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Toyota zeigt wieder Sportsgeist

Von Nina Vetterli-Treml, Madrid. Aktualisiert am 30.01.2012

Schluss mit dem Biedermann-Image: Toyota bringt den GT 86 an den Start, um die Herzen der Sportwagenfahrer zurückzugewinnen.

1/4 Sieben Jahre nach dem Ende des legendären Toyota Celica kehrt Toyota im Sommer 2012 mit einem kompakten und erschwinglichen Sportwagen zurück – dem GT 86.
Bild: Toyota

   

Toyota GT 86

Kategorie: 2-türiger Sportwagen mit 2+2 Plätzen.?
Masse: Länge 4240 mm, Breite 1775 mm, Höhe 1285 mm, Radstand 2570 mm.
Kofferraum: 223 Liter.
Motor: 2-Liter-4-Zylinder mit 200 PS.
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in ca. 7 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 212 km/h.
Verbrauch: ca. 6,9 Liter auf 100 Kilometer.
Markteinführung: Juni 2012.
Preis: Einstiegspreis unter 30 000 Euro.
Infos: www.toyota.ch

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Der Name Toyota stand in letzter Zeit vor allem für Familienkutschen, Taxi-Limousinen und Hybridmodelle, die ihren Fahrern einen grünen Anstrich verleihen. In anderen Worten: Für vernünftige Autos mit wenig Sexappeal. Das war nicht immer so. Schliesslich fuhr James Bond himself 1967 einen Dienstwagen der Marke, Sportautos wie der zwischen 1971 und 2005 gebaute Celica fanden weltweit ihre Fans, und bis vor wenigen Jahren gabs ein Engagement im Motorsport. Grund genug für Toyota, die Ära der Emotionslosigkeit zu beenden.

Grosse Ambitionen

Nachdem die mit viel Begeisterung aufgenommene Studie FT-86 eine gefühlte Ewigkeit von Automesse zu Automesse getingelt war, steht das Serienmodell endlich in den Startlöchern. Anders als erwartet lässt die neue Sportwagenhoffnung aber nicht den Namen Celica wiederaufleben, sondern begnügt sich mit einem schlichten «GT 86». Wobei hinter dem uninteressanten Kürzel ein interessantes Auto steckt. Eines, das mit grimmigen Scheinwerferschlitzen und weit ausgestellten Kotflügeln grosse Ambitionen kundtut.

Über der einstigen Formel-1-Strecke Jarama bei Madrid hatte sich der Himmel zu einer grauen Masse zusammengezogen, als es darum ging, einen Prototypen des GT 86 über die Piste zu jagen. Genauso bedrohlich röhrte der 4-Zylinder-Boxermotor aus den Endrohren, sobald man die Nadel des grossen Drehzahlmessers aufzucken liess. Und so hiess es: 200 ungeduldige Pferde mit Kupplung und Gaspedal befreien, rasch zur Sechsgang-Handschaltung greifen, bevor sich der Drehzahlbegrenzer nahe der 8000erMarke einmischen konnte, und spielend leicht über elf tückische Kurven und eine schöne lange Gerade donnern.

Die Emotionen, die dabei aufkamen? Freude am Fahren – das passt doch prima zur kürzlich verkündeten Kooperation, die Toyota mit BMW eingehen will.

Ein ehrliches Sportauto

Entwickelt wurde das Gefährt aber keineswegs mit BMW, sondern gemeinsam mit der Tochtermarke Subaru, die nebst der Plattform auch den Boxermotor als Zutat für die neue Sportwagenkost lieferte. Diese servieren die Japaner nun sehr klassisch: Für einen niedrigen Schwerpunkt wurde der flache Motor weit hinter der Vorderachse platziert, die möglichst tiefe und weit nach hinten gerückte Anordnung von Antriebsstrang und Fahrerposition ergeben eine nahezu perfekte Gewichtsverteilung, ausserdem werden die Hinterräder angetrieben.

«Wir haben ein ‹Oldschool-Sportauto› gebaut, das sich auf den Fahrer konzentriert», lässt die Pressedokumentation verlauten – all die elektronischen Hilfen und übertrieben starken Motoren machten Autos doch nur langweilig, heisst es weiter. Und inwiefern hebt sich der GT 86 ab? Er belässt den 2-Liter-Boxer ohne Turboauflader und verzichtet auf jegliche Spielereien. Allein die Bauweise des Coupés sorgt für Agilität und ein leichtes Handling. Das einzige, womit Fahrfehler ausgebügelt werden: ABS, Differenzialsperre und eine immerhin erst spät eingreifende Stabilitätskontrolle. Um die ist man übrigens nicht unfroh, wenn das agile 1180-Kilogramm-Leichtgewicht in schnellen Kurven ausbricht.

Diese Beschränkung auf das Nötigste macht den Reiz des GT 86 aus. Gnadenlos ehrlich sind seine Rückmeldungen – der Mensch kontrolliert die Maschine, nicht umgekehrt.

Das ergonomisch einwandfreie Cockpit und die guten Sportsitze tun den Rest, damit man mit dem Auto verschmilzt und sich einzig auf die Strasse konzentriert. Das ist vielleicht auch besser so, denn im Interieur kommt mit den eher lieblos anmutenden Karbon-Applikationen, roten Ziernähten und Alu-Pedalen wenig Freude auf. Und auch mehr als einen Passagier möchte man im «kleinsten viersitzigen Sportwagen der Welt» lieber nicht dabei haben – zu sehr würden sie sich über mangelnde Beinfreiheit beklagen.

Was beim Toyota GT 86 zählt, ist der Fahrspass. Zwar ist er nicht so stark wie etwa der Porsche Cayman, dafür aber flacher, leichter und weitaus günstiger. Zweifelsohne wird es dem Neuling genau wie seinem Vorgänger Celica gelingen, eingefleischte Fans zu finden, mit Privatteams auf der Rennstrecke anzutreten und durch die Tuner in groteskem Ausmass zu mutieren. Vor allem aber wird der Sportler die Marke Toyota wieder in Richtung Emotionalität lenken. Und davon werden auch die Familienkutschen, Taxi-Limousinen und Hybridmodelle profitieren.

Nina Vetterli-Treml fuhr den neuen GT 86 am 27. Januar auf Einladung der Toyota AG in Spanien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.01.2012, 21:05 Uhr

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