch «Allmen und der rosa Diamant» bereits der erste Kunde an: Der Brite Montgomery beauftragt Allmen, einen äusserst wertvollen Edelstein aufzuspüren.
Durch eigenes Talent zur Berufung
Bald einmal steht der Russe Sokolow im Verdacht, den rosa Diamanten entwendet zu haben. Der Zufall will es, dass der Osteuropäer in der Nachbarschaft von Allmens Zürcher Villa wohnt. Doch nicht nur der Diamant ist weg, auch Sokolow ist nicht zu Hause. Eine Spur führt Allmen und Carlos ins Grandhotel des Ostseebades Heiligendamm. Dort merken die beiden Neo-Detektive aber schnell, dass sie nicht die Einzigen sind, die den Russen samt Edelstein suchen.
Mit diesem Allmen-Fall tritt der Schweizer Bestsellerautor Martin Suter nun definitiv in die Fussstapfen von Arthur Conan Doyle und dessen Meisterdetektiv Sherlock Holmes. Natürlich spielen die beiden Ermittler in unterschiedlichen Ligen, aber es gibt doch etliche Parallelen: Wie Sherlock Holmes kommt Johann Friedrich von Allmen aus gutem Haus, beide gingen auf höhere Schulen, kamen durch das eigene Talent zu ihrer Berufung und ermitteln auf eigene Faust. Sie sind keine Polizisten, haben aber einen Assistenten – Sherlock Holmes seinen Doktor Watson und Allmen seinen guatemaltekischen Butler Carlos.
Kommissar Maigret als Vorbild
Suter befindet sich mit seiner literarischen Figur also in angelsächsischer Tradition. Ein Novum für die hiesige Krimilandschaft, waren die bis anhin bekannten Schweizer Ermittler doch eher von anderem Schlag. Ob Wachtmeister Studer von Friedrich Glauser, Kommissär Hans Bärlach von Friedrich Dürrenmatt oder – um ein neueres Beispiel zu nehmen – Kommissär Peter Hunkeler von Hansjörg Schneider: Alle haben Ähnlichkeit mit dem berühmten Pariser Ermittler Jules Maigret des belgischen Schriftstellers Georges Simenon.
Wie Maigret entstammen die Schweizer Ermittler meist einem kleinbürgerlichen Milieu und sind väterliche Figuren mit einem sozialen Gewissen. Auch wenn sie zuweilen missmutig und wortkarg sind, sie haben das Herz auf dem rechten Fleck. Das dünkelhafte Getue eines Sherlock Holmes liegt ihnen fern. Sie wollen die Täter nicht mit gedanklicher Brillanz am Rande der Legalität zur Strecke bringen, wie das Holmes manchmal macht, sondern durch solide Polizeiarbeit.
Auch Johann Friedrich von Allmen und sein Butler Carlos nehmen es im neuen Buch «Allmen und der rosa Diamant» mit den Gesetzen oft nicht so genau und ermitteln mit ungewöhnlichen Methoden. Um den Lesern dereinst wie Sherlock Holmes in Erinnerung zu bleiben, dafür reicht es den beiden Schweizer Ermittlern noch bei weitem nicht. Aber wie jeder Serieheld hat auch Allmen eine nächste Chance. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.06.2011, 10:18 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
4 Kommentare
Nachdem alle um mich herum von den Suter Büchern in allen Farben geschwärmt haben, griff ich vor Monaten tief in die Tasche und erwarb für (zu) teures Geld «Allmen und die Libellen». Bis auf die letzte Seite hab ich mich durchgekämpft und auf Spannung gehofft. Diese ist aber, bis auf einen Absatz, ausgeblieben. Noch einmal tu ich mir das nicht mehr an. Antworten

Bitte warten




