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Designstück für die Zukunft

Von Thomas Borowski. Aktualisiert am 08.04.2011

Ab Herbst will Land Rover mit dem Range Rover Evoque im boomenden SUV-Markt neue Massstäbe setzen – wir sind ihn schon gefahren.

Passendes PR-Bild: Die Briten positionieren den neuen und kompakten Range Rover Evoque weltweit als neuen Imageträger der Marke.

Passendes PR-Bild: Die Briten positionieren den neuen und kompakten Range Rover Evoque weltweit als neuen Imageträger der Marke.
Bild: Land Rover

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Nie zuvor haben die PR- und Marketing-Manager von Land Rover bei einem neuen Auto so tief in die Trickkiste gegriffen wie beim neuen Evoque. Denn der kleine Range Rover soll nicht nur ein funktionaler Kompakt-SUV sein, sondern auch neuer Imageträger und Bestseller der Marke. Mit seinen Offroad-Qualitäten soll er die bisherige Klientel der englischen Marke ansprechen und zudem das immer grösser werdende Feld der Lifestyle-affinen Kundschaft beackern.

Ein ziemlich dicker Katalog an Anforderungen, den John Edwards bei der ersten kurzen Fahrpräsentation des Evoque am Hauptsitz der Briten in Gaydon präsentierte: «Dieses Auto ist für uns extrem wichtig und wird für unsere besten Verkäufe sorgen», zeigt sich der Global Brand Director von Land Rover zuversichtlich. Der Katalog ist auch deshalb so dick, weil der Evoque für die mittlerweile zum indischen Tata-Konzern gehörende Traditionsmarke aus Grossbritannien ein echter Hoffnungsträger ist. Er soll im Hause Land Rover ein neues Zeitalter der verbrauchsärmeren Autos einläuten, die auf der Britischen Insel produziert werden und so für lokale Arbeitsplätze sorgen.

An diese Bedingungen knüpfte die britische Regierung nämlich ihr 27 Millionen Pfund schweres «Hilfspaket», das sie im März 2009 Jaguar Land Rover zugestand. Deshalb wird der Evoque im Range-Rover-Werk in Halewood bei Liverpool produziert, verfügt als einziges Produkt der Marke ausschliesslich über sparsame 4-Zylinder-Motoren und ist als Novum bei Range Rover auf Wunsch auch als reiner Fronttriebler erhältlich. «Der Evoque steht am Anfang einer ganzen Serie von Neuheiten, welche die beiden Marken Range Rover und Land Rover neu im Markt positionieren sollen», bekräftigt John Edwards.

Schweiz: Schon 300 Bestellungen

Die Vorzeichen stehen derzeit gut, dass der kleinste Offroader, der je von Range Rover gebaut wurde, diese in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt. Seine LRX genannte Konzeptstudie machte mit ihrem auffälligen Keildesign erstmals an der Motorshow in Detroit im Januar 2008 von sich reden. Das im Look kaum veränderte Serienmodell wurde dann werbewirksam im Juli vergangenen Jahres in London präsentiert. Als Enthüllerin und angebliche Mitdesignerin des Evoques amtete dabei «Posh Spice» Victoria Beckham. Ihr werbewirksamer Auftritt als Promi-Patin brachte weltweite Medienbeachtung. Heute wird sie von Jaguar Land Rover der Presse gegenüber nicht mehr als Mitarbeiterin erwähnt. Trotzdem wurde der Evoque dank ihr rasch zum Edel-SUV hochstilisiert. Die internationale Werbekampagne über die Website helloevoque. com trug weiter dazu bei, dass die Bestellbücher für den Neuling bereits ziemlich voll sind. «Allein in der Schweiz gingen seit Herbst 2010 rund 300 Bestellungen ein», sagt Karin Held, Presseverantwortliche von Jaguar Land Rover Schweiz. «Und das, obwohl die Markteinführung erst im kommenden September erfolgt.»

Im Markt positioniert wird der als Allradler (ab 2012 auch nur mit Frontantrieb) erhältliche Evoque als Lifestyle-Offroader mit allen gängigen Optionen und natürlich markentypischer Geländetauglichkeit. Von der konnten wir uns bei der Fahrpräsentation im Werk bei Gaydon leider nicht überzeugen. Hier stand nur die asphaltierte Teststrecke hinter der Fabrik zur Verfügung. Auf der durften wir 10 Kilometer in Vorserienmodellen fahren, was nur für vage erste Fahreindrücke genügt. Dabei arbeitet der neue 2,2-Liter-Turbodiesel mit 150 PS kaum hörbar. Sein Verbrauch soll im 1,6 Tonnen schweren Evoque mit Stopp-Start-Technik bei nur 5,7 Litern auf 100 Kilometern liegen.

Man fühlt sich sofort wohl

Auffällig im Evoque ist das handliche Gefühl, das er vermittelt. Im fein ausgestatteten Cockpit des in drei Ausstattungslinien und insgesamt über 30 000 individuellen Kombinationsmöglichkeiten erhältlichen Fünfplätzers fühlt man sich auf Anhieb wohl. Das als Option verfügbare adaptive Fahrwerk bügelt im Komfortmodus alle Unebenheiten weg und lässt im Sportmodus ohne Härte mehr Kontakt zur Strasse spüren. Die drei Offroad-Wahlmöglichkeiten blieben leider unangetastet. Dafür bekamen wir beim Versuch mit dem Seitwärts-Einpark-Assistenten (Option) beste Gelegenheit, die Übersichtlichkeit zu testen. Hier zollt der Evoque seiner abfallenden Dachlinie und den starken Schulterpartien Tribut. Beim um drei Zentimeter tieferen Dreitürer (von Range Rover «Coupé» genannt), lassen die Heck- und die beiden Seitenfenster nur sehr eingeschränkte Rundumsicht zu. Etwas besser ist diese beim Fünftürer. Und der bietet deutlich besseren Zugang zu den Plätzen auf der Rücksitzbank. Sie lässt sich bei beiden übrigens geteilt umlegen, was den Evoque zwar nicht zum Lademeister macht, den Stauraum aber dennoch vergrössert.

Vom rein optischen Standpunkt her wirkt aber der dreitürige Evoque deutlich dynamischer als der Fünftürer. So viel Coolness hat beim Range Rover Evoque aber auch ihren Preis: Der Dreitürer kostet im Vergleich zum Fünftürer 1300 Franken Aufpreis. Ohnehin ist der Evoque in seiner Liga kein Schnäppchen – denn unter 49 100 Franken gibt es nichts. Das teuerste Modell mit 240 Benziner-PS kostet mindestens 71 400 Franken. Es war halt schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben.

*?Thomas Borowski fuhr den Evoque am 31. März auf Einladung der Jaguar Land Rover Schweiz AG in England. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.04.2011, 23:55 Uhr

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