Irren ist peinlich
Aktualisiert am 14.10.2011 28 Kommentare
Jürgen Brater: «Keine Ahnung, aber davon viel – Die peinlichsten Prognosen der Welt», Ullstein Verlag, ISBN: 3-548-37386-0.
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In Zeiten der Unsicherheit klammern wir uns liebend gerne an sie: an die Männer und Frauen, die über alles Bescheid wissen, die nicht um den heissen Brei, sondern Klartext reden und die uns sagen, wo es langgeht und was die Zukunft uns bringen wird.
Experten werden sie genannt, manchmal Visionäre und hie und da auch Spinner. Denn der Grat zwischen Fachmann, Klugscheisser und Wichtigtuer ist manchmal ziemlich schmal. So kommt es vor, dass eine eben noch 100-prozentig sichere Prognose plötzlich nur noch lachhaft ist.
«Youtube wird ein Reinfall»
Genau auf derartige falsche Prognosen hat es der Autor Jürgen Brater abgesehen. In seinem Buch «Keine Ahnung, aber davon viel» hat er unzählige Falschaussagen gesammelt, vom 12. Jahrhundert bis zur Neuzeit. So hat zum Beispiel der Autopapst Henry Ford 1945 die kostenlose Übernahme der Volkswagen-Werke mit folgender Begründung abgelehnt: «Nein danke, dieses Auto ist eine Fehlkonstruktion.» Gemeint war der VW-Käfer.
Im Nachhinein amüsant ist auch die felsenfeste Überzeugung amerikanischer Verkehrsexperten, dass die Strassen New Yorks spätestens 1910 wegen meterhohen Pferdemists unpassierbar sein würden. Albert Einstein war überzeugt, dass die Menschen es nie und nimmer schaffen würden, Atomenergie zu entwickeln, und der Mitbegründer von Youtube wusste ganz genau, dass sein Videoportal ein Reinfall wird.
150 Falschaussagen auf 300 Seiten
Alle hatten sie unrecht, wie wir inzwischen wissen. Rund 150 solcher Fehlaussagen hat Brater auf etwa 300 Seiten gesammelt. Er führt immer das jeweilige Zitat auf und gibt dann ausführlich seinen Senf dazu ab, der meistens ziemlich informativ ist und die Umstände erklärt. Dadurch ist das Buch eher zum Stöbern gedacht, statt zum Lesen von A bis Z. Amüsant und lesenwert ist es allemal. Und es gibt viel zu lachen. Dass die Experten aus früheren Jahrzehnten oder Jahrhunderten nicht an die Luftfahrt, den Nutzen von Erdöl oder an Shakespeares Talent glaubten, verzeiht man ihnen schnell.
Aber was ist mit den heutigen Experten, an deren Lippen wir gutgläubig hängen? Sollten sie es nicht besser wissen mit all den heutigen Möglichkeiten? Sicher ist: Nach Lektüre dieses Büchleins wird man gewisse Aussagen gewisser Experten wohl mit etwas mehr Vorsicht geniessen. Einige der amüsantesten Falschprognosen finden Sie in der obigen Bildstrecke. (dj)
Erstellt: 14.10.2011, 11:00 Uhr
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28 Kommentare
7/14 war durchaus nicht falsch. Es trifft tatsächlich auch nach 9/11 nicht zu, dass Terrorismus die grösste Bedrohung der USA oder gar der Welt ist. Die Wahrscheinlichkeit, durch eine Terrorakt zu Schaden zu kommen, ist für praktisch alle Menschen unermesslich klein. Im Gegensatz dazu kommen sehr viele Menschen durch überzogene Gegenmassnahmen und staatliche Racheakte zu Schaden. Antworten
Lieber Tagi, genau solche Beiträge wünschte ich mir mehr, es müssen nicht mal Bespiele sei die 100 Jahre zurückliegen. Nehmen sie die Zeitung vor einem Jahr und besuchen die Interviewten nochmals und konfrontieren diese mit den Aussagen. Am besten machen sie gleich eine Serie darus: Was sagte eigentlich xy vor einem Jahr und was heute. Keine Häme, sondern lernen aus Fehlern. Antworten

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